Wirtschaftsmotor öV

Öffentlicher Verkehr

Wirt­schafts­mo­tor öV

Der Schweizer öV ist äusserst zuverlässig und pünktlich – das ist auch volkswirtschaftlich relevant. Dieser Zusammenhang erschliesst sich erst auf den zweiten Blick und wird zu wenig aufgezeigt. Für transfair ist klar: Die Politik muss die Bedeutung des öV für die Wirtschaft berücksichtigen. Auch aus diesem Grund muss sie die Finanzierung langfristig sichern.

Bruno Zeller
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Eine asiatische Touristin im roten Pullover fotografiert aus dem Zugfenster heraus

öV schafft wichtige Voraussetzungen für Tourismus und Innovation

Eine Studie des Forschungsunternehmens Infras zeigt: 2024 betrug die Bruttowertschöpfung des öffentlichen Verkehrs und der Bahnindustrie 17,4 Milliarden Franken. Davon entfielen 12,4 Milliarden auf die eigentliche Erbringung von öV-Leistungen für den Transport von Personen und Gütern. Der öV ist damit selbst ein bedeutender Wirtschaftszweig. Gleichzeitig reicht seine Wirkung weit über die Branche hinaus: Mit seinem flächendeckenden und zuverlässigen Angebot schafft er etwa wichtige Voraussetzungen für Tourismus, Produktion und Innovation. Damit trägt der öV wesentlich zur wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit der Schweiz bei.

Bund entzieht ab 2027 Mittel

Basis für einen gut funktionierenden öV-Betrieb ist die Infrastruktur. Mit dem Bahninfrastrukturfonds (BIF) wird die bahnseitige Infrastruktur finanziert, mit dem Nationalstrassen- und Agglomerationsverkehrsfonds (NAF) die strassenseitige (öV-)Infrastruktur. Diese Fonds müssen ausreichend gedeckt bleiben. Nur so können der steigende Unterhalt, die Ausbauten und Digitalisierungsprojekte umgesetzt werden. Kommt hinzu: Auch die Teuerungen für Material und Personal wollen finanziert sein. Der Bund unterschätzt die Kostenentwicklung. Ab 2027 führt er dem BIF im Rahmen seines Sparprogramms sogar weniger Mittel zu.

Mehrkosten im regionalen Personenverkehr

Auch beim Angebot gibt es ein Finanzierungsproblem. Für die Jahre 2026 bis 2028 sind beim Bund und bei den Kantonen zu tiefe Kostenabgeltungen für den regionalen Personenverkehr eingeplant. Und das Finanzierungsproblem dürfte sich weiter verschärfen: Laut Berechnungen des Verbands öffentlicher Verkehr (VöV) müssen in den nächsten Jahren infolge des wachsenden Angebots jährlich 2,5 bis 3,5 Prozent Mehrkosten eingeplant werden – dies noch ohne Teuerungen und die stetig steigenden Kosten der Transportunternehmen zum Schutz von Personal und Fahrgästen.

transfair wird im Rahmen von «Verkehr ’45» Stellung beziehen 

Unser qualitativ hochstehender öV in der Schweiz ist nicht selbstverständlich – er muss gepflegt und gezielt ausgebaut werden. Der Bundesrat hat im Juni 2026 die Vorlage für den Ausbau der Verkehrsinfrastruktur bis 2045 («Verkehr ’45») in die Vernehmlassung geschickt. transfair wird dazu Stellung beziehen. Unsere Anliegen: Ausbauprojekte sind dort zu beschliessen, wo sie den grössten Nutzen stiften, dies gilt für BIF und NAF. Priorität bei der Mittelvergabe hat der Unterhalt, hier gibt es bereits heute Nachholbedarf. Auch in einer künftigen Volksabstimmung wird es wichtig sein, den Finanzzufluss zu sichern. Mit dem Wissen um die bedeutende Wertschöpfung des öV lohnt es sich, für eine gute Finanzierung einzutreten. Jeder Franken lohnt sich.