Pensionskassen unter der Lupe

Pensionskassen unter der Lupe

2021 war ein erfolgreiches Jahr für die Pensionskassen. Hohe Gewinne an der Börse, aber auch gute Liegenschaftserträge brachten den Vorsorgeinstituten hohe Renditen. Leider profitieren von dieser guten Performance nicht alle Angestellten gleichermassen.

Lea Lüthy

Im zweiten Pandemiejahr erzielten die Pensionskassen (PK) trotz teils starker Schwankungen auf den Finanzmärkten eine durchschnittliche Rendite von über 8 Prozent. Gemäss PK-Index übertrafen sie den Vorjahreswert von rund 3,8 Prozent um mehr als das Doppelte. Doch nicht alle Arbeitnehmenden können sich gleichermassen freuen, denn die Verzinsung variiert stark zwischen den einzelnen PK.

Tiefe Mindestverzinsung

Wie hoch das Altersguthaben der Versicherten mindestens verzinst werden muss, definiert der Bundesrat. Er bestimmt jährlich den Mindestzinssatz. 2022 hat er diesen – wie auch in den vergangenen fünf Jahren – auf tiefe 1 Prozent festgelegt. Travail.Suisse, der Dachverband von transfair, setzt sich dafür ein, dass der Bundesrat den Mindestzinssatz erhöht, damit alle Versicherten von grösseren Zinsgutschriften profitieren. Der Dachverband findet, dass die Wertschwankungsreserven nun genügend gefüllt sind, sodass 2022 eine bessere Verzinsung möglich sein muss.

So setzt sich das Alterskapital zusammen

Die meisten Angestellten zahlen rund 40 Jahre in die berufliche Vorsorge ein. Dabei setzt sich das Kapital, das bei der Pensionierung zur Verfügung steht, aus den eigenen Sparbeiträgen und denjenigen des Arbeitgebers sowie aus den vom Vorsorgeinstitut ausgezahlten Zinsen zusammen. Bei der Mindestverzinsung von 1 Prozent und einem Alterskapital von 100 000 CHF beträgt der jährliche Zuwachs 1000 CHF. Bei einem Zinssatz von 5 Prozent würde der jährliche Zuwachs bereits 5000 CHF betragen – ein beträchtlicher Unterschied.

So sieht es bei den Sozialpartnern von transfair aus

Mit je 3,5 Prozent Verzinsung sind comPlan, die PK der Swisscom und ihrer Tochtergesellschaften, sowie die Pensionskasse Post im unteren Mittelfeld der Schweizer Vorsorgeeinrichtungen angesiedelt. Die PK der SBB liegt mit 2,5 Prozent noch weiter darunter und Schlusslicht bildet PUBLICA, die PK des Bundes, mit lediglich 1,75 Prozent. Die Gründe für die Unterschiede innerhalb des Service Public sind zumindest teilweise historisch bedingt. Als die PTT 1998 in die Swisscom und die Schweizerische Post überführt wurden, erhielten die Pensionierten aus dem Telekombereich ihre Rente weiterhin vom Bund – wurden also Leistungsbeziehende der PUBLICA. Die PK der SBB und der Post hingegen übernahmen bei ihrer Gründung alle Pensionierten. comPlan hatte somit eine bessere Ausgangslage in Bezug auf die Altersstruktur, was sich noch heute bemerkbar macht. Die PK der bundesnahen Betriebe haben aus diesem Grund meist auch einen tieferen Deckungsgrad. Was bedeutet, dass sie nicht genügend Reserven haben, um Renditen eins zu eins an die Versicherten weitergeben zu können.

Gesetzliche Grundlagen

Die gesetzlichen Rahmenbedingungen sind für alle PK dieselben. Gemäss Bundesgesetz über die berufliche Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenvorsorge müssen Vorsorgeeinrichtungen jederzeit in der Lage sein, die übernommenen Verpflichtungen erfüllen zu können resp. die entsprechenden Renten auszubezahlen. Da jede PK eine individuelle Versichertenstruktur und Ausgangslage hat, muss das eingegangene Risiko bei den Anlageentscheiden unterschiedlich gehandhabt werden. Dabei muss die PK für Fälle der Unterdeckung gewappnet sein. Das Gesetz verpflichtet die PK im Falle einer Unterdeckung, Massnahmen zu ergreifen. Nach heutiger Rechtslage werden solche Massnahmen ausschliesslich durch den Arbeitgeber und die Arbeitnehmenden finanziert.

