Delegiertenversammlung 2026: Klare Haltung zu KI

De­le­gier­ten­ver­samm­lung 2026: Klare Haltung zu KI

An der Delegiertenversammlung vom 19. Juni 2026 im Cube Bern Expo hat transfair eine Resolution zur künstlichen Intelligenz verabschiedet: Gesundheitsschutz, Mitbestimmung und Arbeitsplatzsicherheit dürfen der Effizienz nicht geopfert werden. Als Gastrednerin sprach Alexandra Karle, Co-Direktorin von Amnesty International Schweiz, über Menschenrechte unter Druck. Zudem fällten die Delegierten mehrere statutarische Beschlüsse, darunter eine neue Amtszeitbeschränkung im Vorstand.

Lea Lüthy
Greta Gysin spricht mit einer Person an der Delegiertenversammlung

Draussen klebt die Hitze über Bern. Im klimatisierten Tagungsraum des Cube Bern Expo ist davon nichts zu spüren. Auf den Gesichter zeichnet sich Vorfreude ab auf einen abwechslungsreichen Tag. Fabienne Baraga, Greta Gysin und Manuel Murer begrüssen die Delegierten. Zum ersten Mal findet die Delegiertenversammlung gemeinsam mit Angestellte Schweiz statt – um Ressourcen zu bündeln und den Mitgliedern Vernetzungsmöglichkeiten in andere Branchen und Verbandswelten zu bieten.

Resolution: Mensch im Mittelpunkt – trotz KI

Olivia Stuber, wissenschaftliche Mitarbeiterin bei transfair, übernimmt das Wort und stellt die Resolution 2026 vor. Das Thema künstliche Intelligenz hat den Morgen bereits geprägt, in den Branchenberichten ebenso wie in den Wortmeldungen. Die Resolution bündelt diese Anliegen nun zu klaren Forderungen. Im Saal ist die Aufmerksamkeit spürbar: Sie greift auf, was viele beschäftigt – die Frage, was der technologische Wandel für den eigenen Arbeitsplatz bedeutet.

Die Botschaft ist einfach, aber bestimmt: Der Mensch muss die Kontrolle behalten. Acht Forderungen umfasst die Resolution, von Gesundheitsschutz über Sozialpartnerschaft und Mitbestimmung bis zu Weiterbildung, Datenschutz, Transparenz und Ethik. Ganz am Schluss steht der Punkt, der wohl am meisten bewegt: Arbeitsplatzsicherheit. Stellen im Service Public sollen sich mit neuer Technologie weiterentwickeln dürfen, ohne verloren zu gehen.

Die Delegierten nehmen die Resolution bei einer Enthaltung an.

Amnesty International: Menschenrechte unter Druck

Gastreferentin Alexandra Karle, Co-Direktorin von Amnesty International Schweiz, eröffnet mit einem Blick auf den 14. Juni: Am feministischen Streiktag lehnte das Stimmvolk gleichzeitig die SVP-Initiative «Keine 10-Millionen-Schweiz» klar ab. Für Karle ein wichtiges Signal – aber kein Grund zur Entwarnung.

Denn weltweit geraten Menschenrechte unter Druck. Karle beschreibt ein Muster, das sich in autoritären Systemen immer wiederholt: erst Sündenböcke suchen, dann Proteste unterdrücken, schliesslich die Gewaltenteilung aushöhlen. Befeuert wird das nicht nur von Regierungen, sondern auch von Tech-Konzernen, die mit ihren Algorithmen Hetze und Diskriminierung verstärken. Karle erinnert aber auch daran, dass Gegenbewegungen möglich sind – Ungarn zeige, dass sich Bevölkerungen aus autokratischen Systemen herauswählen können.

Den Bogen zu transfair zieht sie am Schluss: Beide Organisationen setzen sich für Würde, Sozialpartnerschaft und faire Arbeitsbedingungen ein.

Statutarisches: Das wurde beschlossen

Die Delegierten genehmigten Tätigkeitsbericht, Jahresrechnung, Bericht der GPK (Geschäftsprüfungskommission), Budget 2026 und 5-Jahresplanung. Vorstand und Geschäftsleitung erhielten die formelle Bestätigung, dass sie ihre Arbeit korrekt und im Sinne des Verbands ausgeführt haben. Zudem wurde die laufende Strategie 2022–2026 um ein Jahr verlängert; eine neue Strategie kommt 2027 an den Kongress.

Frischer Wind bei transfair

Der Vorstand gibt sich ein modernes Gesicht – mit neuen Regeln und klaren Leitplanken für die Zukunft.

  • Neu verankert: angemessene regionale und geschlechtergerechte Vertretung im Vorstand
  • Neue Amtszeitbeschränkung: maximal drei volle Wahlperioden – also zwölf Jahre – pro Amt, auch nicht aufeinanderfolgend

transfair darf auf ein engagiertes, gut eingespieltes Team zählen.

  • Wiederwahl Vorstand: Fabienne Baraga für weitere vier Jahre (Branche Öffentliche Verwaltung)
  • Neuwahl Vorstand: Daniel Fust als Nachfolger von Dario Pollinger (Branche Öffentlicher Verkehr)
  • Neuwahl GPK: Karin Gasser als Nachfolgerin von Karin Posch
  • Verabschiedungen: Karin Posch (GPK), Dario Pollinger und Markus Henzen (Vorstand). transfair dankt herzlich für den geleisteten Einsatz.
  • Neue Mitarbeitende: Marguerite Bouillet übernimmt als wissenschaftliche Mitarbeiterin die Nachfolge von Olivia Stuber. Neu ist ausserdem Maude Borgognon als Regionalsekretärin der Region West.

Zauberei und Ohrenschmaus zum Ausklang

Am Mittag kamen die Delegierten von transfair und Angestellte Schweiz beim Stehlunch ins Gespräch. Der Nachmittag gehörte dann beiden Verbänden gemeinsam: Zauberer Christoph Borer liess das Publikum staunen. Und als das Molotow Brass Orkestar mit groovy Brass Musik aufspielte, riss es alle aus den Sitzen.