Die Lohngleichheit als oberstes Ziel

Die Lohngleichheit als oberstes Ziel © transfair | Gaby Möhl
30.06.2021

Die Lohngleichheit ist seit 40 Jahren in der Bundesverfassung verankert. Die Realität sieht jedoch anders aus und Lohndiskriminierung gehört zum Alltag. Als Massnahme sind Unternehmen mit mehr als 100 Angestellten seit dem 1. Juli 2020 gesetzlich verpflichtet, eine Lohngleichheitsanalyse durchzuführen. transfair schaut genau hin.

Lohngleichheit, ein langwieriger Weg

Vor fünfzig Jahren erhielten die Frauen in der Schweiz das Stimmrecht. Ein Meilenstein im fortwährenden Kampf für Lohngleichheit, der jedoch noch lange nicht zu Ende ist: 1976 wiesen Unternehmen in ihrer Gehaltstabelle die Kategorie «Frauen» separat aus. Das stimmt nachdenklich und machte die Lohndiskriminierung spürbar. Auf gesetzlicher Ebene kam 1981, zumindest auf Papier, ein positives Signal, um die Lohngleichheit zu fördern. Die Schweizer Bevölkerung stimmte für die Einführung eines wichtigen Artikels in der Verfassung: Artikel 8, Absatz 3, wonach «gleicher Lohn für gleiche Arbeit» gilt. Da es keine nennenswerten Fortschritte gab, gingen die Frauen auf die Strasse und traten am 14. Juni 1991 in den Streik. 1996 trat das Gesetz zur Gleichstellung von Frau und Mann (GlG) in Kraft. Obwohl viel passiert ist, ist die Bilanz unbefriedigend: 2018 beträgt das Lohngefälle immer noch 19 Prozent. Davon lassen sich 45 Prozent nicht objektiv erklären und sind somit diskriminierend. Auch der Frauenstreik am 14. Juni 2019 verdeutlicht, dass die (Lohn-)Diskriminierung weiterhin besteht.

Revision des GlG und obligatorische Analyse

Das Parlament hat beschlossen, einen weiteren Schritt Richtung Lohngleichheit zu machen, und hat das GlG revidiert. Das überarbeitete Gesetz ist am 1. Juli 2020 in Kraft getreten. Seit diesem Datum müssen Schweizer Unternehmen mit mehr als 100 Angestellten:
  1. eine Lohngleichheitsanalyse durchführen (Frist: Ende Juni 2021)
  2. diese Analyse von einer unabhängigen Stelle prüfen lassen (Frist: Ende Juni 2022)
  3. Mitarbeitende und Aktionäre über das Ergebnis der Analyse informieren (Frist: Ende Juni 2023)
Diese Verpflichtung ist zwar im Gesetz verankert, aber das Parlament hat keinerlei Kontrolle vorgesehen. Für transfair und die Personalverbände von Travail.Suisse ist dies unzureichend.

Mit RESPECT8-3.ch gegen Lohndiskriminierung

Aus diesem Grund haben transfair, Travail.Suisse und die weiteren angeschlossenen Personalverbände die Plattform RESPECT8-3.ch lanciert. Die Zahlen 8 und 3 erinnern an den Artikel der Bundesverfassung, der Lohngleichheit vorschreibt. Die Plattform fördert die Lohngleichheit und stellt vorbildliche Unternehmen in den Vordergrund. Seit dem 1. Juli 2020 können sich Unternehmen mit mehr als 50 Angestellten, die im Bereich Lohngleichheit Vorreiter sind, auf RESPECT8-3.ch in einer weissen Liste eintragen. Diese Unternehmen fungieren als Vorbilder und zeigen, dass sie sich an die neuen Regeln halten und somit ihren Beitrag zu einer Arbeitswelt mit weniger Lohndiskriminierung leisten.

Die Sozialpartner von transfair auf der weissen Liste

transfair ist stolz, dass seine Sozialpartner mit gutem Beispiel vorangehen, die Lohngleichheit ernst nehmen und sie regelmässig analysieren. Ein grosser Teil der Sozialpartner nimmt bereits am Projekt RESPECT8-3.ch teil und steht dort auf der weissen Liste. So zum Beispiel die Post, die SBB und SBB Cargo, Swisscom und die Bundesverwaltung. Durch die Aufnahme in diese Liste gewinnen die Unternehmen nicht nur an Attraktivität. Sie zeigen auch, dass ihnen Lohngleichheit und fortschrittliche Arbeitsbedingungen wichtig sind. transfair fordert alle Sozialpartner dazu auf, sich auf der Lohngleichheitsplattform zu registrieren, um so zu zeigen, dass jedes Unternehmen konkret etwas für die Lohngleichheit tun kann.

Der Weg ist noch lang

transfair ist sich bewusst, dass der Weg bis zur Beseitigung der Lohndiskriminierung noch lang ist. Vor allem in der Privatwirtschaft kann der Lohnunterschied mehr als 1000 CHF pro Monat betragen. In all seinen Tätigkeitsbereichen setzt sich der Personalverband täglich für Gleichbehandlung und gegen jede Form von Diskriminierung aufgrund des Geschlechts ein.
 
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Einsatzbereiche
Vereinbarkeit Beruf und Familie, Service Public, Politik