Teilweiser Kaufkraftverlust für das Personal im Service Public

Teilweiser Kauf­kraft­ver­lust für das Personal im Service Public

Das zweite Jahr in Folge kämpft die Schweiz mit einer verhältnismässig hohen Teuerung. Während die Lohnresultate im Service Public letztes Jahr mehrheitlich zufriedenstellend ausfielen, sorgen die ersten Ergebnisse 2024 sowie die aktuellen Verhandlungen für gemischte Gefühle. Fest steht, die Teuerung 2023 wird nicht in allen Branchen ausgeglichen. Die Angestellten des Service Public verlieren damit an Kaufkraft und ihre Löhne an Wert.

Olivia Stuber

Kein vollständiger Ausgleich der Teuerung

Bereits letztes Jahr konnte die Teuerung im Service Public nicht vollständig ausgeglichen werden. Dennoch handelte es sich um zufriedenstellende Ergebnisse. Dieses Jahr weht ein anderer Wind: Die Verhandlungs- und Finanzierungsbereitschaft zeigt sich teils abgekühlt.

Branchenübergreifend sind die ersten Lohnresultate 2024 im Service Public als gemischt zu verbuchen. Es zeichnet sich ein ungenügender Teuerungsausgleich ab. Die Angestellten des Service Public verlieren damit 2024 weiter an Kaufkraft. Die um durchschnittlich 8,7 Prozent steigenden Krankenkassenprämien belasten die Haushalte zusätzlich. Dies schmerzt umso mehr in Anbetracht der ständigen Angriffe aus der Politik zur Verschlechterung der Arbeitsbedingungen, des Fachkräftemangels sowie der omnipräsenten Sparmassnahmen. Mehr Arbeit, unter schlechteren Bedingungen und kein vollständiger Teuerungsausgleich – das ist für transfair nicht tragbar. Der Personalverband zeigt sich enttäuscht, dass die Löhne im Service Public 2024 an Wert verlieren werden.

Definitive Lohnresultate liegen zum aktuellen Zeitpunkt bei den Branchen Öffentliche Verwaltung und Öffentlicher Verkehr vor. Bei den Branchen Post & Logistik sowie ICT laufen die Verhandlungen oder werden erst noch beginnen.

Lohnverhandlungen mit Bundesverwaltung gescheitert

Es gibt nichts schönzureden: Nach drei intensiven Runden sind die Lohnverhandlungen mit Bundesrätin Karin Keller-Sutter am 16. November 2023 gescheitert. Dies, trotz dem Druck einer Petition des Bundespersonals mit 8'974 Unterschriften, die den vollen Teuerungsausgleich forderte. Die Verhandlungspositionen lagen schlicht zu weit auseinander, denn der Bund verharrte weiterhin auf 1 Prozent. Hinzu kam nur noch eine einmalige Zahlung von 500 Franken für die tiefsten Lohnklassen 1-11. Das betrifft Bruttolöhne von maximal 90'000 Franken. Eine Einigung war so unmöglich. Seit Jahrzenten galt in der Bundesverwaltung der Grundsatz, dass eine gute Arbeitgeberin die Teuerung ausgleicht. Dieser Grundsatz wurde von Bundesrätin Karin Keller-Sutter gebrochen. Für transfair ist dies eine äusserst beunruhigende und enttäuschende Entwicklung.

Wie gewohnt, folgte der ETH-Bereich dem Angebot des Bundes von 1 Prozent, dies jedoch sogar ohne Sonderzulage für die tiefsten Lohnklassen. Mit diesem ungenügenden Angebot ohne Kompromissbereitschaft war ein gemeinsamer Abschluss unmöglich, weshalb auch diese Verhandlungen gescheitert sind.

Erfreulicher ist hingegen das Resultat bei Swissmedic, bei der transfair die Erhöhung der Lohnsumme von insgesamt 2,8 Prozent erzielen konnte.

Zufriedenstellender Lohnabschluss bei SBB und SBB Cargo

Die Lohnverhandlungen mit der SBB und SBB Cargo verliefen dieses Jahr harzig. Dies, obwohl der Konzern besser dasteht als vor einem Jahr. Die SBB zeigte gegenüber den Forderungen der Personalverbände nach einem vollständigen Teuerungsausgleich sowie genügend finanziellen Mitteln für das Lohnsystem vorerst wenig Verständnis. Erst nach intensiven Verhandlungsrunden einigten sich die Partner dann auf eine Lohnsummenerhöhung von 2 Prozent, davon 1 Prozent generell und 1 Prozent individuell. Hinzu kommt eine vom Beschäftigungsgrad abhängige Einmalprämie in der Höhe von maximal 1000 Franken. Damit kann der Lohnabschluss bei der SBB und SBB Cargo als zufriedenstellend betrachtet werden, auch wenn damit die Teuerung nicht vollständig nachhaltig ausgeglichen wird.

Bei den Regionalbahnen zeigt sich die Situation trotz den drohenden Kürzungen der Abgeltungen beim Regionalen Personenverkehr positiv. Bei Thurbo erzielte transfair 2,5 Prozent, dazu kommt eine Einmalprämie. Bei der Matterhorn Gotthard Bahn betragen die nachhaltigen Lohnmassnahmen ebenfalls 2,5 Prozent, ergänzt wird das Resultat um Anpassungen bei Spesen und Zulagen sowie eine Einmalzahlung im Jubiläumsjahr der Gornergrat Bahn. Bei der Schweizerischen Südostbahn einigten sich die Sozialpartner auf eine Lohnsummenerhöhung von insgesamt 2,7 Prozent.

Post & Logistik und ICT: Lohnverhandlungen noch nicht abgeschlossen

Die Lohnverhandlungen mit der Schweizerischen Post, darunter auch die PostFinance, starteten am 14. Dezember 2023 und laufen aktuell noch. Die Lohnforderung von transfair umfasst den vollen Teuerungsausgleich (Stand September 2023), eine Berücksichtigung der steigenden Krankenkassenprämien sowie eine Reallohnerhöhung von 1 bis 1,5 Prozent.

Auch in der ICT-Branche sind die Lohnverhandlungen erst angelaufen. Eine erste Verhandlungsrunde mit Swisscom hat am 11. Dezember stattgefunden. Die Lohneingabe der verhandelnden Verbände beläuft sich auf eine Lohnsummenerhöhung um 3,5 Prozent. Die Lohnverhandlungen mit cablex und localsearch haben noch nicht gestartet.

Für Auskünfte

Greta Gysin Präsidentin und Nationalrätin

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