Das Umfeld ist günstig für generelle Lohnforderungen

Das Umfeld ist günstig für generelle Lohnforderungen © transfair
18.12.2018

Die Wirtschaftslage war 2018 insgesamt positiv. Mit Überzeugung hat transfair erneut mehrheitlich generelle Lohnforderungen für 2019 gestellt. Angesichts ihrer Leistungen und vor dem Hintergrund eines immer vielseitigeren und anspruchsvolleren Arbeitsumfelds haben die Mitarbeitenden des öffentlichen Dienstes Wertschätzung verdient. Die bis heute feststehenden Lohnergebnisse spiegeln jedoch noch nicht die generellen Lohnerhöhungen wider, die sich der Personalverband wünscht.

Die Ergebnisse der Lohngespräche reflektieren die Vielfalt der Branchen, in denen sich transfair, der Personalverband des Service Public, bewegt. Einige Ergebnisse sind positiv zu werten, während andere den Erwartungen der Mitarbeitenden nicht gerecht werden.

Zum jetzigen Zeitpunkt ist es schwierig, die Ergebnisse im öffentlichen Bereich realistisch zu beurteilen, denn ein Grossteil der Verhandlungen hat noch nicht stattgefunden oder ist noch nicht abgeschlossen. Dies ist in zwei der vier Branchen von transfair der Fall. Man kann sagen, dass das Phänomen der Digitalisierung die Arbeitswelt weiterhin grundlegend verändert. Unsere Sozialpartner müssen ihre soziale Verantwortung wahrnehmen und die Beschäftigungsfähigkeit ihrer Angestellten sicherstellen. Die Senkung der Umwandlungssätze ist eine ständige Herausforderung für die berufliche Vorsorge, und transfair versucht zusammen mit den öffentlichen Arbeitgebern zufriedenstellende Lösungen zur Finanzierung der Pensionskassen zu finden, die durch die Senkung der Umwandlungssätze in Schwierigkeiten gerät.

Die Ziele der Kostensenkung haben zu gefährlichen Sparprogrammen bei den bundesnahen Unternehmen geführt. Wie zum Beispiel das Projekt «Best Way» bei der BLS oder «Victoria 2017-2020» bei PostFinance. Umstrukturierungen, Outsourcing, veränderte Arbeitsmethoden. Für transfair ist es an der Zeit, dass die Arbeit der Mitarbeitenden im Service Public gewürdigt wird und dass sie mit Lohnerhöhungen im Hinblick auf die kommenden Herausforderungen gefördert werden.

Dieses Jahr stehen die wirtschaftlichen Anzeichen gut, die Löhne sollten sich dementsprechend entwickeln. Für 2018 wird mit einer Teuerung von 1 Prozent und mit einem BIP-Wachstum von 2.9 Prozent gerechnet. Ausserdem steigen die Krankenkassenprämien weiterhin an und verzeichnen für dieses Jahr einen durchschnittlichen Anstieg von 1.2 Prozent. Dieser Wert belastet das Budget der Familien erheblich. Davon ausgehend, dass die Auswirkung der Prämienentwicklung auf das Wachstum des verfügbaren Einkommens – von 0.3 Prozent – in der Teuerung nicht einkalkuliert ist, fordert transfair seine Sozialpartner auf, diesen Punkt bei den Lohngesprächen zu berücksichtigen.
 
Communication: die Mitarbeitenden haben einen Ausgleich verdient
Bei Swisscom starten die Lohngespräche in den kommenden Tagen. transfair fordert eine Erhöhung der Lohnsumme um 2.2 Prozent, eine generelle Lohnsteigerung im Hinblick auf die Teuerung sowie eine Anpassung oder Erhöhung der Lohnbänder. Des Weiteren fordert der Personalverband, die Auswirkungen von « My contribution » auf die Löhne zu überdenken.

Für die ersten drei Quartale verzeichnet das Unternehmen einen Nettoumsatz von mehr als 8 Mia. CHF und einen Nettogewinn von über 1.2 Mio. CHF. Ein ausgezeichnetes Resultat, das auch den guten Leistungen des Personals zu verdanken ist, welches sich den kontinuierlichen Veränderungen bei Swisscom anpasst. Das Personal soll in diesem Jahr von generellen Lohnerhöhungen profitieren können.
 
