Lohnresultate 2022: Der Service Public beweist einmal mehr seine grundlegende Wichtigkeit

Lohnresultate 2022: Der Service Public beweist einmal mehr seine grundlegende Wichtigkeit © marek_usz/AdobeStock
20.12.2021

Trotz der anhaltenden Covid-19-Krise stellen die Mitarbeitenden im Service Public weiterhin eine qualitativ hochwertige Grundversorgung sicher. Das Personal im Service Public hat sich mit Ausdauer engagiert und höchste Flexibilität gezeigt in Bezug auf sich laufend verändernde Bedingungen. transfair setzt sich dafür ein, dass dies anerkannt wird und generelle Lohnerhöhungen zur Norm werden.

Die Schweizer Bevölkerung weiss, dass sie sich auf den Grundpfeiler des Service Public verlassen kann. Die aktuelle Gesundheitskrise zeigt, wie wertvoll ein flächendeckender Zugang zu den Grundversorgungsleistungen ist. Das ausserordentliche Engagement des Personals in den Branchen von transfair verdient Anerkennung. Für die Arbeitnehmenden der Branchen öffentlicher Verkehr, öffentliche Verwaltung, Post/Logistik und Communication fordert transfair eine Wertschätzung auf politischer Ebene, die der systemischen Bedeutung des Service Public gerecht wird.

Arbeit war in den Branchen von transfair überwiegend zu Genüge vorhanden und die Arbeitsplätze konnten erhalten werden. Die positiven wirtschaftlichen Entwicklungen in der Schweiz im Jahr 2021 spiegeln sich zum Teil in den erzielten Lohnerhöhungen wider. Eine endgültige Analyse der Resultate ist aber schwierig, weil gewisse Verhandlungen noch nicht abgeschlossen sind. Es konnten generelle Lohnerhöhungen erzielt werden und transfair hofft, dass diese Resultate für die noch laufenden Verhandlungen richtungsweisend sind.

Der Personalverband wehrt sich entschieden gegen die Sparprogramme innerhalb seiner Branchen – umso mehr unter Anbetracht der aussergewöhnlichen Leistungen des Personals im Service Public. Bei Swisscom laufen Umstrukturierungen und Auslagerungen weiter. Und das Parlament stellt regelmässig das Bundespersonalbudget in Frage. Nein, die Sicherstellung der Grundversorgung ist keine Selbstverständlichkeit. Es braucht ausreichende finanzielle Ressourcen für das Personal.

Öffentlicher Verkehr: die Zukunft benötigt auch generelle Lohnmassnahmen

Seit Beginn der Pandemie werden die Unternehmen im öffentlichen Verkehr (öV) trotz Gesundheitsrisiken ihrem Transportauftrag gerecht. Das öV-Personal hat erneut seine Zuverlässigkeit bewiesen und dazu beigetragen, ein stabiles Angebot sicherzustellen. Wie 2020 hat das Parlament im Rahmen des dringlichen Gesetzes über die Unterstützung des öV ein Massnahmenpaket zur Unterstützung des öV für 2021 verabschiedet. Der Bedarf wird auf 240 Millionen Franken geschätzt. Für transfair sind Finanzhilfen solange notwendig, bis die Nachfrage wieder das Vorkrisenniveau von 2019 erreicht.

Bei SBB und SBB Cargo haben die Sozialpartner im Rahmen der GAV-Verhandlungen 2018 Lohnmassnahmen bis 2022 vereinbart. 0,8 Prozent der Lohnsumme werden für individuelle Lohnmassnahmen eingesetzt. Zusätzlich werden 0,4 Prozent für besonders gute Leistungen verteilt und 0,15 Prozent sind für Löhne in den untersten zwei Dritteln des Lohnbands bestimmt. Für das Personal von SBB und SBB Cargo findet die Lohnentwicklung im Jahr 2022 letztmals nach dem aktuellen Lohnsystem statt. Basis für die Lohnentwicklungen ab 2023 werden erneut jährliche Lohnverhandlungen sein und es tritt ein neues Lohnsystem in Kraft. Auch dieses neue System wird ausreichende finanzielle Mittel benötigen, damit es von den Mitarbeitenden als attraktiv empfunden wird. Zudem wird die Teuerung jeweils ein Schlüsselfaktor der Verhandlungen sein.

In den anderen öV-Unternehmen bleibt der Trend zu individuellen Lohnerhöhungen bestehen. Bei BLS werden 0,9 Prozent der Lohnsumme für individuelle Massnahmen verwendet. Die Matterhorn Gotthard Bahn (MGB) wird 0,6 Prozent der Lohnsumme für die gleichen Massnahmen bereitstellen.

Öffentliche Verwaltung: eine mehr als gerechtfertigte generelle Lohnerhöhung

Im letzten Jahr hatte transfair auf generelle Lohnforderungen für das Bundespersonal verzichtet. In diesem Jahr hat der Personalverband den Ausgleich der Teuerung gefordert und auch erhalten, was einer generellen Lohnerhöhung von 0,5 Prozent entspricht. Für transfair war zentral, dass die Kaufkraft der Mitarbeitenden der Bundesverwaltung erhalten bleibt. Sollte die Teuerung 2021 mehr als 0,5 Prozent betragen, wird transfair diesen Punkt in den nächsten Lohnverhandlungen einbringen.

