Neues Lohnsystem für die SBB verhandelt

Neues Lohnsystem für die SBB verhandelt © Gaby Möhl | transfair
11.05.2021

In den GAV-Verhandlungen zum aktuellen GAV 2019 haben die SBB und die Personalverbände vereinbart, das Lohnsystem weiter zu entwickeln. Am 3. Mai 2021, nach einem halben Jahr und nach unzähligen Verhandlungsrunden, haben sich die Parteien auf die künftigen Eckwerte und die Systematik des neuen Lohnsystems geeinigt. Dieses ist anforderungs- und leistungsgerecht und schliesst die Arbeitserfahrung mit ein. Das neue Lohnsystem wird per 1. Juni 2022 eingeführt und gilt für die GAV-Mitarbeitenden der SBB AG. transfair ist mit dem Gesamtpaket zufrieden, obwohl wegen der finanziell schwierigen Situation der SBB nicht alles machbar war.

Eines vorneweg: transfair ist mit dem Gesamtpaket zufrieden. Es ist gelungen, ein Lohnsystem zu verhandeln, das den Erfahrungsanstieg sowie Leistung und Verhalten berücksichtigt. Beim Lokpersonal Personenverkehr sowie bei den Führungs- und Fachkadern werden marktgetriebene Verbesserungen eingeführt. Alle Personalkategorien profitieren grundsätzlich von gesicherten Lohnanstiegen und für «Valida» wird die Finanzierung durch die SBB massgeblich gesichert.

Verhandlungsresultate im Überblick

Lohnentwicklung

Der Lohnanstieg orientiert sich künftig an einer «Ideallinie» vom Basiswert zum Lohnmaximum. Der direkte Zusammenhang zwischen der Personalbeurteilung (Buchstaben A – E) und der Lohnentwicklung wird aufgehoben. Deshalb sind laufende Dialoge im Sinne von Entwicklungsgesprächen zwischen Führungskräften und Mitarbeitenden erforderlich.

Lohnsystematik, gesicherte Lohnerhöhungen

Neu liegt der Entscheid über die Lohnentwicklung stärker bei der Führungskraft, die dafür ein Teambudget erhält. Das Teambudget setzt sich aus individuellen Budgetanteilen zusammen. Die Budgetanteile berechnen sich nur aufgrund der Position der einzelnen Löhne im Lohnband sowie der Erfahrung, das heisst individuelle Leistung und Verhalten werden hier noch nicht berücksichtigt. Je nach Anforderungsniveau sind diese Budgetanteile ganz oder teilweise für die Lohnerhöhungen gesichert:
Anforderungsniveau Gesicherter Anteil
Anforderungsniveau A bis D 100 Prozent
Anforderungsniveau E bis H 65 Prozent
Ab Anforderungsniveau I 20 Prozent

«Gesichert» bedeutet, dass dieser Anteil grundsätzlich fix als Lohnmassnahme übernommen wird. Dieser darf nur bei mangelnder Leistung oder bei Fehlverhalten unterschritten werden, was von den Führungskräften begründet werden muss. Die verbleibenden Mittel des Teambudgets werden durch die Führungskraft unter Berücksichtigung von individueller Leistung und Verhalten auf die Mitarbeitenden verteilt.

Sonderbudget

Für besonders gute Leistungen von Mitarbeitenden können die Führungskräfte zusätzliche Mittel aus einem Sonderbudget beantragen. Die bisher bekannten ELA (einmalige Leistungsanteile für A und B) gibt es daher nicht mehr.

Jährliche Lohngespräche

Die Führungskräfte kommunizieren und erklären ihren Mitarbeitenden die definitiven Erhöhungen jeweils vor der Mai-Lohnrunde in einem individuellen Lohngespräch.

Lohntransparenz

Für die Mitarbeitenden wird sichtbar gemacht, wo sie mit ihrem Lohn in Bezug auf die «Ideallinie» stehen.

Integration Lohnskala Lokführerinnen und Lokführer

Die Lohnskala des Lokpersonals wird in die Basislohnskala integriert, was das Lohnsystem vereinfacht. Ausserdem wird den Lokführerinnen und Lokführer der Kategorie B ein beschleunigter Lohnaufstieg ermöglicht. Damit trägt die SBB den Gegebenheiten auf dem Arbeitsmarkt Rechnung.

Erhöhung der Lohnskalen ab Anforderungsniveau I

Um den Marktgegebenheiten besser Rechnung zu tragen, wird die Lohnskala ab Anforderungsniveau I leicht erhöht. Dies wird der SBB insbesondere die Rekrutierung für entsprechende Funktionen massgeblich erleichtern.

Überführung ins neue Lohnsystem

Der aktuelle Lohn jeder und jedes Mitarbeitenden wird unverändert in das neue System überführt. Bestehende Lohngarantien werden weitergeführt, sofern sie nicht aufgrund der Erhöhung der Lohnskalen in den Lohn integriert werden.

Keine Löhne mehr unter Basiswert

Neuanstellungen erfolgen künftig alle innerhalb des Lohnbandes.

Finanzielle Mittel für die Lohnentwicklung

Die gesamten Mittel (inklusive Sonderbudget) für die Lohnentwicklung werden wie bisher jährlich mit den Sozialpartnern verhandelt. Auch das neue Lohnsystem benötigt ausreichende Mittel, um grundsätzlich den Lohnaufstieg in 20 Jahren zu ermöglichen.

Vorruhestandsmodell «Valida»

Aufgrund des vorliegenden Verhandlungsabschlusses hat sich die SBB verpflichtet, zusätzliche Beitragszahlungen zur nachhaltigen finanziellen Stabilisierung des Modells einzuzahlen. Valida kommt besonders belasteten Berufen in den unteren Anforderungsniveaus zugute.

Bis zur Einführung im Juni 2022 informieren die SBB und die Sozialpartner schrittweise über die Details zum neuen Lohnsystem. Die ersten Lohnmassnahmen nach dem neuen Prozess erfolgen im Mai 2023. Mitglieder von transfair können ihre Fragen gerne an Bruno Zeller Werner Rüegg oder Bruno Schäppi richten.
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