SBB Cargo baut EWLV um – Personalverband transfair fordert umfassende Jobgarantien

Öffentlicher Verkehr

SBB Cargo baut EWLV um – Per­so­nal­ver­band transfair fordert umfassende Jobgarantien

Die SBB richtet den Einzelwagenladungsverkehr (EWLV) neu aus. Ab Dezember 2026 tritt ein neues Produktionsmodell in Kraft – es legt fest, wie Güterverkehrsleistungen künftig strukturiert, geplant und erbracht werden. Verbunden damit: Leistungsverschiebungen und dadurch Stellenabbau und grosse Veränderungen für die Belegschaft. transfair begleitet den Umbau kritisch und fordert verbindlich: Jede betroffene Person muss eine zumutbare Stelle im SBB-Konzern erhalten.

Bruno Zeller
Ein Mitarbeiter der SBB Cargo, der aus dem Führerhaus eines Güterzuges auf die Waggons schaut

Der Einzelwagenladungsverkehr der SBB ist stark defizitär. 2025 kündigte die SBB die Neuausrichtung an – heute hat sie die Details präsentiert. Grundlage dafür ist das Reorganisationsprojekt «G-enesis». Ab dem Fahrplanwechsel am 13. Dezember 2026 tritt ein neues Produktionsmodell in Kraft, das die Planung und Erbringung der Güterverkehrsleistungen an den Standorten neu regelt. Ziel ist es, die Auslastung zu verbessern, die Kosten zu senken und das nationale Güterverkehrsangebot langfristig zu sichern. Für das Personal von SBB Cargo bedeutet das Stellenabbau und weitreichende Veränderungen. 

Umbau nicht voreilig auf Kosten des Personals

transfair setzt alles daran, Arbeitsplätze zu sichern, und begleitet die Transformation von SBB Cargo kritisch. Dabei ist eine Forderung zentral: Jede betroffene Person soll eine zumutbare Stelle im SBB-Konzern erhalten – durch interne Verschiebungen oder einen Wechsel in eine andere Division. Auch wer noch keine vier Jahre bei der SBB arbeitet, soll ein konkretes Jobangebot bekommen. transfair befürchtet, dass SBB Cargo zu schnell zu viel Ressourcen aus dem System nimmt. 

«Eine Transformation darf nicht nur die Finanzen im Blick haben, sondern muss auch konkrete Perspektiven für das Personal schaffen», betont Greta Gysin, Präsidentin von transfair und Nationalrätin. «SBB Cargo trägt soziale Verantwortung – und transfair kämpft dafür, dass diese aktiv wahrgenommen wird.» 

Über den GAV hinaus: transfair fordert konkrete Massnahmen

Im Gesamtarbeitsvertrag (GAV) ist geregelt, welche Leistungen das Personal beim Abbau von Stellen erhält. transfair stellt sicher, dass diese Bestimmungen vollumfänglich angewendet werden – und fordert darüber hinaus zusätzliche Unterstützung für alle Betroffenen: 

  • Zuschüsse bei längeren Arbeitswegen 
  • Temporäre Lohnzuschläge beim Wechsel zu Tochterfirmen mit tieferen Löhnen – etwa zu Tilo, dem regionalen Bahnunternehmen im Tessin und der Lombardei 
  • Finanzierung von Aus- und Weiterbildungen für neue Funktionen 
  • Sprachkurse, wenn neue Stellen andere Sprachkenntnisse erfordern 
  • Einmalige Beiträge für die Pensionskasse bei Wechseln mit finanziellen Nachteilen 
  • Gezielte Frühpensionierungsangebote für ältere Mitarbeitende 

Hintergrund: Was ist «G-enesis»?

«G-enesis» ist das aktuelle Reorganisationsprojekt von SBB Cargo. Bis 2030 soll das Personal um rund einen Fünftel sinken – das entspricht etwa 450 Stellen. Hintergrund: Die Verkehrsleistung von SBB Cargo ist in den letzten Jahren kontinuierlich zurückgegangen – 2023 um 7,5 Prozent, 2024 um weitere 8,4 Prozent.  «G-enesis» ist die Antwort der SBB auf diesen Rückgang.