Post baut bis zu 41 Stellen bei Digital Health ab – transfair fordert Weiterbeschäftigung
Die Schweizerische Post plant, bis zu 41 Fachpersonen bei Digital Health zu entlassen. Deren Fachwissen braucht sie für ihr geplantes Nachfolgeprojekt im digitalen Gesundheitswesen jedoch dringend. transfair kritisiert den Entscheid als kurzsichtig und widersprüchlich – er reiht sich in eine konzernweite Abbaustrategie ein, die seit über zwei Jahren anhält.
Diego Frieden
Seit 2024 baut die Post konzernweit mehrere Hundert Stellen ab. transfair hat sich dieser Entwicklung wiederholt entgegengestellt. Mit dem Kahlschlag bei Digital Health und der Tochtergesellschaft Sanela Health AG geht die Abbauwelle in die nächste Runde. Auslöser ist die geplante Einstellung des elektronischen Patientendossiers (EPD) – einer digitalen Gesundheitslösung, in die die Post mehr als zehn Jahre investiert hat.
Kurzsichtige Kostenoptimierung mit langfristigen Konsequenzen
Von den geplanten Entlassungen betroffen sind insgesamt bis zu 41 Personen. Die Arbeitnehmervertretungen werden nun im Konsultationsverfahren angehört: Die Frist läuft vom 25. Juni bis 10. Juli 2026. Danach ist der Abbau in zwei Etappen geplant: Die erste betrifft rund 24 Personen per 1. September 2026, die zweite rund 9 Personen per 1. Januar 2027. Lediglich rund 10 Fachpersonen sollen im Unternehmen bleiben, um ihr Wissen für ein mögliches Nachfolgeprojekt zu erhalten.
Die Fachpersonen bei Digital Health haben über Jahre wertvolle Aufbauarbeit geleistet – und verdienen dafür Anerkennung, keine Kündigung. «Die Post hat mehr als zehn Jahre in das EPD investiert. Nun sollen genau jene Fachpersonen entlassen werden, obwohl die Post deren Wissen für das künftige elektronische Gesundheitsdossier dringend braucht. Das ist kurzsichtig», rügt Greta Gysin, Präsidentin von transfair und Nationalrätin.
Kurzsichtige Lohnkosteneinsparungen rechtfertigen diese Entlassungen nicht. Muss die Post das spezialisierte Fachwissen später extern rekrutieren, wird das teurer – und dauert länger. Erhält sie den Zuschlag für das E-GD, wäre das intern aufgebaute Wissen der entlassenen Fachpersonen unwiederbringlich verloren.
Kontinuierlicher Stellenabbau bei der Post seit 2024
Der Abbau bei Digital Health und Sanela Health AG ist kein Einzelfall. Seit 2024 baut die Post konzernweit in verschiedenen Bereichen Personal ab – und jedes Mal sind es die Mitarbeitenden, die die Konsequenzen tragen – ein Armutszeugnis für einen bundesnahen Betrieb mit Vorbildfunktion. transfair hat sich dieser Entwicklung wiederholt entgegengestellt und darüber berichtet:
Hintergrund elektronische Patientendossier (EPD)
Der Bundesrat hat im November 2025 angekündigt, die Digitalisierung im Gesundheitswesen neu auszurichten. Mit einem neuen Gesetz soll das elektronische Patientendossier (EPD) durch ein elektronisches Gesundheitsdossier (E-GD) abgelöst werden. Künftig sollen alle Einwohnerinnen und Einwohner der Schweiz automatisch ein E-GD erhalten; alle Gesundheitsdienstleister sollen zur Nutzung verpflichtet werden. Das Parlament berät den Gesetzesentwurf derzeit. Seither ist die Nachfrage nach dem EPD stark zurückgegangen: Spitäler, Arztpraxen und Privatpersonen halten sich zurück. Der Verwaltungsrat der Post hat am 22. Juni 2026 entschieden, die EPD-Plattform noch bis Ende 2026 zu betreiben und sich danach als Anbieterin für das E-GD zu positionieren.