Branchenkongress öV

Öffentlicher Verkehr

Branchenkongress: Eine Branche in Bewegung

Die Zielsetzungen des Branchenkongresses waren ambitiös. Den Mitgliedern der Branche öffentlicher Verkehr wurden die aktuellen Geschäfte vorgestellt, Wahlen durchgeführt sowie das Kongressthema der Sicherheitskultur mit Gästen unter die Lupe genommen. In der Grussbotschaft von Co-Präsidentin und Nationalrätin Greta Gysin hat der Kongress auch Thomas Ammann gedacht.

Bruno Zeller
Die Teilnehmenden des Podiumgespraechs

Das Wichtigste in Kürze

  • SBB sistiert vorerst zusätzliche Sparmassnahmen beim Personal. transfair hat mit Schreiben an den Bundesrat zu dieser positiven Entwicklung beigetragen.
  • Die Lohnverhandlungen sind in vollem Gange. Resultate gibt es voraussichtlich im Dezember 2022.
  • Die Mitarbeitenden Genfer Verkehrsbetriebe (TPG) erkämpfen sich durch Streik die volle Indexierung.
  • Für transfair ist klar: für die Stärkung des Schienengüterverkehrs braucht es grosszügige Bundesgelder.
  • Eine gute Sicherheitskultur hat höchste Priorität im öV. transfair fordert daher eine Sicherheitskultur-Charta in der neuen Resolution.

Politische Arbeit

Nach den Einleitungsworten des Branchenpräsidenten, Bruno Schäppi, kam Branchenleiter Bruno Zeller auf die politische Arbeit zu sprechen: Der Bundesrat unterstützt die SBB mit einem einmaligen Beitrag an den coronabedingten Verlusten (Fernverkehr) und sieht von zusätzlichen Sparmassnahmen ab. transfair hat mit Schreiben an den Bundesrat zu dieser positiven Entwicklung beigetragen. Weiter trägt auch die Lobby-Arbeit für ein gutes Personenbeförderungsgesetz Früchte. Für die zukünftige Ausgestaltung des Schienengüterverkehrs läuft die Vernehmlassung, in der sich transfair für eine Stärkung einsetzt.

Laufende Verhandlungen

Im Moment ist Hochsaison für Lohnverhandlungen bei der SBB und allen weiteren Unternehmen. Die von transfair durchwegs geforderten Lohnmassnahmen basieren auf den realwirtschaftlichen Gegebenheiten. Einige Resultate liegen bereits vor. Der Resultatespiegel wird im Dezember 2022 vorgestellt. Daneben laufen parallel sieben Verhandlungen von Gesamt- und Firmenarbeitsverträgen. Ein Hauptaugenmerk gilt aber den Diskussionen über die Weiterführung der Berufsinvalidität bei der SBB.

transfair streikt

Die vorgesehene Lohnindexierung für das Jahr 2022 bei den Genfer Verkehrsbetrieben (TPG) hat die Gemüter vollends erhitzt. Da die Direktion TPG nicht den vollständigen Index von 1.2% gewähren wollte, haben die Sektion von transfair und SEV den Druck mittels eines Streiks Mitte Oktober 2022 erhöht. Die erfolgreiche Aktion führte zur vollen Indexierung.

Güterverkehr vor Weichenstellung

Dem defizitären Einzelwagenladungsverkehr (EWLV) soll begegnet, bzw. dem Schienengüterverkehr insgesamt zu neuen Perspektiven verholfen werden. Darum wird es ein Vernehmlassungsverfahren  zur Stellungnahme geben. Für transfair ist klar: Für die Weiterentwicklung des EWLV und für die ganze Stärkung des Schienengüterverkehrs (Binnen-, Import- und Exportverkehr) sind grosszügige Bundesmittel über eine längere Zeit notwendig. transfair setzt sich für eine nachhaltige Verlagerung ein, welche auch Perspektiven für das Personal enthält, insbesondere bei SBB Cargo.

Branchenorganisation, Wahl, steigender Mitgliederbestand

Im Juni 2022 traf sich der Branchenvorstand zu einem Workshop. Die Teilnehmenden skizzierten und diskutierten verschiedene Organisationsformen der Branche. Die Tendenz geht in Richtung Optimierung der heutigen Organisation. Das Thema wird 2023 weiter ausgearbeitet. Als Ersatz für den langjährigen Routinier Erich Schlegel wurde Andrea Schleutermann für das Lokpersonal Personenverkehr in den Vorstand gewählt. Erfreulich präsentiert sich die Mitgliederentwicklung der Branche in den letzten zwei Jahren. Der Dank dafür geht an die gute Arbeit der Mitglieder und der Regionalsekretariate.

Podiumsgespraech
Die Experten am Podiumsgespräch vlnr: Marco Lüthi (Direktor Verkehrsbetriebe Zürich), Renato Fasciati (Direktor Rhätische Bahn und Präsident und Verband öffentlicher Verkehr), Heidrun Buttler (Leiterin Sicherheit und Produktionsqualität SBB), Myriam Holzner (Kürze&Würze GmbH, Podiumsmoderation), Peter Füglistaler (Direktor des Bundesamts für Verkehr) und Bruno Zeller (Branchenleiter Öffentlicher Verkehr)

Sicherheitskultur im öffentlichen Verkehr

Die letzten schweren Arbeitsunfälle (insbesondere im Gleisfeld, «Bauen unter Betrieb») führen es vor Augen: Sicheres Arbeiten muss priorisiert werden. Heidrun Buttler, Leiterin Sicherheit und Produktionsqualität SBB, äusserte sich in einem Inputreferat zur Entwicklung einer Sicherheitskultur bei der SBB. Auch im nachfolgenden Podiumsgespräch reflektierten hochkarätige Experten, unter der Regie von Myriam Holzner, wo die Stellhebel zur Verbesserung der Sicherheit liegen. Für transfair braucht es eine Sicherheitskultur-Charta für den öV Schweiz. Dazu hat der Kongress eine Resolution verabschiedet.

 

Bruno Zeller und Bruno Schäppi (Branchenpräsident Öffentlicher Verkehr, transfair)