Swisscom will wettbewerbsfähig bleiben. Das Unternehmen lagert gewisse Bereiche aus, zum Beispiel im Netzbau. In diesem konkreten Fall hat transfair ein transparentes Verfahren gefordert für den Übertritt der Mitarbeitenden, die von den Auswirkungen dieser Strategie tangiert sind. Tausende von Mitarbeitenden sind im Lauf der Jahre von Umstrukturierungen betroffen, die auch zur Produktivitätssteigerung beitragen. Es ist daher durchaus legitim, dass das Personal ebenfalls davon profitiert. Überdies soll ein weiterer Kaufkraftschwund für die Arbeitnehmenden verhindert werden, es braucht erneut mehr generelle Lohnmassnahmen.
 
Post/Logistik: die Lohnverhandlungen laufen
Die Angestellten der Post arbeiten derzeit unter einem wachsenden Druck, der unter anderem auf Reorganisationen und Volumenwachstum zurückzuführen ist. Es sind zahlreiche krankheitsbedingte Absenzen zu verzeichnen, und die entsprechende Arbeit muss vom anwesenden Personal erledigt werden, was den Druck weiter erhöht.

Die aktuell geltenden GAV Post (Post CH AG, PostFinance AG und PostAuto AG) sehen vor, die Lohnmassnahmen im April umzusetzen und jedes Jahr mindestens 0,4 Prozent der gesamten Lohnsumme zur Verfügung zu stellen. Dies unabhängig von der jährlichen Teuerung. Die Lohnverhandlungen haben im Dezember begonnen. Angesichts der guten Resultate, die die Schweizerische Post auch dieses Jahr wieder ausweisen wird, und in Anbetracht der hervorragenden wirtschaftlichen Rahmenbedingungen fordert transfair den vollen Teuerungsausgleich.

Der Personalverband will auch, dass die guten Leistungen des Personals mit einer Reallohnerhöhung belohnt werden. Für transfair ist die Frage des Ertrags aus dem Sparkapital der Pensionskasse Post ebenfalls ein wichtiger Indikator. Wenn der Zinssatz zu niedrig ist, müssen die Löhne zum Ausgleich ansteigen, damit das gewünschte Leistungsziel erreicht werden kann. transfair wünscht ausserdem, dass die 2018 eingeführte Lohnmatrix und die darin vorgesehene Aufteilung der Lohnerhöhungen in einen obligatorischen und einen individuellen Teil bestätigt und sogar weiterentwickelt wird.

Die GAV der Postunternehmen sowie der Sozialplan werden derzeit neu verhandelt. transfair setzt sich mit Zuversicht an den Verhandlungstisch, um faire Arbeitsbedingungen für das Personal zu gewährleisten. Das Personal muss in der Lage sein, den durch die Digitalisierung ausgelösten Veränderungen zu begegnen (Stichwort Weiterbildung) und der Vereinbarkeit von Berufs- und Familienleben gelassen entgegenzusehen (z.B. Mutterschafts- und Vaterschaftsurlaub). Der Personalverband wird sich mit Beharrlichkeit dafür einsetzen, dass die neu verhandelten Texte Verbesserungen für das Personal enthalten. Die steigenden Krankenkassenprämien sollen in den Verhandlungen automatisch berücksichtigt werden.

Öffentlicher Verkehr: transfair fordert mehrheitlich generelle Lohnerhöhungen
Die ab 2016 im Rahmen des Stabilisierungspakets der Pensionskasse SBB vorgesehenen Massnahmen gelten auch für 2019. Weil die Jahresteuerung 2018 1.2 Prozent nicht übersteigt, wird auf Lohnverhandlungen verzichtet. Bis 2022 werden 0.8 Prozent der Lohnsumme für individuelle Lohnmassnahmen eingesetzt. Für junge Mitarbeitende im Lohnaufstieg kommen zu diesen 0.8 Prozent zusätzliche 0.15 Prozent hinzu. Per 1. März 2019 gibt es erneut Anpassungen in der Pensionskasse SBB. Die Sozialpartner haben sich auf eine paritätische Einlage von 1.5 Prozent und auf eine Stärkung der individuellen Sparkapitalien der Mitarbeiter geeinigt, um die Senkung des Umwandlungssatzes zu kompensieren.

