Bärenstark: Branchenkongress Post/Logistik 2026 in Bern

Post/Logistik

Bärenstark: Bran­chen­kon­gress Post/Logistik 2026 in Bern

Am 18. September 2026 führte transfair seinen diesjährigen Kongress der Branche Post/Logistik durch. Die Location: das prächtige Schloss Holligen in Bern. Dieses ist erst seit Kurzem öffentlich zugänglich. Rund 60 Delegierte nahmen die vorgelegten Forderungen im Hinblick auf den künftigen GAV Post 2028 einstimmig an. Auch der Verhandlungsauftrag für die Lohnverhandlungen 2027 wurde einstimmig genehmigt, wobei Lohnerhöhungen von rund 2,2 Prozent angestrebt werden.

Marguerite Bouillet
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Post-CEO Pascal Grieder und transfair-Branchenleiterin Post/Logistik Kerstin Büchel am Branchenkongress 2026 auf der Bühne

In Kürze

  • Der transfair-Branchenkongress Post/Logistik fand am 18. September 2026 im Schloss Holligen in Bern statt.
  • Zu Gast war auch der neue CEO der Post, Pascal Grieder (Bild oben).
  • Kerstin Büchel, Leiterin der Branche Post/Logistik, erinnerte: Es gilt, in einem schwierigen Umfeld einen realistischen, aber entschlossenen Dialog zu führen, um in Zukunft echte Verbesserungen der Arbeitsbedingungen zu erreichen. Das Personal darf nicht Anpassungsvariable sein: Die Mitarbeitenden tragen die Organisation im Alltag und müssen im Mittelpunkt stehen.

Joachim Hermann und Marcel Trütsch, die beiden Co-Präsidenten des transfair-Branchenvorstands Post/Logistik, eröffneten den diesjährigen Branchenkongress an einem besonderen Ort: dem Schloss Holligen in Bern. Anschliessend bat Branchenleiterin Kerstin Büchel den neuen Post-CEO, Pascal Grieder, auf die Bühne. Dieser lobte zunächst die bemerkenswerte Leistung der Mitarbeitenden. Ihnen sei es zu verdanken, dass die Schweizerische Post zum neunten Mal zur besten Post der Welt gekürt wurde. Er sprach sich aber auch für eine langfristige Anpassung der Arbeitsbedingungen aus. Seiner Meinung nach wird diese aufgrund des verschärften Wettbewerbs in der Branche nötig. Kerstin Büchel betonte wiederum: Es gilt, in einem schwierigen Umfeld einen realistischen, aber entschlossenen Dialog zu führen, um in Zukunft echte Verbesserungen der Arbeitsbedingungen zu erreichen. Das Personal darf nicht Anpassungsvariable sein: Die Mitarbeitenden tragen die Organisation im Alltag und müssen im Mittelpunkt stehen.

Zunehmender Wettbewerb – Kampf gegen «Mail Picking»

Grieder präsentierte verschiedene Massnahmen, mit denen die Post den anhaltenden Umsatzrückgang ausgleichen will. Was den Verkauf von Produkten am Schalter angeht, erklärte er, dass es im Rahmen eines Pilotprojekts gelungen sei, die Transaktionen zu verdoppeln: Man habe das Angebot auf eine begrenzte Anzahl sehr profitabler Produkte beschränkt. Ebenso dürfte die Erhöhung der Briefmarkenpreise dazu beitragen, den Ertragseinbruch aufgrund des Briefvolumenrückgangs zu kompensieren. Auf den chinesischen Giganten «Speedaf» angesprochen, erklärte Grieder, er befürchte den Markteintritt eines finanzstarken Konkurrenten, der womöglich die Marktpreise unterbieten werde. Angesichts dieses Risikos sprach er sich für den Kampf gegen den Trend zum sogenannten «Mail Picking» aus: Konkurrenten bieten Dienstleistungen in den profitabelsten städtischen Zentren an, ohne die Kosten für die Belieferung entlegenerer Regionen zu tragen – wozu die Post gesetzlich verpflichtet ist.

