Lohnforderungen - Der Service Public auf Kurs

Lohnforderungen - Der Service Public auf Kurs
12.08.2021

Der Service Public spielt seit Beginn der Corona-Pandemie eine wesentliche Rolle. Die Grundversorgung, das Rückgrat der Schweizer Gesellschaft und Wirtschaft, konnte dank zuverlässigen Mitarbeitenden aufrechterhalten werden. Die Schweizer Wirtschaft erholt sich derzeit. Aufgrund dieser beiden Tatsachen und als Zeichen der Anerkennung des Personals sind für transfair generelle Lohnforderungen mehr als gerechtfertigt.

Seit dem Frühling 2020 sahen sich die Schweizer Bevölkerung und die Unternehmen mit vielen Ungewissheiten in Bezug auf die Gesundheitsmassnahmen konfrontiert. Für transfair stand eines immer an vorderster Stelle: die Sicherung der Arbeitsplätze in seinen Branchen. Auch aufgrund des erhöhten Arbeitsaufkommens ist es gelungen, die Arbeitsplätze zu sichern. Ausserdem waren faire Arbeitsbedingungen garantiert.

In diesen Zeiten der Unsicherheit hat der Service Public weiterhin die von ihm erwartete Rolle als Stabilisator gespielt. Die Mitarbeitenden der Branchen von transfair haben die Leistungen der Grundversorgung erbracht und dabei alle Bevölkerungsgruppen in allen Regionen unsers Landes bedient. Das Personal in den Branchen Kommunikation, Post/Logistik, öffentlicher Verkehr und öffentliche Verwaltung hat im Rahmen des Teil-Lockdowns und der anschliessenden Wiederaufnahme des Betriebs bemerkenswerte Flexibilität gezeigt. Die Arbeitsüberlastung, die mitunter schwierige Bewältigung der Arbeit zu Hause und die Ungewissheit im Zusammenhang mit einer möglichen Rückkehr ins Büro erschwerten ihren Alltag, insbesondere in psychologischer Hinsicht. Auch die weiterhin an der Front tätigen Mitarbeitenden, wie Grenzwächterinnen oder Paketzusteller, waren mit einer sehr hohen Arbeitsbelastung konfrontiert.

Das Personal des Service Public hat bewiesen, wie wichtig es ist. transfair fordert deshalb eine Stärkung des Service Public und eine bessere Anerkennung in der Politik. Die Lockerung der Massnahmen zur Bekämpfung des Coronavirus hat zu einer gewissen Erholung der Schweizer Wirtschaft geführt. Deshalb und in Anbetracht dessen, was das Personal aller Service-Public-Unternehmen geleistet hat, stellt transfair in diesem Jahr vor allem generelle Lohnforderungen.

Communication: bewährtes Personal

2021 hat das Swisscom-Personal von 0,8 Prozent Erhöhung der Lohnsumme profitiert, was zu generellen Lohnerhöhungen innerhalb des Lohnbands und zu Einmalzahlungen für Mitarbeitende oberhalb des Lohnbands geführt hat. Die Bilanz 2020 von Swisscom ist sehr gut. Das Unternehmen hat einen Umsatz von über 11 Milliarden CHF erwirtschaftet und verzeichnet einen Nettogewinn von über 1,5 Milliarden CHF. transfair stellt fest, dass das Unternehmen trotz der durch die Corona-Pandemie verursachten Schwierigkeiten ein sehr solides Jahresergebnis erzielt hat. Der Personalverband fordert, dass sich dies auf die Lohnverhandlungen niederschlägt.

Ohne das Engagement des Personals hätten diese Zahlen nicht erreicht werden können. Dies ist umso beeindruckender, als dass über 80 Prozent der Mitarbeitenden im Homeoffice arbeiteten. Trotz der herrschenden Ungewissheit ist es dem Personal gelungen, den Betrieb jederzeit aufrechtzuerhalten. Auch die Mitarbeitenden an der Front, in den Shops und bei cablex haben Bemerkenswertes geleistet. Dennoch nimmt der Druck auf die Mitarbeitenden zu und es finden weitere Umstrukturierungen statt. Für jene Personen, die diese Umstrukturierungen «überleben», intensiviert sich der Arbeitsrhythmus. Diese Überlastung gefährdet sowohl die körperliche als auch die psychische Gesundheit der Mitarbeitenden.

transfair wird seine genauen Forderungen im Herbst 2021 festlegen. Derzeit konzentriert sich der Personalverband auf die anstehenden Verhandlungen für die Erneuerung des GAV Swisscom. transfair erwartet, dass sich die vom Personal geleisteten Anstrengungen in konkreten Verbesserungen der Arbeitsbedingungen niederschlagen.

Post/Logistik: transfair fordert den Teuerungsausgleich

2021 haben die Mitarbeitenden eine generelle Lohnerhöhung von 400 CHF pro Person bekommen. Für transfair war es wichtig, dass alle Mitarbeitenden ein Zeichen der Anerkennung erhalten. Auch für 2022 fordert transfair eine generelle Lohnerhöhung sowie die Anhebung der Lohnbänder in Höhe der Teuerung für 2021. Laut GAV Post CH AG stehen 0,4 Prozent der Lohnsumme für individuelle Lohnerhöhungen garantiert zur Verfügung.

