Gütertransporte gezielt verlagern

Gütertransporte gezielt verlagern © SBB CFF FFS
06.10.2021

Für Güter die Bahn! Angesichts der weiteren Zunahme des Gütervolumens ist es für transfair ein Muss, den Modalsplit – also die Zunahme der transportierten Güter mit der Bahn gegenüber dem Strassentransport – auch beim Güterverkehr zugunsten des nachhaltigen, klimaschonenden Transports auf der Schiene zu fördern. Im Transitverkehr, also dem alpenquerenden Verkehr durch die Schweiz, ist die Verlagerung sichtbar, im schweizerischen Binnenverkehr, Export und Import stagniert oder verliert jedoch die Schiene gegenüber der Strasse.

Der Schienengüterverkehr in der Schweiz und durch die Schweiz wird seit Jahrzehnten durch die SBB beziehungsweise seit 20 Jahren durch die damals offiziell gegründete SBB Cargo AG geprägt. Rückblickend verlief die Entwicklung der Unternehmung in einem stetigen Auf und Ab. Mit der Gründung von SBB Cargo International AG 2011 wurde der alpenquerende Güterverkehr separiert, mit recht positiven Resultaten. Besonders für den Schienengüterverkehr in der Schweiz und damit eng verbunden mit SBB Cargo veränderten sich die Bedingungen in den letzten zehn Jahren am laufenden Band: politisch durch mehrere Vorstösse zur Zukunft des Schienengüterverkehrs und zu SBB Cargo.
 
Ein wesentlicher Moment war das Inkrafttreten des neuen Gütertransportgesetzes 2016, das nebst hilfreichen auch unvorteilhafte Vorgaben für die Güterbahnen bedeutete. Hilfreich die Einführung der «Gleichstellung» bei der Trassenvergabe (Zuteilung der Fahrwege) mit den Netznutzungsplänen sowie die Möglichkeit von Investitions- und Innovationsförderung. Wenig sinnvoll die verlangte Eigenwirtschaftlichkeit und das Auslaufen der Subventionierung des Binnenschienengüterverkehrs. Ein Verlagerungsziel hin zur Schiene, so wie beim alpenquerenden Güterverkehr, wurde leider nicht gefasst.

SBB Cargo unter Druck

Unter diesen Rahmenbedingungen ist nicht weiter erstaunlich, dass sich bei SBB Cargo ein Reorganisationsprogramm nach dem anderen jagte, um finanziell die schwarze Null zu erreichen. Gleichzeitig musste und muss das Unternehmen den Spagat zwischen der Aufrechterhaltung traditioneller Cargo-Produktion und der nur schrittweise voranschreitenden Modernisierung der Produktion aushalten.
 
transfair rechnet mit einer langjährigen Transformationsphase, die nur mit veränderten Rahmenbedingungen die gewünschte und mögliche Verlagerung in der Schweiz bringt. Aktuelle Diskussionen und sehr gute parlamentarische Vorstösse geben Anlass zur Hoffnung, dass der Wille zur Verlagerung und Stärkung des Schienengüterverkehrs Auftrieb erhält. So weiterzumachen wie bisher, ist für die Transformationsphase nicht zielführend und könnte SBB Cargo massiv schrumpfen lassen, besonders im Wagenladungsverkehr. Mit den negativen und den hinreichend bekannten Auswirkungen auf das Personal.

Lösungsbeiträge der Politik

An seiner Delegiertenversammlung im August 2021 hat transfair die Resolution «Für Güter die Bahn!» verabschiedet. Der Personalverband fordert die Politik dazu auf, die gesetzlichen Rahmenbedingungen zu korrigieren:
  • Erhöhung des Modalsplits zugunsten des Schienengüterverkehrs mit entsprechender Festlegung eines Verlagerungsziels
  • Verzicht auf die Eigenwirtschaftlichkeit
  • Möglichkeit von Betriebsbeiträgen für die Transformationsphaset
transfair reicht dazu zusammen mit seiner Co-Präsidentin und Nationalrätin, Greta Gysin, einen parlamentarischen Vorstoss ein.

Lösungsbeiträge der SBB

Die SBB als verantwortliche Muttergesellschaft und Mehrheitsaktionärin hat nach wie vor den gesetzlichen Auftrag, den Güterverkehr in der Schweiz anzubieten. Für transfair ist dies zentral und muss unbedingt beibehalten werden. Der Verwaltungsrat von SBB Cargo soll eine Strategie erarbeiten, die sich auf eine mehrjährige Transformation ausrichtet. Dies in Abhängigkeit der politischen Rahmenbedingungen. Die Strategie soll den technischen Wandel, den Erhalt des Fachwissens und die Perspektiven für die Mitarbeitenden abbilden, um den Stellenabbau endlich zu stoppen. Auch die in der Swiss Combi AG vereinten Transporteure im Verwaltungsrat müssen ihr Versprechen einlösen und sollen die Verlagerung stützen.

Lösungsbeiträge SBB Cargo und Sozialpartner

In guter Zusammenarbeit aller Sozialpartner können Arbeitsbedingungen zur beidseitigen Zufriedenheit entstehen. Gerade beim Einsatz und bei der Arbeitszeit sind operative Verbesserungen möglich, wenn auch bei den Mitarbeitenden für gesunden Ausgleich gesorgt wird. Aufzuführen ist ebenfalls die aktuelle Überarbeitung der Berufsbilder und Stellenbeschreibungen in der Cargo-Produktion, wo der Einbezug der Personalkommission wie auch der Personalverbände funktioniert.
Einsatzbereiche
SBB Cargo AG