Das Personal der Bundesverwaltung hat entscheidend dazu beigetragen, die Auswirkungen der Pandemie auf die Schweizer Gesellschaft einzudämmen. So sorgten die Mitarbeitenden des Staatssekretariats für Wirtschaft SECO dafür, dass die Kurzarbeitsentschädigung für die Unternehmen gewährt wurde und das Personal des Bundesamts für Gesundheit (BAG) stellte Information und Schutz der Bevölkerung sicher. Das Bundespersonal hat bewiesen, wie schnell es neue Formen der Arbeit und Zusammenarbeit umsetzen kann.

Auch im Bereich der ETH erhält das Personal eine generelle Lohnerhöhung von 0,5 Prozent. Dies ist eine wichtige finanzielle Anerkennung für die erbrachten Leistungen.

Communication: der Wirtschaftserfolg muss sich in den Löhnen widerspiegeln

Die Lohngespräche mit Swisscom haben im November 2021 begonnen. Swisscom weist für die drei ersten Quartale 2021 einen Nettoumsatz von über 8 Milliarden Franken aus und rechnet für das Gesamtjahr mit einem Nettoumsatz von mehr als 11 Milliarden Franken. Für transfair ist klar: Der wirtschaftliche Erfolg muss sich auch in den Löhnen widerspiegeln. Der Personalverband fordert eine Erhöhung der Lohnsumme um 1,5 Prozent. Dies mit einem generellen und einem individuellen Anteil. Die Verteilung der individuellen Massnahmen muss transparent und an objektive Kriterien geknüpft sein. Die Verhandlungen mit cablex und localsearch haben noch nicht stattgefunden.

Trotz Coronakrise bestätigt Swisscom die positiven finanziellen Prognosen für 2021. Das Unternehmen kann auf zuverlässige Mitarbeitende zählen, die mit ihrer Arbeit eine qualitativ hochwertige Netzinfrastruktur aufrechterhalten haben und im direkten Kundenkontakt Gesundheitsrisiken auf sich nahmen. Das Swisscom-Personal im Homeoffice blieb von zunehmendem Druck nicht verschont: Umstrukturierungen und Auslagerungen wurden auch 2021 weitergeführt.

Post/Logistik: das Personal essenziell für die Stabilität der Post

Auch 2021 konnte die Qualität der Postdienstleistungen in der ganzen Schweiz gewährleistet werden. Die Mitarbeitenden der Branche haben wesentlich dazu beigetragen und ihr Einsatz soll finanziell honoriert werden.

Die Lohnverhandlungen mit der Post beginnen noch diese Woche. transfair fordert eine Erhöhung der Lohnsumme um 1,5 Prozent. Der Personalverband verlangt einen generellen Teuerungsausgleich und individuelle Lohnmassnahmen, die gemäss der geltenden Lohnmatrix verteilt werden. Damit wird der Lohnaufstieg der Angestellten im unteren Bereich der Lohnbänder beschleunigt und Lohngefälle können beseitigt werden. Ausserdem fordert der Personalverband, dass der Zinssatz für Sparkapitalien der aktiven Versicherten in der Pensionskasse Post mindestens 3 Prozent beträgt.

Das Personal der Post ist mit steigenden Anforderungen an die Produktivität konfrontiert. Diese gilt sowohl in den Büros als auch an der Front. Die Post geht davon aus, dass die Mitarbeitenden der Paketzentren und der Paketzustellung im Jahr 2021 mehr als 200 Millionen Pakete verarbeitet und zugestellt haben. Die Arbeitslast war so hoch, dass auch die Angestellten von PostMail zur Unterstützung herbeigezogen wurden. Das Logistikpersonal hat Ausserordentliches geleistet und ist auch heute noch gesundheitlichen Risiken ausgesetzt. Dies gilt es zu honorieren.

Fazit

In den letzten Jahren hat das Personal im Service Public eine enorme Arbeitsleistung erbracht, oft unter erschwerten Bedingungen. Ob Zugpersonal, Schalterpersonal bei der Post, Grenzwach- und Zollpersonal, Mitarbeitende vom SECO und vom BAG, Shopangestellte, das Personal von cablex oder Ingenieurinnen und Ingenieure bei Swisscom: die Mitarbeitenden in den Branchen von transfair waren gefordert wie selten zuvor. Echte Anerkennung lässt sich nicht nur mit finanziellen Mitteln zum Ausdruck bringen, aber der Lohn ist ein wichtiger Faktor und hat mehr als nur eine wirtschaftliche Bedeutung. Das spiegelt sich in den Lohnresultaten noch nicht ausreichend wider und muss sich ändern.

> tabellarische Übersicht der Lohnresultate für 2022
Einsatzbereiche
Service Public, Politik