Service Public: transfair lanciert Petition gegen Offshoring

Service Public: transfair lanciert Petition gegen Offshoring

Die Post und Swisscom verlagern immer mehr Stellen ins Ausland und gefährden damit den Service Public. transfair wehrt sich: Mit einer neu lancierten Petition fordert der Personalverband Bundesrat und Parlament auf, die Auslagerung zu stoppen. Denn beide Firmen gehören mehrheitlich dem Bund – er könnte die Verlagerung unterbinden.

Marguerite Bouillet
Zwei Mitarbeiter in einer IT-Abteilung arbeiten am Computer

Bundesnahe Unternehmen wie die Post und Swisscom gehören mehrheitlich dem Bund – und damit der Schweizer Bevölkerung. Trotzdem verlagern beide Firmen laufend Arbeitsplätze und Fachwissen ins Ausland.

Seit 2022 hat die Schweizerische Post 130 Stellen aus der Informatik nach Lissabon ausgelagert. Swisscom hat über 600 Stellen nach Lettland und in die Niederlande verschoben und zusätzlich Standorte im Kosovo, in Polen und in Bulgarien aufgebaut.

Und es geht weiter: Erst kürzlich hat Swisscom bekannt gegeben, in Lissabon einen neuen Standort zu eröffnen. Die Post hat Pläne für den Ausbau ihres bereits bestehenden Standorts in Lissabon unter öffentlichem Druck zwar vorerst bis Sommer 2027 aufgeschoben. Trotzdem könnten in der portugiesischen Hauptstadt insgesamt mehrere Hundert neue Stellen entstehen, die dann in der Schweiz wegfallen.

 

Der Bund trägt Verantwortung – und nimmt sie nicht wahr

Als Mehrheitsaktionär könnte der Bund steuern, wo diese Unternehmen ihre Arbeitsplätze ansiedeln. Bisher entzieht er sich aber der Verantwortung. «Die Post und Swisscom verlagern Arbeitsplätze und Fachwissen ins Ausland, nur um Kosten zu sparen. Bei sensiblen Aufgaben verliert die Schweiz so die Kontrolle. Der Bund lässt beide Konzerne gewähren, statt klare Vorgaben zu machen», sagt Greta Gysin, Präsidentin von transfair und Nationalrätin.

Dabei erbringen die Post und Swisscom systemrelevante Leistungen der Grundversorgung – von der Paketzustellung über den Zahlungsverkehr bis zu Internet und Telefonie. Die Erfüllung solcher Aufgaben und das nötige Fachwissen gehören in die Schweiz. Ohne einheimisches Fachwissen leidet die Qualität der Leistungen, auf die die Schweizer Bevölkerung angewiesen ist. Und wenn strategische Aufgaben und sensibles Fachwissen abwandern, schwächt das die Sicherheit des Landes. Kommt hinzu: Durch die Auslagerungen verlieren qualifizierte Fachkräfte ihre Perspektiven in der Schweiz. Lehrstellen fallen weg und jungen Menschen fehlen Chancen für den Berufseinstieg.

Zwei klare Forderungen an Bundesrat und Parlament

In seiner Petition verlangt transfair einen wirksamen Stopp der Auslagerung bei bundesnahen Unternehmen. Dazu sollen Bundesrat und Parlament die strategischen Ziele dieser Firmen anpassen und, wo nötig, gesetzliche Regeln schaffen:

  • Bestehende Arbeitsplätze dürfen nicht ins Ausland verlagert werden, wenn sie heute in der Schweiz angesiedelt sind und die Verlagerung vor allem Kosten sparen soll.
  • Strategische und sensible Aufgaben müssen in der Schweiz bleiben – besonders dort, wo sie für den Service Public, die Versorgungssicherheit oder die Sicherheit des Landes zählen.

Die Petition läuft bis am 30. November 2026 und wird im Dezember dem Bundesrat und Parlament übergeben.