Die Mitarbeitenden der Branche müssen eine hohe Arbeitslast bewältigen. Unter anderem die Paketzustellerinnen und Paketzusteller: Mit über 182,7 Millionen Einheiten haben diese Mitarbeitenden im Jahr 2020 so viele Pakete zugestellt, wie noch nie zuvor in der 170-jährigen Geschichte der Post. Dieser Druck auf die Zustellenden wurde auch von den Angestellten von PostMail und manchmal sogar vom Verwaltungspersonal wahrgenommen, die zur Unterstützung einsprangen.

Das Personal des Postkonzerns ist mit zahlreichen Unsicherheiten konfrontiert: die neue Strategie bei PostFinance oder die Frage nach der Zukunft der Post als Konzern. Die Reorganisation bei PostNetz und der Umbruch in Zusammenhang mit der Strategie Post von morgen sind Ausdruck eines schwierigen Arbeitsklimas. Auch diese Umstände sind bei den Lohnverhandlungen zu berücksichtigen.

Öffentlicher Verkehr: das Personal braucht positive Signale

Im vergangenen Jahr haben die Mitarbeitenden aufgrund der schwierigen finanziellen Situation von SBB und SBB Cargo die Massnahmen, die anlässlich der GAV-Verhandlungen 2019 vereinbart wurden, nicht erhalten. Diese betrugen 0,9 Prozent der Lohnsumme für individuelle Massnahmen; 0,4 Prozent für Einmalzahlungen und 0,15 Prozent für den Lohnaufstieg junger Arbeitnehmer. Anfang 2021, als die SBB Verhandlungen über Sparmassnahmen aufnahm, erzielten die Sozialpartner eine sehr bescheidene Einigung: die Mitarbeitenden erhielten für 2021 eine Erhöhung der Lohnsumme um 0,3 Prozent. Im Gegenzug wurden die GAV SBB 2019 bis Ende April 2025 und SBB Cargo bis Ende Dezember 2023 verlängert.

Für 2022 wurden die Lohnmassnahmen für die Mitarbeitenden von SBB und SBB Cargo bereits vereinbart: Eine Erhöhung der Lohnsumme um 0,8 Prozent für individuelle Massnahmen und 0,4 Prozent für sehr gute Leistungen. 0,15 Prozent dieser Lohnsumme werden für Löhne in den unteren zwei Dritteln der Lohnspanne verwendet. Das alte Gehaltssystem wird hier zum letzten Mal angewendet. Im Herbst 2022 werden transfair und die SBB die Massnahmen verhandeln, die am 1. Mai 2023 nach dem neuen Lohnsystem verteilt werden.

Im öffentlichen Verkehr ist die Nachfrage nach wie vor rückläufig und weit vom Vorkrisenniveau entfernt. Dennoch ist das öffentliche Verkehrssystem rund um die Uhr und sieben Tage pro Woche in Betrieb. Das Engagement der Mitarbeiter verdient positive Zeichen im Lohnbereich. Deshalb fordert transfair in den anderen öffentlichen Verkehrsbetrieben generelle Lohnmassnahmen und den Teuerungsausgleich. Der Personalverband wird ausserdem individuelle Lohnerhöhungen für den Lohnaufstieg fordern.

Öffentliche Verwaltung: angemessene Forderungen

Letztes Jahr zeigte transfair Verständnis für die finanzielle Situation des Bundes und verzichtete frühzeitig auf generelle Lohnforderungen für das Personal der Bundesverwaltung. Tatsächlich hat das Unternehmen das Jahr 2020 mit einem Minus abgeschlossen. Dies wird auch 2021 der Fall sein. Aus diesem Grund fordert transfair auch für 2022 keine generelle Reallohnerhöhung.

Der Personalverband stellt jedoch eine klare Forderung: die Teuerung 2021 muss ausgeglichen werden. Das Personal hat es redlich verdient. An der Front mussten zum Beispiel Zollbeamte und Grenzwächterinnen aufgrund der Gesundheitsmassnahmen viele schwierige Situationen bewältigen. Die Mitarbeitenden des Staatssekretariats für Wirtschaft und des Bundesamts für Gesundheit waren mit einer hohen Arbeitsbelastung und grossem Druck konfrontiert, insbesondere in Bezug auf die Entscheidungen des Bundesrats zur Bewältigung der Gesundheitskrise und zur Kurzarbeit. Die Arbeitnehmenden im Homeoffice haben ein hohes Mass an Disziplin an den Tag gelegt und litten manchmal unter sozialer Isolation und der Schwierigkeit, Beruf und Familie miteinander zu vereinbaren.

Auch bei den ETH fordert transfair einen Teuerungsausgleich. Die Besonderheit bestimmter Bereiche, wie z. B. der Forschung, hat die Arbeit im Homeoffice sehr anspruchsvoll gemacht. Auch hier haben die Mitarbeitenden unter Isolation gelitten. transfair erwartet von den beiden Arbeitgebern Bund und ETH ein positives Signal.

Für weitere Auskünfte:
Albane Bochatay, Verantwortliche Politik, albane.bochatay@transfair.ch, M 079 234 70 17.

> gesamtes Dossier der Medienkonferenz vom 12. August 2021
 
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