Kündigungen bei Post-Tochter Presto: transfair hält dagegen

Post/Logistik

Kündigungen bei Post-Tochter Presto: transfair hält dagegen

Bei der Post-Tochter Presto Presse-Vertriebs AG, die auf die Frühzustellung von Zeitungen spezialisiert ist, dürfte es zu 69 Kündigungen kommen. Der Grund: Der Sonntagblick stellt seine Printausgabe ein. Der Personalverband transfair fordert: Presto und die Post sollen alles daransetzen, die Mitarbeitenden weiterzubeschäftigen. Viele von ihnen arbeiten in kleinen Pensen bei Presto, um ihr tiefes Einkommen oder ihre Renten aufzustocken. Eine Kündigung trifft sie besonders hart.

Diego Frieden
Eine Person mit ausgestrecktem Arm, in der Hand ein Blatt Papier mit der Aufschrift «Kündigung»

Der Sonntagsblick stellt auf Ende 2026 seine Printausgabe ein. Dadurch kommt es bei der Presto Presse-Vertriebs AG zu Kündigungen – das erfuhr der Personalverband transfair gestern vom Unternehmen. Presto ist eine Tochter der Post und auf die Frühzustellung von Zeitungen spezialisiert. transfair ist Sozialpartner der Post und von Presto.

Laut Mitteilung an transfair muss Presto durch den Schritt von Ringier im Sonntagsgeschäft beträchtliche Umsatzeinbussen hinnehmen. Deshalb überprüft das Unternehmen aktuell sein Tourennetz für die Sonntagszustellung. In diesem Zuge kommt es voraussichtlich zu 69 Kündigungen. Betroffen sind die Standorte Basel, Bern, Rothenburg, St. Gallen, Urdorf und Wetzikon. Das sind sämtliche Standorte in der Deutschschweiz. In der Sonntagszustellung beschäftigt Presto dort 1841 Mitarbeitende, inklusive Zustellung an Werkstagen sind es 4174 Angestellte in der Deutschschweiz.

Einen Sozialplan aushandeln, um die Kündigungen abzufedern

transfair bedauert die Entscheidung von Presto. «Kündigungen sind in einem Umfeld wie bei Presto besonders hart: Viele Angestellte arbeiten in kleinen Pensen, um ihr geringes Einkommen oder ihre Rente aufzustocken. Sie sind dringend auf das zusätzliche Geld angewiesen», sagt Diego Frieden, stellvertretender Leiter der Branche Post/Logistik bei transfair.

Um den Schaden zu begrenzen, fordert transfair, dass Presto offene Touren in der Werktagszustellung prioritär den betroffenen Personen einräumt und die Mitarbeitenden so behält. Aber auch die Post als Muttergesellschaft steht in der Verantwortung: «Als vorbildliche Arbeitgeberin muss die Post alle Mittel einsetzen, um die Betroffenen innerhalb des Konzerns weiterzubeschäftigen», fordert Frieden.

Für den Fall, dass Kündigungen nicht verhindert werden können, appelliert transfair an Presto, mit dem Personalverband einen massgeschneiderten Sozialplan für diese Kündigungswelle auszuhandeln. Ziel ist, den betroffenen Mitarbeitenden zum Beispiel längere Kündigungsfristen oder Abgangsentschädigungen zu gewähren. Auch die Rentnerinnen und Renter, die bei Presto tätig sind, sollen vom Sozialplan profitieren.

transfair nimmt an Konsultationsverfahren teil

Diese Forderungen wird transfair nun zusammen mit der Personalvertretung von Presto am Konsultationsverfahren stellen. Das Verfahren, das heute eröffnet wurde, ist bei Massenentlassungen gesetzlich vorgeschrieben und gibt dem Personal und den Personalvertretungen die Möglichkeit, Vorschläge zur Verhinderung, Verringerung und Abmilderungen von Kündigungen vorzubringen. Die Unternehmen sind zur Prüfung der Vorschläge verpflichtet, nicht aber zur Umsetzung.