Darum gibt es die Performanceunterschiede

Das Prinzip ist simpel: kein Gewinn ohne Risiko. Eine hohe Performance ist meist das Resultat einer riskanteren Anlagestrategie, die auch den Verlust von Geld bedeuten könnte. PK mit verhältnismässig grossem Anteil an Rentenbeziehenden oder einem geringen Deckungsgrad können entsprechend weniger Risiken eingehen als ein Vorsorgeinstitut mit hohem Anteil an aktiven Versicherten. In aller Regel führt dies auch zu einer geringeren Rendite und somit zu einer tiefen Verzinsung.

Die Möglichkeit, Mehrverzinsungen zu bieten, hängt direkt von der Risikofähigkeit der Kasse ab. Es gilt, eine Balance zwischen angemessenen Zinsen und einem tragbaren Risiko zu finden, das die Sicherheit der Sparguthaben nicht gefährdet. Grundsätzlich lässt sich sagen, dass die PK im Service Public eine tendenziell konservative Anlagestrategie verfolgen mit gemässigter Rendite als Konsequenz.

Allgemein ist es wünschenswert, dass die Vorsorgeinstitute einen möglichst grossen Teil der erzielten Renditen an die Versicherten weitergeben. Wichtig zu wissen, ist aber, dass eine vorsichtige Anlagestrategie und eine tiefen Verzinsung bedeuten, dass die PK sicherer ist.

Die Konsequenzen für die Versicherten

Im Beitragsprimat – dem Sparmodus der PK sozusagen – beeinflusst die Verzinsung direkt die späteren Altersleistungen. Der Zins wird dem individuellen Altersguthaben jeder versicherten Person gutgeschrieben und erhöht so das Guthaben, das bei der Pensionierung zur Verfügung steht.

Doch die Zinsen sind nicht der einzige Parameter, der direkt oder indirekt die Rente beeinflusst. Höhere Löhne bedeuten höhere Beiträge an die berufliche Vorsorge und somit mehr Sparkapital. Meist ist auch der Arbeitgeber grosszügiger: So ist es bei dem Gros der Sozialpartner von transfair üblich, dass die Mitarbeitenden nur 40 Prozent der PK-Beiträge zahlen. Einen weiteren Unterschied macht das Einzahlen in den sogenannten überobligatorischen Teil.

Wie optimieren?

Die Struktur einer PK ist komplex: Jede Kasse hat eine individuelle Entstehungsgeschichte und spezifische Altersstrukturen. Die PK im Service Public haben in den letzten Jahren hart daran gearbeitet, die Gefahr der Unterdeckung zu minimieren. Mit Erfolg! Die Kassen stehen 2022 wesentlich stabiler da als zuvor.

Zentral ist, dass die PK paritätisch aufgestellt sind: dass also vonseiten der Arbeitgeber und der Arbeitnehmenden gleich viele Sitze in den Verwaltungsorganen besetzt sind. Denn diese sind für die Anlagestrategie zuständig. Durch die eigene Vertretung kann das Personal mitentscheiden.

Aus diesem Grund legt transfair sein Augenmerk auf eine kompetente Vertretung der Arbeitnehmenden in den Gremien der PK. Indem sich die Mitglieder aktiv an den Wahlen der Organe ihrer Vorsorgeinstitution beteiligen, legen sie den Grundstein für positive Veränderungen.

Die wichtigsten Begriffe

Deckungsgrad

Der Deckungsgrad setzt das Kapital einer PK ins Verhältnis zu ihren Auszahlungen an Pensionierte. Eine Überdeckung entsteht, wenn die Verpflichtungen zu mehr als 100 Prozent gedeckt sind, eine Unterdeckung, wenn es weniger als 100 Prozent sind. Zum Ausgleich der Schwankungen auf den Kapitalmärkten muss jede Vorsorgeeinrichtung, die ihr Vermögen selbst anlegt, eine Reserve bilden. Dies ist erst möglich bei einem Deckungsgrad über 100 Prozent und besteht je nach Anlagestrategie aus 10 bis 20 Prozent des Vorsorgevermögens.

Eine allfällige Unterdeckung muss von den aktiven Versicherten und den Arbeitgebern getragen und ausgeglichen werden. Aus diesem Grund ist ein grosser Anteil zahlender Versicherter von Vorteil.

Beitragsprimat

Das Beitragsprimat ist bei den PK Standard. Die Auszahlung im Alter oder im Versicherungsfall erfolgt auf den einbezahlten Sparbeiträgen plus Zinsen. Dabei wird das zum Zeitpunkt der Pensionierung angesparte Altersguthaben mit dem dann geltenden Umwandlungssatz in eine Altersrente umgewandelt.