Zufriedenstellende Lohnresultate trotz schwierigem Umfeld

Zufriedenstellende Lohnresultate trotz schwierigem Umfeld © derManu / photocase.com
16.12.2013

Generelle Lohnerhöhungen sind auch in diesem Jahr schwierig zu erreichen. Trotzdem ist transfair mit den bisherigen Resultaten zufrieden. Wo wir keine generellen Massnahmen erzielt haben, liessen sich oftmals Alternativen finden: Zum Beispiel die Erhöhung der Mindestlöhne bei der Post oder Beiträge an Pensionskassen. Noch offen sind die Verhandlungen in der Branche Communication.

Die Lohnverhandlungen fanden in diesem Jahr in einem schwierigen Umfeld statt. Die negative Teuerung senkte die Bereitschaft der Unternehmen, generelle Lohnmassnahmen zu gewähren. Es bleibt aber das Ziel von transfair, für alle Mitarbeitenden nachhaltige Lohnmassnahmen auszuhandeln. Trotzdem: Auch der Aspekt Leistung darf nicht vernachlässigt werden. Dies wird etwa im neuen Lohnsystem der Swisscom berücksichtigt. Der Fall Swisscom zeigt aber auch, dass ein neues Lohnsystem nicht alle Probleme löst. Eine Einigung steht beim Kommunikationsunternehmen noch aus.
Wo eine Einigung bezüglich genereller Lohnmassnahmen ausblieb, suchte transfair nach Alternativen. So konnte bei der Post CH AG und der PostFinance AG der Mindestlohn erhöht und die familienergänzende Kinderbetreuung ausgebaut werden, bei der BLS AG und der Chemins de fer du Jura (CJ) wurde ein zusätzlicher Ferientag ausgehandelt. Zudem handelten wir immer wieder auch Beiträge an die Pensionskasse aus. In diesem Jahr etwa im ETH-Bereich, bei der BLS AG sowie bei der Gornergrat und der Matterhorn Gotthard Bahn (GGB/MGB).
Eine Übersicht über alle vorliegenden Resultate bietet die Tabelle am Ende des Texts. Die Verhandlungen sind jedoch noch nicht überall abgeschlossen.
 

Öffentliche Verwaltung: Generelle Lohnerhöhungen sind weiterhin möglich!

Dass generelle Lohnmassnahmen möglich sind, zeigen die Resultate aus der öffentlichen Verwaltung. Mit der allgemeinen Bundesverwaltung und dem ETH-Bereich haben wir bei zwei Sozialpartnern Lohnmassnahmen ausgehandelt, die allen Mitarbeitenden zugutekommen.  

Im ETH-Bereich steigen die Löhne im nächsten Jahr um 0.5 Prozent generell und 1.2 Prozent individuell. Zudem bringt die ETH  6.2 Millionen Franken für die Ausfinanzierung des Grundlagenwechsels der Pensionskasse auf. Die Löhne der Mitarbeitenden der allgemeinen Bundesverwaltung werden um 0.7 Prozent generell ansteigen. Zudem können auch im Rahmen der Anpassung der Bundespersonalverordnung Verbesserungen ausgewiesen werden: Ab 2014 kommen auch Patchwork-Familien in den Genuss von Beiträgen an die familienergänzende Kinderbetreuung. Eltern können zudem ihren Beschäftigungsgrad um 20 Prozent reduzieren. Nicht erreicht haben wir hingegen das Recht, den Beschäftigungsgrad zu einem späteren Zeitpunkt wieder aufstocken zu können.
Knapp vermieden werden konnte in diesem Jahr ausserdem der wiederholte Versuch, den Personalkredit der Bundesverwaltung zu kürzen. Der von rechtsbürgerlicher Seite eingebrachte Vorstoss, den Personalkredit um 50 Millionen zu kürzen, wurde erst in der Differenzbereinigung im Nationalrat verhindert. Dank diesem Entscheid können im nächsten Jahr dringend benötigte Stellen - beispielsweise im BFM - besetzt werden und ein Abbau von Stellen bei Grenzwache und zivilem Zoll konnte verhindert werden – zu guter Letzt hat somit die Vernunft über die Ideologie triumphiert.
 

