Post streicht angekündigte 41 Stellen definitiv

Post/Logistik

Post streicht angekündigte 41 Stellen definitiv

Die Post gibt ihren Geschäftsbereich Digital Health grösstenteils auf und schliesst die Tochtergesellschaft Sanela Health. Insgesamt 41 Stellen werden gestrichen. transfair konnte den Abbau leider nicht verhindern, aber immerhin abfedern. Das Unverständnis beim Personalverband ist aber nach wie vor gross. Denn die Post könnte die jetzt entlassenen Fachkräfte bald wieder benötigen.

Kerstin Büchel
Der Hauptsitz der Post vor dunklem Himmel

In Kürze

  • Im Juni hat die Post entschieden, den Betrieb des elektronischen Patientendossiers (EPD) nur noch bis Ende 2026 zu betreiben. Danach will sie sich als Anbieterin für die mögliche Nachfolgelösung positionieren: das elektronische Gesundheitsdossier (E-GD).
  • Trotzdem löst die Post ihren Geschäftsbereich Digital Health jetzt grösstenteils auf und schliesst die Tochtergesellschaft Sanela Health. Insgesamt 41 Stellen werden gestrichen.
  • transfair konnte den Schritt leider nicht verhindern, aber immerhin abfedern. Die Post hat zum Beispiel zugesichert, die interne Weiterbeschäftigung der betroffenen Mitarbeitenden systematisch zu prüfen.
  • Zudem werden die betroffenen Mitarbeitenden von Digital Health intensiv bei der Stellensuche unterstützt, dafür sorgt der mit transfair ausgehandelte Sozialplan.

Ende Juni gab die Post den Plan bekannt, ihren Geschäftsbereich Digital Health grösstenteils aufzulösen und die Tochtergesellschaft Sanela Health zu schliessen. Der Hintergrund: Die Post will den Betrieb des elektronischen Patientendossiers (EPD) aufgeben – nach zehn Jahren Investition in diese digitale Gesundheitslösung.

Seit gestern steht nun fest: Die angekündigten 41 Stellen werden definitiv gestrichen. Das Konsultationsverfahren ist geschlossen. Dieses Verfahren ist bei grösseren Umstrukturierungen und Massenentlassungen vorgeschrieben und verpflichtet die Unternehmen, die Vorschläge ihrer Belegschaft und der Gewerkschaften anzuhören, wie Kündigungen verhindert oder abgemildert werden könnten. transfair hat dazu drei zentrale Forderungen gestellt.

  • Kündigungen, wo immer möglich, über die natürliche Fluktuation umsetzen. Dazu soll die Post dem Abbau bei Digital Health und der Schliessung der Sanela Health AG mehr Zeit einräumen.
  • Die betroffenen Mitarbeitenden innerhalb des Konzerns weiterbeschäftigen. Das gilt umso mehr, als die Post ansonsten spezialisiertes Fachwissen verlieren würde, das sie vielleicht bald wieder braucht. Nämlich dann, falls anstelle des EPDs das elektronische Gesundheitsdossier (E-GD) eingeführt wird und sie den Zuschlag für den Betrieb der neuen Plattform erhält.
  • Die betroffenen Mitarbeitenden rechtzeitig und detailliert informieren, damit sie ihre Rechte, Pflichten und insbesondere die geltenden Fristen kennen.

Post will Abbau «soweit möglich» intern abfedern

Wie bereits befürchtet, konnte transfair den Stellenabbau nicht verhindern, aber zumindest abfedern. So will sich die Post offenbar bemühen, den Abbau «soweit möglich» über interne Stellenwechsel aufzufangen. Gleichzeitig greift für die betroffenen Mitarbeitenden von Digital Health der mit transfair ausgehandelte Sozialplan. Dieser sieht vor, dass Mitarbeitende im Falle einer Kündigung intensiv bei der Stellensuche unterstützt werden. Die Angestellten der Sanela Health AG fallen nicht unter den Sozialplan. Trotzdem sollen sie laut Post mit Unterstützungsleistungen begleitet werden. Zusätzlich erhalten sie eine Abfindung, sofern es keine Anschlusslösung für sie gibt. Konkret zahlt die Post drei Monatslöhne und Mitarbeitenden ab 60 Jahren sechs. Darüber hinaus hat die Post versichert, alle betroffenen Angestellten transparent zu informieren.

Die Details zum Stellenabbau:

  • 41 Mitarbeitende sind betroffen, davon 9 im Gesamtarbeitsvertrag (GAV), 32 im Kader. In 7 Fällen kommt es zu einer Änderungskündigung, in 34 zu einer Entlassung.
  • Die Umsetzung des Stellenabbaus ist per 1. September mit 23 Kündigungen und per 1. Januar 2027 mit 11 Kündigungen geplant.
  • Die ersten Gespräche mit den betroffenen Mitarbeitenden finden ab dem 27. Juli 2026 statt.
  • Bei der eigenständigen Tochter Sanela Health wird es per 1. Januar 2027 zu 3 Änderungskündigungen und 7 Entlassungen kommen.

Jahrelange Aufbauarbeit verdient Anerkennung – keine Kündigung!

transfair bedauert den erneuten Abbau bei der Post und findet nach wie vor: Die Fachpersonen bei Digital Health und Sanela Health haben über Jahre wertvolle Aufbauarbeit geleistet. Sie verdienen dafür Anerkennung, keine Kündigung. Dazu hat transfair im Juni eine Medienmitteilung verschickt.

Hintergrund elektronisches Patientendossier (EPD)

Der Bundesrat hat im November 2025 angekündigt, die Digitalisierung im Gesundheitswesen neu auszurichten. Mit einem neuen Gesetz soll das elektronische Patientendossier (EPD) durch ein elektronisches Gesundheitsdossier (E-GD) abgelöst werden. Künftig sollen alle Einwohnerinnen und Einwohner der Schweiz automatisch ein E-GD erhalten; alle Gesundheitsdienstleister sollen zur Nutzung verpflichtet werden. Das Parlament berät den Gesetzesentwurf derzeit. Seither ist die Nachfrage nach dem EPD stark zurückgegangen: Spitäler, Arztpraxen und Privatpersonen halten sich zurück. Der Verwaltungsrat der Post hat am 22. Juni 2026 entschieden, die EPD-Plattform noch bis Ende 2026 zu betreiben und sich danach als Anbieterin für das E-GD zu positionieren.