Den Anstieg der Krankenkassenprämien und die Inflation ausgleichen

Weiterer Diskussionspunkt am Branchenkongress war der Verhandlungsauftrag für die Lohnverhandlungen 2027 in der Branche Post/Logistik. Dieser wurde einstimmig genehmigt. Vor dem Hintergrund der aktuellen geopolitischen Lage könnte die Inflation bis Ende Jahr ihren Aufwärtstrend fortsetzen. Unter Berücksichtigung insbesondere der aktuellen durchschnittlichen Jahresteuerung, der steigenden Krankenkassenprämien und der strukturellen Massnahmen für niedrige Einkommen wird transfair für 2027 Lohnerhöhungen von rund 2,2 Prozent fordern.

Nächster Post-GAV 2028

Ebenfalls einstimmig angenommen wurden die Forderungen für die Verhandlungen des neuen GAV Post CH 2028. Diego Frieden, stellvertretender Leiter der Branche Post/Logistik, stellte die wichtigsten Forderungen vor:

  • Arbeitszeit: transfair fordert die Verkürzung der Wochenarbeitszeit von 42 auf 40 Stunden sowie eine zusätzliche Ferienwoche (mit vollem Zeitausgleich) als Gegenleistung für eine kürzere bezahlte Tagespause. Das Recht auf eine tägliche Pause muss jedoch weiterhin gewährleistet sein!
  • Gesundheit und Sicherheit: Angesichts des zunehmenden Drucks bleibt die Gesundheit des Personals prioritär – insbesondere, da sie sich laut einer von transfair durchgeführten Personalumfrage zu verschlechtern scheint. Der Arbeitgeber muss die Verantwortung dafür übernehmen, seine Mitarbeitenden im Krankheitsfall finanziell abzusichern und sie in diesem Prozess zu begleiten. Derzeit ist diese Verantwortung an den Versicherer Axa delegiert. transfair wird sich dafür einsetzen, das Leistungsniveau der Krankentaggeldversicherung (KTGV) aufrechtzuerhalten und die Rolle der Post zu klären. Für schwere körperliche Belastungen fordert transfair ein Modell der Frühpensionierung sowie eine Anpassung der Paketgewichte gemäss Suva-Normen.
  • Löhne: Das derzeitige Lohnsystem muss angepasst werden. Die Lohnbänder sollen angepasst werden, um zu grosse Unterschiede zu vermeiden. Und die Obergrenze des Lohnbandes soll angehoben werden. Zudem gilt es, unterjährige Lohnerhöhungen von den jährlichen Verhandlungen der Sozialpartner zu trennen. Dies dürfte den Vorgesetzten einen echten Handlungsspielraum verschaffen.
  • Spesen/Zulagen: Nach langen Verhandlungen und Diskussionen gilt es nun, die Resultate umzusetzen. So dürften die Spesen je nach Verlauf der weiteren Verhandlungen steigen. Ausserdem sollen Mitarbeitende der PostNetz-Filialen fix eine Pauschale für Reise, Parkplatz und Essen erhalten, wenn sie in einer anderen Filiale eingesetzt werden.

Die Verhandlungen für den GAV Post CH 2028 werden voraussichtlich im November starten.

Würdigung neuer und ausscheidender Mitglieder

Schliesslich hat transfair am Branchenkongress die Arbeit mehrerer ausscheidender Mitglieder gewürdigt und das Engagement der Neuzugänge begrüsst. Franz Rothacher (PostAuto) und Urs Horat (PostFinance) wurden herzlich für ihr langjähriges und aktives Engagement bei transfair verdankt. Regula Bühler als Nachfolgerin von Mélanie Steiner (Logistik Services) und Pierre-Alain Favre (PostAuto) sind dem Vorstand ihres jeweiligen Unternehmens beigetreten und wurden mit herzlichem Applaus begrüsst. Schliesslich haben die Mitglieder den nächsten Kongresstermin festgelegt: Freitag, 17. September 2027 in Appenzell.