Von der Telco zur «Techco»

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Von der Telco zur «Techco»

Rund 2000 Führungskräfte kamen Ende Januar am «Swisscom Focus Day» in Stettbach (ZH) zusammen. Der Anlass machte deutlich: Die Transformation von der Telco zur «Techco» ist bei Swisscom nicht nur ein strategisches Schlagwort, sondern ein tiefgreifender Umbau von Technologie, Arbeitsweisen und Führungskultur.

Marika Schaeren
Ein digitaler Telekommunikationsmast verbindet globale Netzleitungen. Die Datenübertragung wird durch leuchtende Punkte und Linien visualisiert, die die Ausbreitung des Internets und die Vernetzung symbolisieren.

Ende Januar fand für die Führungskräfte von Swisscom der «Swisscom Focus Day» statt. Im Zentrum: Die Transformation von der Telco zur «Techco». Die Konzernleitung spannte den Bogen von der Geschichte des Innovationsstandorts Schweiz in die Zukunft. CEO Christoph Aeschlimann war heiser und konnte selbst nicht sprechen, deshalb übernahmen seine Kolleginnen und Kollegen, allen voran Myriam Käser von Communications & Corporate Responsibility. Ihre Botschaft war klar: Künstliche Intelligenz (KI) wird zum zentralen Hebel der nächsten Entwicklungsphase – mit grossen Chancen, aber auch mit Risiken.

Veränderung von innen

Konkret zeigte das Executive Committee auf, wie sich Kundenerlebnisse verändern werden: Beratung oder Kaufprozesse sollen künftig stark KI-gestützt sein. Dafür brauche es zwingend auch eine «Transformation von innen», betonten die Verantwortlichen. Ihre Prognose: Jede Funktion, jeder Stellenbeschrieb wird sich verändern, Führungskräfte werden nicht mehr nur Menschen, sondern auch KI-Agenten steuern. Das verlangt neue Kompetenzen, ein anderes Leadership-Verständnis – und Zeit zum Lernen.

Vertrauen!

Ein wiederkehrendes Schlüsselwort am Focus Day war Vertrauen. Darauf baut KI stark: auf Vertrauen in Daten, in Sicherheit, in Regulierung. Die Konzernleitung nannte die europäische KI-Verordnung (AI Act), eine saubere Datenbasis und transparente Kommunikation als Voraussetzungen, um dieses Vertrauen zu stärken. Vertrauen ist jedoch kein Selbstläufer: Es muss aktiv aufgebaut und täglich bestätigt werden – auch im Umgang mit den Mitarbeitenden.

Die gewerkschaftliche Sicht

Für transfair ist klar: Ob die Transformation bei Swisscom gelingt, wird sich nicht nur an technologischen Meilensteinen messen lassen, sondern auch daran, wie glaubwürdig Vertrauen gelebt und soziale Verantwortung wahrgenommen wird. Zudem stellen wir uns nach dem Anlass aus gewerkschaftlicher Sicht zwei wichtige Fragen: Wie werden Mitarbeitende bei der KI-Transformation mitgenommen? Und: Wie wird sichergestellt, dass Qualifizierung, Arbeitsbelastung und Mitbestimmung nicht hinter dem technologischen Tempo zurückbleiben? Das Executive Committee anerkannte zwar, dass die Transformation viel abverlange, und rief die Mitarbeitenden zu Offenheit und Neugier auf. transfair hält die Stossrichtung von Swisscom trotzdem für ambitioniert.