Sperrtage – der Handlungsbedarf der Post ist riesig

Sperrtage – der Handlungsbedarf der Post ist riesig

transfair hat mit dem neuen GAV verhandeln können, dass Mitarbeitende mit Einsatzplan und einem Teilzeitpensum von weniger als 90 Prozent fixe Sperrtage definieren können. Seit 1. Januar 2021 sollten die Mitarbeitenden in den Genuss dieser Verbesserung der Vereinbarkeit von Beruf und Familie kommen. Aufgrund einzelner Rückmeldungen hat transfair eine grosse Online-Umfrage dazu gemacht. Die Resultate sind eindeutig: die Post muss aufholen und ihre Seite des GAV einhalten!

Von Mitte Dezember 2020 bis Ende Januar 2021 hat transfair mit einer Online-Umfrage die Mitglieder und Mitarbeitenden der Post zu den Sperrtagen befragt. Denn Mitarbeitende, die nach Einsatzplan und weniger als 90 Prozent arbeiten, können mit dem neuen GAV Artikel 2.11.1 seit 1. Januar 2021 fixe Sperrtage definieren. Text aus dem GAV «In gegenseitiger Abstimmung mit den Arbeitskolleginnen und -kollegen im Team und mit den Vorgesetzten haben die Mitarbeitenden das Recht, innerhalb der Woche fixe Sperrtage festzulegen, an denen sie nicht geplant werden dürfen, ausser sie wünschen dies in einer bestimmten Situation explizit».

transfair hat mit der Umfrage herausfinden wollen, wie die Umsetzung bis jetzt erfolgt ist, wo Nachbesserungen erforderlich sind und wie stark das Bedürfnis für fixe Sperrtage effektiv ist. Rund 400 Teilnehmende haben ihre Meinung kundgetan. Herzlichen Dank für die Teilnahme. Die breit abgestützten Antworten ermöglichen es transfair dort anzusetzen, wo Handlungsbedarf besteht.

Die zentralste Erkenntnis für transfair ist, dass ein klares Bedürfnis nach fixen Sperrtagen besteht. Bei der Umsetzung muss noch einiges nachgebessert werden. Denn der Umgang und die Anwendung der fixen Sperrtage ist noch nicht wirklich richtig etabliert. Die Detailauswertungen der einzelnen Bereiche bringt transfair in den entsprechenden Gremien ein.

Für die detaillierte Analyse klicken Sie auf die jeweiligen Fragen.


Zusammenfassend hält transfair fest, dass das Gros der Mitarbeitenden, die Sperrtage definieren konnten, sehr zufrieden mit ihrer Situation sind. Für alle anderen, also rund 65 Prozent der Befragten, muss in Zukunft klarer kommuniziert werden, dass es die Möglichkeit der Sperrtage gibt, wann sie ihr Bedürfnis anmelden müssen und wie dann das genaue Vorgehen im Team ist.
 
transfair fordert klare Transparenz und Kommunikation auf Teamebene wie mit den Sperrtagen umzugehen ist. Die Sperrtage müssen, wie im GAV definiert, im Team geregelt werden. Geschieht dies nicht, besteht die Gefahr von Bevorzugung, Missgunst und die Chance einer Lösungsfindung wird kleiner.



Die Akzeptanz und das Bedürfnis von Sperrtagen bei den Teilzeitmitarbeitenden sind sehr hoch. Sperrtage steigern die Vereinbarkeit von Beruf und Freizeit / Beruf und Familie oder die Möglichkeit einer weiteren Beschäftigung nachzukommen. Eine Planung der verschiedenen Bedürfnisse wird so erst ermöglicht. 

Für 75 Prozent der Befragten sind die Sperrtage ein klares Bedürfnis.

Knapp 2/3 der Kinder unter 13 Jahren wurden 2018 in der Schweiz familienergänzend betreut. 40 Prozent betreuen ihre Enkelkinder an mindestens einem Tag in der Woche und auch die Betreuung von pflegebedürftigen Eltern ist immer mehr ein gesellschaftliches und individuelles Bedürfnis. Familien | Bundesamt für Statistik


60 Prozent der Befragten wurden nicht durch ihre Vorgesetzte resp. ihren Vorgesetzten über die Möglichkeit der Sperrtage informiert.

Wenn informiert wurde, geschah dies zu 50 Prozent an Teamsitzungen, in einem Drittel der Fälle in Einzelgesprächen oder dann zu 17 Prozent schriftlich durch die vorgesetzte Person. Die Hälfte der Informierten wurden zusätzlich persönlich vom Vorgesetzten gefragt, ob fixe Sperrtage ein Bedürfnis sind. Der Zeitpunkt der Information erfolgte mehrheitlich zwischen November und Dezember 2020. Einige wenige wurden bereits im Sommer informiert.

Leider muss transfair feststellen, dass nur 40 Prozent der Befragten aktiv über die Möglichkeit der Sperrtage informiert wurden. Da besteht klarer Handlungsbedarf. Zudem gilt zu klären, ob Mitarbeitende nicht informiert wurden, weil die Anwendung unklar war. Oder haben Vorgesetzte mögliche Diskussionen oder die damit verbundene Arbeit gescheut, weil es bis jetzt ja auch ohne ging?


65 Prozent der Befragten konnten keine Sperrtage fixieren: 47 Prozent davon hatten keine Infos dazu, 31 Prozent kein Bedürfnis, 6 Prozent wurden mit ihrer vorgesetzten Person nicht einig und 4 Prozent haben, weil keine Lösung im Team gefunden wurde, verzichtet.
 
Bei nur 29 Prozent der Fälle wurden die Sperrtage auch im Team besprochen. Bei allen anderen fand keine Absprache statt, und dies obwohl die Abstimmung gemäss GAV im Team erfolgen soll.
 
Wenn Sperrtage fixiert werden konnten, wurden meist 1 oder 1,5 Sperrtage fixiert. Die Zufriedenheit mit den fixierten Sperrtagen liegt bei einem Wert von 4,31 (Maximum 5 Punkte). Dass 80 Prozent der Befragten mit ihren fixierten Tagen zufrieden sind, zeigt auch die Bedeutung dieser Massnahme auf.

40 Prozent der Befragten würden sich eine frühere Festlegung der Sperrtage wünschen, damit diese analog der Ferienplanung angegangen werden kann. Für etwa gleich viele spielt der Zeitpunkt der Festlegung keine Rolle und für 12 Prozent ist der ideale Zeitpunkt zwei Monate vor Beginn des neuen Schuljahres.