Erneuter Stellenabbau bei der Post: transfair fordert Kurswechsel
Bei der Schweizerischen Post fallen in der Informatik (IT) bis zu 40 Stellen weg. Das Konsultationsverfahren zur Reorganisation «Tech Acceleration» ist abgeschlossen – damit wird der Abbau definitiv. Er reiht sich in eine Serie ein: Seit 2024 hat die Post wiederholt Stellen gestrichen. transfair verlangt deshalb ein Ende dieser Abbaupolitik.
Kerstin Büchel
Mit der Reorganisation «Tech Acceleration» richtet die Schweizerische Post ihre Informatik (IT) neu aus. Über den damit verbundenen Stellenabbau führte sie ein Konsultationsverfahren durch. Das Ergebnis: bis zu 40 Kündigungen und 20 Vertragsänderungen. Das sind zwar weniger als ursprünglich befürchtet, die Konsequenzen sind für die Betroffenen dennoch gravierend.
Abbaukurs auf Kosten des Personals
transfair ist besorgt. Die IT ist nur der jüngste Fall einer ganzen Abbauwelle. Der gelbe Riese hat seit 2024 Bereich um Bereich Personal abgebaut – transfair hat jeden dieser Schritte dokumentiert und kritisiert. Der Personalverband verlangt ein grundsätzliches Umdenken: «Ein bundesnaher Betrieb mit Vorbildfunktion trägt eine besondere soziale Verantwortung. Die Post nimmt sie nicht wahr, wenn sie Jahr für Jahr Stellen streicht – die Rechnung zahlen die Mitarbeitenden und der Service Public. Wer eine öffentliche Aufgabe erfüllt, darf qualifizierte Arbeitsplätze nicht dem Sparen opfern», sagt Greta Gysin, Präsidentin von transfair und Nationalrätin.
Bisherige Abbaumassnahmen bei der Post seit 2024:
- Post baut bis zu 41 Stellen bei Digital Health ab
- Post lagert aus – 27 Stellen auf dem Spiel bei IMS
- Post lässt bis zu 100 PostNetz-Mitarbeitende im Stich
- PostFinance streicht 141 Stellen – trotz Fachkräftemangel
- Post schliesst notime: transfair kämpft für die Mitarbeitenden
(Diese Zahlen entsprechen dem letztem Stand der Infos von der Post an transfair)
Auslagerung ins Ausland dauerhaft stoppen
Zusätzlich beschäftigt den Personalverband die Verlagerung von IT-Stellen ins Ausland. Den geplanten Ausbau ihres Standorts in Lissabon hat die Post zwar bis auf Weiteres ausgesetzt, hält aber die Tür dafür offen. transfair fordert ein dauerhaftes Ende des Auslagerungs-Projekts. Bundesnahe Unternehmen sollen Arbeitsplätze und Kompetenzen in der Schweiz behalten. Die Sorge über die Auslagerung von Arbeitsplätzen im Service Public gilt über die Post hinaus. Auch bei der Swisscom hat transfair vor dem gleichen Kurs gewarnt.
Betroffene nicht im Stich lassen
Den Abbau will die Post über natürliche Fluktuation, freiwillige Frühpensionierungen und interne Wechsel abfedern. Doch 40 Kündigungen sind immer noch zu viele. Darum appelliert transfair, diese Zahl weiter zu reduzieren. Darüber hinaus verlangt der Personalverband, dass Betroffene Vorrang vor externen Bewerbenden erhalten, wenn offene Stellen im Konzern neu besetzt werden. Hinzu kommt der Zeitdruck. Wird Betroffenen eine andere Stelle angeboten, gibt ihnen die Post oft nicht einmal 48 Stunden, um sich zu entscheiden. Das reicht kaum für eine so weitreichende Entscheidung in einer bereits stressigen Situation. Der transfair-Sozialplan verlangt eine faire Frist von rund einer Woche. Der Sozialplan muss konsequent umgesetzt und der betroffenen Belegschaft klar erläutert werden.
«Zahlreiche Mitarbeitende haben sich in die Konsultation eingebracht – das zeigt, wie stark die Reorganisation die Mitarbeitenden trifft. Dass die Post weniger Kündigungen ausspricht, als ursprünglich befürchtet, ist ein wichtiger Schritt – doch 40 Menschen können trotzdem ihre Stelle verlieren. Ihnen schuldet die Post jetzt echte Perspektiven: Weiterbildung, Umschulung und einen fairen Übergang», sagt Kerstin Büchel, Leiterin Branche Post/Logistik bei transfair. Ab dem 1. Januar 2027 greifen die Abbau-Massnahmen.