Bei den regionalen Transportunternehmen sind die bisher von transfair erzielten Lohnmassnahmen weiterhin mehrheitlich individuell. Während Securitrans eine individuelle Erhöhung von 0.5 Prozent gewährt, sind es bei SBB Cargo International 0.9 Prozent. Bei Login erhalten die Mitarbeitenden individuell 0.8 Prozent. Das aktuelle Wachstum und die Teuerung rechtfertigen jedoch generelle Massnahmen.

transfair freut sich über das sehr positive Resultat bei der Matterhorn Gotthard Bahn, die ihren Mitarbeitenden mit dem Teuerungsausgleich von 1 Prozent eine generelle Lohnmassnahme garantiert. Überdies gewährt das Unternehmen seinem Personal eine individuelle Lohnerhöhung von 0.8 Prozent. Die Teuerung von 1 Prozent wird durch die Erhöhung der Lohnbänder um 1.5 Prozent ausgeglichen. Zum Ausgleich der getroffenen Massnahmen stellt der Arbeitgeber ausserdem einen Betrag von mindestens 1 Mio. CHF in den Stabilitätsfonds der Pensionskasse ein. Bei TPG freut sich transfair darüber, dass neben dem kantonalen Teuerungsausgleich die Erhöhung der Krankenkassenprämien, ein brennendes Thema, mit einem monatlichen Betrag von 90 CHF zu Gunsten der Mitarbeitenden berücksichtigt wird. Ein vorbildliches Beispiel.

Öffentliche Verwaltung: der Bund muss noch entscheiden
Obwohl der Teuerungsausgleich im Bundespersonalgesetz geregelt ist, hat der Bund in der letzten Verhandlungsrunde im November 2018 keine Bereitschaft gezeigt, die Teuerung von 1 Prozent auszugleichen. Der Personalverband hatte eine generelle Lohnerhöhung von 1.5 Prozent gefordert. Der Bund hat für 2017 einen ausgezeichneten Rechnungsabschluss mit einem Überschuss von 2.8 Milliarden Franken präsentiert. Diese Forderung ist daher mehr denn je gerechtfertigt.

Der Bundesrat hatte den Teuerungsausgleich jedoch nur mit 0,6 Prozent budgetiert. Weitere 0,2 Prozent müssen durch die Personalkredite der Departemente finanziert werden. Für transfair ist dies bei weitem ungenügend. Aus diesem Grund haben die Sozialpartner sich auf eine neue Verhandlungsrunde im Februar 2019 geeinigt. transfair hofft, dass eine Verbesserung der Lohnmassnahmen dann möglich sein wird – unter Berücksichtigung der realen Teuerung und der abgeschlossenen Bundesrechnung 2018.

Die von der Pensionskasse PUBLICA genehmigte Senkung der technischen Parameter per 1. Januar 2019 kann für die Bundesangestellten einen Rentenverlust von bis zu 5 Prozent bedeuten. Da sich die Arbeitgeberin weitgehend aus der Beteiligung zurückgezogen hat, ist für transfair klar, dass der Bund seinen Mitarbeitenden anhand von Lohnmassnahmen ein starkes positives Signal geben muss. Im Vergleich zur Privatwirtschaft hinkt die Lohnentwicklung ausserdem hinterher. Seit Jahren liegen die generellen Lohnmassnahmen unter denjenigen der Privatwirtschaft. Es ist höchste Zeit, dass die Löhne effektiv steigen. Die Hochrechnungen für 2018 sehen einen Überschuss von 2,5 Milliarden Franken vor. Mit einem veranschlagten Überschuss von 1,3 Milliarden Franken ist das Budget 2019 ebenfalls positiv
 
Im ETH-Bereich kommen die Forderungen für 2019 denjenigen des Bundes nah. Der ETH-Rat hat eine generelle Erhöhung von 0.8 Prozent garantiert. Im Frühjar 2019 findet eine letzte Verhandlungsrunde statt. transfair wird sich für einen vollen Teuerungsausgleich einsetzen.