+2 Wochen Vaterschaftsurlaub

+2 Wochen Vaterschaftsurlaub
29.04.2021

Seit 119 Tagen ist der gesetzliche Vaterschaftsurlaub in Kraft. Erste Familien konnten von ihrem neuen Recht profitieren, andere kämpfen noch darum. transfair reicht gemeinsam mit seiner Co-Präsidentin, Greta Gysin, politische Vorstösse ein, damit bestehende Lücken geschlossen werden können. Zudem fordert transfair, gestützt auf das neue Rechtsgutachten, grundsätzlich in allen Branchen zwei zusätzliche Wochen Vaterschaftsurlaub.

transfair hat bereits einige GAV, die eine Regelung mit mehr als 2 Wochen Vaterschaftsurlaub kennen. So sind beispielsweise die Arbeitsbedingungen SBB und SBB Cargo (4 Wochen seit 2019) oder Swisscom (15 Tage seit 2018) seit geraumer Zeit Leuchttürme, die ihrer Zeit voraus waren.
 
Seit dem 27. September 2020 fordert transfair, gestützt auf das Abstimmungsergebnis, grundsätzlich in allen Branchen, dass die 2 Wochen gesetzlichen Vaterschaftsurlaubs zu den GAV-Bestimmungen ergänzt werden. Das vorliegende Rechtsgutachten stärkt die Position von transfair daher in den Verhandlungen massgeblich. Jedoch wählt transfair bewusst eine konstruktive Herangehensweise; mit einem partnerschaftlichen Blick für das Gegenüber. Branchenspezifisch bringt transfair also die Forderung nach 2 zusätzlichen Vaterschaftsurlaubwochen dort auf den Tisch, wo es die Rahmenbedingungen erlauben.
 
Klar ist jedoch für transfair, dass Unternehmen, die bereits vorher eine weitergehende Lösung hatten, Geld sparen. Denn sie müssen nicht mehr allein die Kosten des Vaterschaftsurlaubes tragen, sondern profitieren hier von der gesetzlichen Lösung via Erwerbsersatzordnung. Das «gesparte» Geld muss ins Personal reinvestiert werden. Idealerweise als weitere Tage Vaterschaftsurlaub. Greta Gysin, die Co-Präsidentin von transfair, hält fest: «transfair bringt die Forderung nach +2 Wochen Vaterschaftsurlaub branchenspezifisch dort auf den Tisch, wo es die Rahmenbedingungen erlauben.»
 
Mit gewissen Sozialpartnern hat transfair bereits über diese Forderung gesprochen. Mit Erfolg: Seit 1. Januar 2021 haben die Mitarbeiter der Post 4 Wochen Vaterschaftsurlaub. Auch bei der Bundesverwaltung hat transfair an den Verhandlungen mit Bundesrat Maurer eine Verdoppelung von 10 auf 20 Tage gefordert.

Gesetzliche Lücken decken

transfair setzt sich jedoch nicht nur in der Sozialpartnerschaft für mehr Vaterschaftsurlaub ein, sondern will weitere bestehende Lücken in den gesetzlichen Grundlagen schliessen. Deshalb wird der Personalverband mit seiner Co-Präsidentin und mit der Unterstützung von Travail.Suisse und Syna, in der kommenden Sondersession eine Motion einreichen. Darin wird der Bundesrat dazu aufgefordert, alle gesetzlichen Grundlagen dahingehend anzupassen, dass nachher alle Väter in der Schweiz mindestens 2 Wochen Vaterschaftsurlaub erhalten. Und zwar ungeachtet dessen, ob sie nach OR, nach kantonalem Personalrecht oder nach Militärrecht angestellt sind. Gleiches fordert transfair für das Arbeitszeitgesetz. So profitieren wirklich alle Väter, auch jene, die, wie das Personal im öffentlichen Verkehr oder im Gesundheitsbereich am Wochenende und in Schichtbetrieb arbeiten, von 2 ganzen Wochen Vaterschaftsurlaub!
 
Eine weitere Lücke besteht im Kündigungsschutz. Diverse negative Meldungen zeigen auf, dass Arbeitgeber und Arbeitgeberinnen ihre Mitarbeiter extra falsch informieren. Dies, damit diese entweder den Vaterschaftsurlaub gar nicht beziehen oder aber nur dann, wenn es dem Arbeitgeber oder der Arbeitgeberin in den Kram passt. Und Arbeitgeber als auch Arbeitgeberinnen verweigern entweder den Vaterschaftsurlaub ganz oder aber sie bauen – unter der Androhung von Kündigung – so viel Druck auf, dass Väter auf ihren rechtmässigen Vaterschaftsurlaub verzichten. Um vor allem letzterem entgegenzuwirken muss ein entsprechender Kündigungsschutz her!
 
Ein weiterer politischer Vorstoss bezieht sich auf das tragische Thema des Kindstodes. Hier fordert transfair eine Gleichbehandlung zwischen Müttern und Vätern. Mütter erhalten ihren Mutterschaftsurlaub, wenn ihr Kind nach der 23. Schwangerschaftswoche, bei oder nach der Geburt verstirbt. Beim Vaterschaftsurlaub besteht in diesem speziellen Fall explizit kein Anspruch auf Vaterschaftsurlaub. Doch bei einem solch traurigen und einschneidenden Erlebnis brauchen Väter und Mütter gemeinsam Zeit, um den Tod des eigenen Kindes emotional zu verarbeiten. Deshalb muss der Vaterschaftsurlaub in solch ausserordentlichen Situationen greifen, um Vätern Zeit zu geben, zu trauern. Eine überstürzte Rückkehr an den Arbeitsplatz ist in solchen Fällen absolut unnötig und ist weder für den Vater noch für den Arbeitgeber das Richtige.
 
Entsprechende politische Vorstösse sind in Vorbereitung und werden in der Sommersession eingereicht.

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