Öffentlicher Verkehr: Positive Abschlüsse in schwierigem Umfeld

Im öffentlichen Verkehr ist das Umfeld finanziell traditionell schwierig. Die Branche ist laufend mit Sparprogrammen, Restrukturierungen und Effizienzsteigerungsprogrammen konfrontiert. Momentan ist dies beispielsweise bei der BLS AG der Fall. Dies wirkt sich natürlich auch auf den Spielraum bei den Lohnverhandlungen aus. Doch auch in diesem schwierigen Umfeld sind generelle Abschlüsse nach wie vor möglich, wie etwa die Beispiele der Transports de Martigny et Régions (TMR) und der Schifffahrtsgesellschaft Vierwaldstättersee (SGV) zeigen. Die TMR erhöht die Löhne um 0.8 Prozent generell, die SGV um 0.5 Prozent generell, 0.88 Prozent individuell und zahlt eine Prämie von 500 Franken an ihre Mitarbeitenden aus. Weitere generelle Abschlüsse sind bis Ende Jahr noch im Bereich des Möglichen.

Bei der SBB konnte mit 0.9 Prozent individuell ein Resultat erzielt werden, dass immerhin eine Lohnentwicklung über dem für das Lohnsystem notwendigen Minimum liegt – dafür sind 0.5 Prozent nötig. Zudem hebt die SBB die Lohnbänder um 0.5 Prozent an. Diese beiden Massnahmen ermöglichen eine Lohnentwicklung für einen Grossteil der Mitarbeitenden der SBB. transfair ist deshalb mit dem erzielten Resultat zufrieden. Umso mehr unter Berücksichtigung der Tatsache, dass im letzten Jahr mit der SBB gar keine Einigung erzielt werden konnte.

Bei der BLS konnte der nicht erreichte generelle Lohnanstieg mit einem zusätzlichen Ferientag kompensiert werden. Neben den 0.9 Prozent individueller Lohnerhöhung fliessen zudem insgesamt 6.2 Millionen Franken in Massnahmen zugunsten der Pensionskasse und des Krankentaggeldes, 0.9 Millionen davon werden über die Lohnrunde 2014 finanziert.
 

Communication: Die Verbindung steht noch nicht

Noch ohne Ergebnisse steht die Branche Communication da. Die Verhandlungen mit der Swisscom gestalten sich trotz guter Zahlen – für das dritte Quartal 2013 kommuniziert das Unternehmen einen Gewinn von 1.2 Milliarden Franken – sehr schwierig. Die ursprünglich vorgesehenen Verhandlungsrunden reichten nicht aus, um ein Ergebnis zu erzielen. Eine weitere Verhandlungsrunde ist für diese Woche vorgesehen. Noch ist aber nicht absehbar, ob es zu einer Einigung kommt. Unter diesen Voraussetzungen ist auch eine Einigung bei der Swisscom-Tochter cablex noch nicht in Sicht.
 

Post/Logistik: Die Mindestlöhne steigen

Die GAV-Verhandlungen mit der Post sind momentan in vollem Gange. Diese gestalten sich sehr zeitintensiv und herausfordernd. Noch bleibt ein Jahr für die Verhandlungen, langsam aber sicher steigt der Druck an. An den Lohnverhandlungen konnten nun zwei Punkte aus den GAV-Verhandlungen herausgelöst und erledigt werden: Die Post baut für Post CH AG und PostFinance AG die familienergänzende Kinderbetreuung aus. Neu profitieren Familien mit Kindern bis 10 Jahren davon. Und der Mindestlohn steigt auf 50‘000.- Franken an – ein Anstieg um 5.7 Prozent. Nicht nur bei Detailhändlern sind somit Anpassungen bei den Mindestlöhnen möglich.

Eine Einigung über generelle Lohnmassnahmen war bei der Post in diesem Jahr nicht möglich. Die Mitarbeitenden von Post CH AG und PostFinance AG erhalten eine Einmalzahlung über 700 Franken. Zudem erhöhen sich die Löhne um 0.8 Prozent individuell. In der Wertung ist dieses Gesamtpaket für transfair zufriedenstellend.

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