SPS Switzerland schliesst den Standort Mülligen – transfair verlangt Weiterbeschäftigung für alle

Post/Logistik

SPS Switzerland schliesst den Standort Mülligen – transfair verlangt Wei­t­er­be­schäf­ti­gung für alle

Letzte Woche hat die ehemalige Post-Tochter SPS Switzerland die Schliessung ihres Standorts Zürich-Mülligen angekündigt. Der Personalverband transfair fordert, dass alle 76 betroffenen Mitarbeitenden an einem anderen Standort weiterbeschäftigt werden. Zudem sollen die Mitarbeitenden für die Versetzung entschädigt werden.

Aidan Uebelmann von transfair Aidan Uebelmann
•
Ein Mitarbeiter von SPS Switzerland bereitet in einer Produktionshalle das Material für die automatisierte Verarbeitung von Druck- und Dokumentenaufträgen vor

Die Firma SPS Switzerland (ehemals Swiss Post Solutions) hat am Donnerstag ein Konsultationsverfahren für ihren Standort Zürich-Mülligen gestartet. Dort arbeiten aktuell 76 Personen. Nach eigenen Angaben will SPS die Produktionsaktivitäten in Mülligen an die Standorte Gossau (SG) und Härkingen (SO) verlegen. Das Unternehmen, mit dem der Personalverband transfair einen Gesamtarbeitsvertrag (GAV) hat, führt dafür strategische und effizienzbezogene Gründe an.

SPS soll Anliegen der Mitarbeitenden ernsthaft prüfen

In seinem Schreiben an transfair hat SPS Switzerland zwar versichert, Kündigungen nach Möglichkeit vermeiden zu wollen. transfair fordert trotzdem ausdrücklich, dass SPS sämtliche betroffenen Mitarbeitenden im Unternehmen behält.

Und selbst wenn es zu keinen Kündigungen kommt: Für viele Mitarbeitende bedeutet der Wechsel nach Härkingen oder Gossau einen deutlich längeren Arbeitsweg – rund zwei oder sogar drei Stunden zusätzliche Pendelzeit pro Tag. «Das müssen die Mitarbeitenden nicht einfach akzeptieren», sagt Diego Frieden, stellvertretender Leiter der Branche Post/Logistik bei transfair. «SPS kann nicht einfach den Arbeitsort ändern und die Folgen dem Personal überlassen. Wer künftig einen deutlich längeren Arbeitsweg hat, verdient eine faire Entschädigung – entweder finanziell oder zum Beispiel durch das Zugeständnis, dass die zusätzliche Reisezeit als Arbeitszeit gilt.» Zudem pocht transfair darauf, dass SPS die Anliegen und Vorschläge der Mitarbeitenden im Konsultationsverfahren ernsthaft prüfen wird.

Bis 2021 Tochter der Schweizerischen Post

SPS Switzerland war bis 2021 Tochter der Schweizerischen Post. Heute gehört das Unternehmen der Private-Equity-Gesellschaft AS Equity Partners mit Sitz in London und Freienbach (SZ).

Was ist ein Konsultationsverfahren?

Bei Massenentlassungen schreibt das Gesetz ein Konsultationsverfahren vor: Die Unternehmen müssen ihre Personalvertretungen anhören. Diese können Vorschläge einbringen, um Kündigungen zu verhindern, zu verringern oder abzufedern. Die Unternehmen sind zur Prüfung der Mitarbeitenden-Seite verpflichtet, nicht aber zur Umsetzung deren Anliegen. Als Sozialpartner von SPS Switzerland wird transfair seine Mitglieder und die Mitarbeitenden in Mülligen während und nach dem Konsultationsverfahren unterstützen.