Swisscom: Personalverband transfair befürchtet Stellenabbau in der Schweiz

ICT

Swisscom: Per­so­nal­ver­band transfair befürchtet Stellenabbau in der Schweiz

Heute Donnerstag hat Swisscom angekündigt, in Lissabon einen neuen Standort zu eröffnen. Der Personalverband transfair ist alarmiert: Wir befürchten, dass dafür Stellen in der Schweiz abgebaut oder nicht mehr nachbesetzt werden. Damit schadet Swisscom dem Schweizer Arbeitsmarkt. transfair verlangt, dass Swisscom, aber auch der Bund endlich Verantwortung übernehmen.

Marika Schaeren
Fenster mit dem blau-weiss-roten Swisscom-Logo

Swisscom führt es in seinem Halbjahresergebnis unter ferner Liefen auf: Der Schweizer Telekom-Riese eröffnet einen neuen Standort in Lissabon. Gestartet wird 2027 mit zirka 40 Mitarbeitenden. transfair befürchtet: Diese Stellen werden dafür in der Schweiz abgebaut. Mittelfristig könnten es rund 200 sein. Auf diese Zahl will Swisscom am Standort Lissabon nach eigenen Angaben wachsen. Betroffen sind die Bereiche IT, Softwareentwicklung und Finanzen.

Swisscom schreibt es in seiner Medienmitteilung von heute Donnerstag selbst: Lissabon soll die Standorte Riga und Rotterdam ergänzen. Diese hat der Konzern bereits 2020 eröffnet. 2021 folgte die Auslagerung von einem Teil des Callcenters nach Kosovo. Gleichzeitig wurden in der Schweiz Arbeitsplätze abgebaut oder nicht mehr nachbesetzt. Die Entwicklung hat also System. Die oft bemühte Begründung mit dem Fachkräftemangel greift dabei zu kurz – wirtschaftliche Motive wie tiefere Löhne im Ausland stehen offensichtlich im Vordergrund.

 

Nearshoring gefährdet auch die Sicherheit kritischer Infrastrukturen

Der Personalverband transfair ist durch den neusten Schritt von Swisscom höchst alarmiert. Swisscom gehört dem Bund. Dadurch hat das Unternehmen eine besondere Verantwortung dem Schweizer Arbeitsmarkt gegenüber. Mit seiner Nearshoring-Strategie lässt Swisscom die Arbeitnehmenden in der Schweiz im Stich.

Hinzu kommt der Sicherheitsaspekt: Als Fernmeldedienstanbieterin ist Swisscom Grundversorgerin und Betreiberin zentraler Dienste für Behörden und Organisationen im Bereich Rettung und Sicherheit (BORS). Die Auslagerung sicherheitskritischer Infrastrukturen und Dienstleistungen ins Ausland oder an Drittanbieter ist höchst riskant.

Swisscom sieht das Personal bloss als Kostenfaktor

transfair fordert endlich Lösungen vom Bund. 2023 und 2025 hat Nationalrätin und transfair-Präsidentin Greta Gysin je eine entsprechende Interpellation eingereicht. Beide Male verwies der Bund auf die unternehmerische Freiheit von Swisscom. Doch diese sieht ihre Mitarbeitenden bloss als Kostenfaktor – und hofiert dafür die Aktionärinnen und Aktionäre. 2026 wurde die Dividende zum Beispiel von 22 auf 26 Franken pro Aktie erhöht – während die Mitarbeitenden mit einer Lohnsummenerhöhung von gerademal 0,9 Prozent abgespeist wurden.

Bei der aktuellen Verlagerung von der Schweiz nach Lissabon wird sich transfair dafür stark machen, dass Swisscom den betroffenen Mitarbeitenden wenigstens eine Alternative innerhalb des Konzerns in der Schweiz anbietet. Zudem greift der Sozialplan, den transfair mit Swisscom ausgehandelt hat. Dieser sieht bei einem Stellenabbau längere Kündigungsfristen und Unterstützung bei der Stellensuche vor.