Mit Weiterbildung im Beruf auf Kurs

Mit Weiterbildung im Beruf auf Kurs ©tencierro (Adobe Stock)
06.10.2021

Die Arbeitswelt wandelt sich rasant. Arbeitnehmende, die ein Leben lang im angestammten Beruf bleiben, gibt es kaum noch. Klassische Berufsfelder werden abgelöst, während im Technologie- und IT-Sektor qualifiziertes Personal fehlt. Angesichts dessen ist es zentral, die eigene berufliche Lage zu überprüfen und die Laufbahn aktiv zu lenken.

Um im Beruf am Ball zu bleiben, braucht es die Möglichkeit zur stetigen Weiterbildung. Doch die Studie «Weiterbilden, aber gezielt» von Avenir Suisse zeigt auf, dass der sich rasant verändernde Arbeitsmarkt insbesondere für ältere Arbeitskräfte und für solche mit niedrigem Bildungsniveau eine grosse Herausforderung ist. Oft sind sie es, die kaum Gebrauch machen von weiterführenden Bildungsangeboten, was den Graben zwischen Hoch- und Niedrigqualifizierten verschärft.

Kostenlose berufliche Standortbestimmung

Es gibt jedoch positive Entwicklungen, die beweisen, dass sowohl Politik wie auch Arbeitgebende erkannt haben, wie wichtig Gegensteuer hier ist. Seit Januar 2021 läuft in elf Kantonen das Pilotprojekt «viamia», dank dem über 40-jährige Arbeitnehmende von einer kostenlosen beruflichen Standortbestimmung und weiteren Massnahmen profitieren können.
 
Arbeitgebende haben eine gesetzliche Fürsorgepflicht gegenüber ihren Angestellten und sind verantwortlich dafür, insbesondere ihre niedrig qualifizierten Mitarbeitenden auf solche Projekte hinzuweisen oder eigene Angebote zu kreieren. transfair fordert, dass Weiterbildungsmassnahmen von Mitarbeitenden mit entsprechendem Bedarf zeitlich und finanziell unterstützt werden. Arbeitsmarktliche Veränderungen vorausschauend einzukalkulieren, ist keine einfache Aufgabe. Doch gezielte Förderungsmassnahmen schaffen die Voraussetzungen, von der Arbeitnehmende und Unternehmen gleichermassen profitieren.

Standortbestimmungen machen «employable»

Damit das Personal arbeitsmarktfähig bleibt, ist eine Standortbestimmung in regelmässigen Abständen unabdingbar. Hier lautet das Schlagwort «Employability» – die Fähigkeit, auf dem Arbeitsmarkt zu bestehen und im Arbeitsleben einsetzbar zu bleiben. Employability ist besonders relevant für Mitarbeitende ab 45 Jahren, denn diese erfahren auf dem Arbeitsmarkt oft Diskriminierung. Dies, weil ihre Pensionskassenbeiträge hoch sind und ihnen fälschlicherweise ein Mangel an Kompetenzen und Flexibilität nachgesagt wird.

Die Situation in den Branchen

Arbeitskräfte mit einer Ausbildung in früheren Berufsmonopolen, wie das Bahnpersonal bei der SBB oder Mitarbeitende in der Zustellung der Post, sehen sich mit einer erschwerten beruflichen Entwicklung konfrontiert. Und mit der Digitalisierung wird auch in der Bundesverwaltung die Weiterentwicklung der Mitarbeitenden immer wichtiger. transfair verlangt, dass der Bund die zukünftigen Anforderungsniveaus an die Mitarbeitenden antizipiert und die Mitarbeitenden entsprechend geschult werden. Andere Problemstellungen gibt es in stark technologielastigen Tätigkeitsfeldern wie etwa dem IT-Bereich von Swisscom oder der Post. Hier braucht es laufend neues Personal mit hochspezifischen Fachkenntnissen – das in der Schweiz oft nicht in genügendem Masse verfügbar ist.
 
transfair freut sich, dass alle Sozialpartner die berufliche Entwicklung ihrer Angestellten ernst nehmen. Bei Swisscom stehen den Mitarbeitenden pro Jahr fünf Tage Weiterbildung zu. Die SBB wiederum bietet mit «Boxenstopp» die Möglichkeit zu einer persönlichen und beruflichen Auslegeordnung und sichert zu, die Arbeitsmarktfähigkeit der Angestellten zu fördern (E 106–108 GAV). Auch die Post fördert Weiterbildung, bietet berufliche Standortbestimmungen beim Laufbahnzentrum der Post an und stellt berufliche Entwicklung mit der Initiative «Fit im Beruf» ins Zentrum.  Die öffentliche Verwaltung trägt ebenfalls die Kosten für die bedarfsorientierte Aus- und Weiterbildung und stellt die dafür erforderliche Zeit zur Verfügung.

Das fordert transfair

Leider kommt es immer noch vor, dass Mitarbeitende ihre Stelle verlieren, obwohl im gleichen Unternehmen neue Positionen geschaffen werden – schlicht und einfach, weil dafür die spezifische Qualifikation fehlt. Darum fordert transfair von allen Sozialpartnern vorausschauende Weiterbildungs- und Umschulungsmassnahmen. Die berufliche Entwicklung soll dem Individuum gerecht werden und bedingt eine Auseinandersetzung mit den persönlichen Stärken und Schwächen. transfair macht sich stark dafür, dass in all seinen Branchen kostenlose Standortbestimmungen und spezifische Entwicklungsmöglichkeiten angeboten werden.

Schmied des eigenen Glücks

Natürlich tragen auch die Mitarbeitenden eine Verantwortung dafür, sich zu entwickeln und weiterzubilden. Doch ihre Vorgesetzten sollen ebenfalls ihren Teil beitragen, Mitarbeitende über weiterführende Angebote informieren und frühzeitige Massnahmen einleiten, wenn sich Veränderungen und Reorganisationsprojekte abzeichnen. Nur so werden Arbeitgebende ihrer Fürsorgepflicht gerecht und schaffen eine Win-win-Situation für alle.