Transformation von SBB Cargo

Transformation von SBB Cargo © SBB CFF FFS
19.08.2019

transfair verfolgt die laufenden Veränderungen mit gemischten Gefühlen. SBB Cargo versucht, sich möglichst rasch betriebswirtschaftlich so aufzustellen, dass mindestens die Eigenwirtschaftlichkeit erreicht wird, hat daneben aber Verpflichtungen gegenüber Personal und Service Public.

Mit der Präsentation des Sanierungspfades Anfang 2018 kühlte die Sozialpartnerschaft ab, da eine veritable Verminderung des Geschäfts und eine Reduktion der Stellen auf nur mehr rund 1400 bis zum Jahr 2023 vorgesehen waren. Die Bedenken und Vorschläge von transfair fanden kaum Resonanz. Im Frühling 2019 wurde der Personalverband erneut von SBB Cargo «überfahren», als man die vorgezogene Netzüberprüfung bekannt gab. Diese soll bis Herbst 2019 abgeschlossen sein. Das sozialpartnerschaftliche Konsultationsverfahren, das im ursprünglichen Sanierungsplan vorgesehen war, fand bisher nicht statt. Nach zwei Aussprachen konnte transfair die vorgezogene Netzüberprüfung besser einordnen. Cargo bekennt sich ausdrücklich dazu, die sozialpartnerschaftlichen Prozesse zu respektieren.
 
Cargo hat aufgrund der Bedienpunktüberprüfung im Jura und im Berner Oberland positive Erfahrungen mit Kunden gemacht und nutzt diese Erkenntnisse für die Erarbeitung neuer Lösungen an den übrigen Bedienpunkten für Einzelwagenladungen. Ziel ist es, mit dem Fahrplanwechsel im Dezember 2019 die angepassten Kundenlösungen anbieten zu können. Gemäss Cargo werden mit diesem Vorgehen mehr Mitarbeitende benötigt, als in der ursprünglichen «Kahlschlagsvariante» vorgesehen waren. Für transfair ist somit das beschleunigte Vorgehen die bessere Entwicklung, obwohl leider trotzdem Stellen verloren gehen. Es gilt für alle Parteien und Partner, die Chancen und Risiken im Blick zu behalten.
 
Kurzfristige Perspektive
 
Die Einhaltung der sozialpartnerschaftlichen Abmachungen ist zentral. Rückmeldungen aus dem Bereich «Transport» zeigen teilweise Personalengpässe bei Lok- und Rangierpersonal. Laufende Stellenreduktionen im Verwaltungsbereich sind für transfair nicht nachvollziehbar, insbesondere da neue Prozesse und Systeme noch nicht gut funktionieren. Es besteht die Gefahr, dass die Mitarbeitenden eine Arbeitsverdichtung erfahren, unter zusätzlichem Stress leiden und Wissen wegbricht. Cargo ist dafür verantwortlich, dass Know-how und Sicherheit an allen Stellen erhalten bleiben. In diesem Zusammenhang begrüsst transfair den Pilotbetrieb eines Sicherheits- und Erfahrungstrainers in der Region Ost. Auch erste Automatisierungsschritte (Stichwort automatische Kupplung) müssen zuverlässig funktionieren, und das Rangierpersonal muss die Gelegenheit haben, ohne zeitlichen und inhaltlichen Druck die Neuerungen zu erlernen. Solche Veränderungen sind laufend in die Berufsbilder aufzunehmen. Sozialpartnerschaftlich muss reflektiert werden, welcher Wert den betreffenden Berufen zugeschrieben wird. Sämtliche Entwicklungen müssen in den arbeits(zeit)rechtlichen Rahmen passen.
 
Mittel- bis langfristige Perspektiven
 
SBB Cargo muss die Zufriedenstellung bestehender und das Gewinnen neuer Kunden fokussieren.  Wenn die Automatisierung weiter vorangeht (Ausweitung der automatischen Kupplung, Einführung der automatischen Bremsprobe und Einführung von Kameras und Sensoren auf den Triebfahrzeugen), sollte dies zu einem Wachstum führen. Da ab 2019 keine Subventionen des Bundes mehr an Cargo fliessen, ist es umso wichtiger, Förderbeiträge für Projekte zu erhalten, die dazu dienen, den Schienengüterverkehr zu stärken. Attraktive Berufsbilder beinhalten die Vereinbarkeit von Beruf und Familie, sprechen Frauen und Männer gleichermassen an und halten erfahrene Mitarbeitende länger bei SBB Cargo. So könnte nach jahrelanger Schrumpfung ein gestärkter Schienengüterverkehr mit erfreulichen Beschäftigungsaussichten vor uns liegen.