SBB-Lohnsystem weiterentwickelt

SBB-Lohnsystem weiterentwickelt © Gaby Möhl | transfair
06.07.2021

Die SBB und die Personalverbände hatten vereinbart, das Lohnsystem weiterzuentwickeln. Die Parteien haben sich auf eine neue Systematik und dazugehörige Eckwerte geeinigt. Das neue Lohnsystem wird per 1. Juni 2022 eingeführt und gilt für die GAV-Mitarbeitenden der SBB AG. Die ersten Lohnmassnahmen nach neuem System erfolgen im Mai 2023.

transfair ist mit dem Gesamtergebnis zufrieden. Es ist gelungen, ein Lohnsystem zu verhandeln, das den Erfahrungsanstieg sowie Leistung und Verhalten berücksichtigt. Beim Lokpersonal B der Division Personenverkehr (schneller Lohnanstieg) sowie bei den Führungs- und Fachkadern (Anhebung der Lohnbänder ab Anforderungsniveau I) werden dem Fachkräftemangel geschuldete Verbesserungen eingeführt. Alle Personalkategorien profitieren von ganz oder teilweise gesicherten Lohnanstiegen. Aufgrund der schwierigen finanziellen Lage der SBB wird ein von transfair geforderter schneller Lohnanstieg für alle Personalkategorien nicht umgesetzt. Jedoch wird die SBB den erhöhten Finanzierungsbedarf des Vorruhestandsmodells «Valida» tragen. Die grössten Veränderungen:

Lohnentwicklung

Der Lohnanstieg orientiert sich künftig an einer «Ideallinie» vom Basiswert zum Lohnmaximum (s. Grafik «Lohnentwicklung»). Die Löhne, auch bei Neuanstellungen, liegen innerhalb der roten Steuerungsfläche und entwickeln sich über die Jahre in Richtung der grünen Ideallinie. Der direkte Zusammenhang zwischen der Personalbeurteilung (Buchstaben A–E) und der Lohnentwicklung wird aufgehoben. Neu sind Mitarbeitendendialoge im Sinne von Entwicklungsgesprächen sowie ein jährliches Lohngespräch zwischen Führungskräften und Mitarbeitenden geplant. Die Lage des Lohnes in Bezug auf die Ideallinie wird den Mitarbeitenden transparent aufgezeigt.


Lohnsystematik, gesicherte Lohnerhöhungen

Die Führungskräfte erhalten für die Lohnentwicklung ein Teambudget. Es setzt sich aus allen individuellen Lohnvorschlägen (Budgetanteilen) zusammen. Die Budgetanteile berechnen sich nur aufgrund der Position der einzelnen Löhne im Lohnband sowie der Erfahrung. Individuelle Leistung und individuelles Verhalten werden hier noch nicht berücksichtigt. Die Höhe der Budgetanteile ist abhängig von der jährlich verhandelten Lohnerhöhungssumme. Je nach Anforderungsniveau (AN) sind diese Budgetanteile ganz oder teilweise für die Lohnerhöhungen gesichert: AN A–D zu 100 Prozent, AN E–H zu 65 Prozent und ab AN I zu 20 Prozent. «Gesichert» bedeutet, dass dieser Anteil grundsätzlich fix als Lohnmassnahme übernommen wird. Dieser darf nur bei begründet mangelnder Leistung oder Fehlverhalten unterschritten werden. Verbleibende Mittel des Teambudgets werden durch die Führungskräfte unter Berücksichtigung von individueller Leistung und individuellem Verhalten auf die Mitarbeitenden verteilt. Für besonders gute Leistungen können die Führungskräfte Mittel aus einem Sonderbudget beantragen.

Überführung der Löhne

Der aktuelle Lohn aller Mitarbeitenden wird unverändert in das neue System, passend auf die Ideallinie, überführt. Bestehende Lohngarantien werden weitergeführt.

Integration Lohnskala Lokführerinnen und Lokführer

Die noch separate Lohnskala des Lokpersonals wird in die Basislohnskala integriert, was das Lohnsystem vereinfacht. Ausserdem wird den Lokführerinnen und Lokführern der Kategorie B ein beschleunigter Lohnanstieg innert zehn Jahren ermöglicht. Damit trägt die SBB dem Arbeitsmarkt Rechnung und erhöht die Attraktivität für junge Menschen, in den anforderungsreichen Beruf einzusteigen.
 
transfair hat sich mit Walo Camenzind, Lokführer und Ausbilder, unter anderem über das neue Lohnsystem unterhalten. Das Interview gibt es hier zu lesen.


Grafik Lohnentwicklung © SBB CFF FFS (Kommentare und Ergänzungen von transfair)
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