Stress lass nach
Für transfair ist klar: Stress auf der Arbeit liegt oft an den Arbeitsbedingungen – Unternehmen haben hier grosse Verantwortung. Gleichzeitig gibt es so einiges, was du selber tun kannst, um Stress für dich zu reduzieren. 6 konkrete Tipps für den Arbeitsalltag, ganz ohne Gadgets und in nur wenigen Minuten umsetzbar.
Lea Lüthy
1. Aktiv loslassen
Du hast das Gefühl, dir platzt gleich der Kragen? Diese Übung wirkt wie ein Stress-Ventil: Ziehe deine Schultern zu den Ohren hoch und atme dabei tief durch die Nase ein. Halte die Spannung. Kurz bevor es unangenehm wird, atmest du kräftig aus und lässt die Schultern sinken. Uuufff! Eine pure Wohltat, die du gerne mehrmals täglich wiederholen darfst. Dadurch tust du dir auch längerfristig etwas Gutes, denn dein Körper lernt immer besser, wie sich Entspannung überhaupt anfühlt – und kann sie besser aktivieren.
2. Frust aus der Seele streichen
Nicht nur Kinder brauchen Trost. Umso besser, wenn wir uns diesen selbst schenken können: Kreuze deine Arme vor der Brust und streiche mit den Händen langsam von den Schultern bis zu den Ellbogen. Bringe die Hände zurück zu den Schultern, berühre dabei aber die Arme nicht – wiederhole das Abwärtsstreichen. Die «Havening-Methode» ist bekannt dafür, durch rhythmisches, sanftes Streichen in eine Richtung das Nervensystem zu beruhigen. Mach das drei bis fünf Minuten. Ein Gamechanger nach einem herausfordernden Tag.
3. Im Tageslicht baden
Tagein, tagaus unter künstlichem Licht sitzen – auch das verursacht Dauerstress. Denn unser Körper braucht Tageslicht. Die Sonne generiert bis zu 100 000 Lux – die hellste Schreibtischlampe schafft maximal 500. Darum gilt: Mach so oft wie möglich Tageslicht-Pausen an der frischen Luft, am besten ohne Sonnen- oder Korrekturbrille. Denn über die Augenrezeptoren synchronisiert das Licht deine innere Uhr. Ist sie aus dem Takt, wird der Körper selbst zur Stressquelle – und deine Stressresistenz sinkt. Extra-Tipp: 10 Minuten «Lichtbaden» vor 9 Uhr morgens regt an wie eine Tasse Kaffee und reguliert deine Stresshormone.
4. Mit den Yogis um die Wette summen
Du bist den ganzen Tag fleissig wie eine Biene? Dann darf das Summen nicht fehlen! Schon die Yogis aus dem alten Indien schworen auf «Bhramari-Pranayama». Bei dieser Atemtechnik verschliesst du deine Ohren mit den Daumen und legst die restlichen Finger sanft auf Stirn oder Schläfen. Die Augen sind geschlossen. Atme tief ein und lass den Atem langsam summend ausströmen. Nimm wahr, wie die Vibration den Kopfraum erfüllt. Fünf bis zehn Mal. Die Summ-Atmung stimuliert den Vagusnerv und bremst so die Stressreaktion.
5. Sich Raum schaffen
Schiebe bewusst weg, was dich belastet. Sitze oder stehe bequem und hebe die Hände vor deinen Körper. Schiebe sie langsam von dir weg – als würdest du eine schwere Last wegdrücken. Arbeite im Zeitlupen-Tempo, gegen den Widerstand der Luft. Nach ein bis drei Wiederholungen spüre nach. Was hat sich verändert? Diese Übung aus der Körpertherapie «Somatic Experiencing» signalisiert deinem Nervensystem: Du bestimmst selbst, wer oder was dir nahe kommt. Das gibt Power! Perfekt, um deine Grenzen zu stärken.
6. Weitsicht bewahren
Bildschirmblick macht Stress – Weitblick entspannt. Mach stündlich eine Mini-Pause am (idealerweise offenen) Fenster. Lass deinen Blick in die Ferne schweifen, ohne auf etwas zu fokussieren. Nach dem Tunnelblick vor dem Monitor gibst du bewusst Gegensteuer: Anstatt anstrengendem Hyperfokus signalisiert du deinem Nervensystem Sicherheit und Entspannung. Und deine Augen danken dir für die Pause vom Bildschirmstress.
Über die Autorin
Lea Lüthy ist nicht nur die Kommunikationsverantwortliche von transfair: Sie ist auch diplomierte Yogalehrerin und setzt sich intensiv mit der Körpertherapie «Somatic Experiencing» auseinander.