Lohnverhandlungen mit der Post gescheitert

Lohnverhandlungen mit der Post gescheitert © transfair | Gaby Möhl
10.03.2021

Die Sozialpartner haben sich nach einer Eskalation an die FaKo Konzern auch nach sechs Verhandlungsrunden nicht einigen können. Nach langen und harten Verhandlungsversuchen übernimmt nun eine Schlichtungskommission das Ruder: über die Lohnmassnahmen der Mitarbeitenden von Post CH, PostFinance und PostAuto wird sie nun entscheiden.

Die diesjährigen Lohnverhandlungen stehen unter einem speziellen Stern. Die Negativteuerung, die Pandemie und die wirtschaftlichen GAV-Verhandlungs-Kriterien liessen bereits im Vorfeld auf harte Verhandlungen schliessen. Dem steht gegenüber, dass die Mitarbeitenden von Post CH AG, PostFinance AG und PostAuto AG im letzten Jahr unter schwierigen Bedingungen Aussergewöhnliches geleistet und eine entsprechende Anerkennung verdient haben. Diese anspruchsvolle Ausgangslage widerspiegelte sich auch in den Forderungen von transfair.

Rückendeckung von Simonetta Sommaruga

Dennoch nahm transfair die Verhandlungen mit einer positiven Erwartungshaltung in Angriff, nicht zuletzt aufgrund eines Interviews mit Bundesrätin Simonetta Sommaruga im April 2020, in welchem sie Unterstützung zusicherte. Zitat aus dem Interview: «Jetzt gab es Applaus. Aber vom Applaus hat man nicht gelebt. Ich gehe schon davon aus, dass sich die Arbeitgeber bei den Lohnverhandlungen daran erinnern, was diese Leute jetzt geleistet haben und weiter leisten. Es gibt aber auch einen anderen Aspekt: Wie schaffen wir es, dass sich das auch längerfristig in den Löhnen abbildet
 
In den vorgängigen Verhandlungen zeichnete sich ab, dass die Verhandlungsdelegation der Post wenig Bereitschaft zeigte, auf die Forderungen von transfair einzugehen. transfair hat daher in einem Brief um eine Stellungnahme der Bundesrätin gebeten. Die Antwort lässt keine Zweifel offen. Sie hielt in ihrem Antwortschreiben an ihrer Unterstützung fest.

Beim Minimalangebot stecken geblieben

Trotz dieser eindeutigen Aussage kam es nun zum Abbruch der Verhandlungen. Die Post blieb bei einem Minimalangebot stehen und auch der Verwaltungsrat lehnt mögliche Kompromisslösungen, obwohl sich transfair weit weg von seiner ursprünglichen Forderung bewegte, ab. Weil transfair im Interesse seiner Mitglieder alle Möglichkeiten ausnützen will und das Personal ein finanzielles Zeichen verdient hat, geht es nun in die Eskalation: Die paritätische Schlichtungskommission, bestehend aus Vertreterinnen und Vertreter von Arbeitnehmenden und Arbeitgebern, übernimmt das Ruder und wird bis Ende Mai über Lohnmassnahmen entscheiden. Diese gelten dann rückwirkend per 1. April 2021.

Taten statt Worte – klare Position von transfair

Dass die Post vor einer wirtschaftlich herausfordernden Situation steht, ist sich transfair durchaus bewusst. Dennoch müssen die beispiellosen Leistungen der Mitarbeitenden der Post finanziell honoriert werden – und dies ist mit Applaus allein nicht getan. Der Personalverband hält ausdrücklich daran fest, dass sich Anerkennung und Dankbarkeit für das Geleistete auch auf finanzieller Ebene widerspiegeln müssen. Die Chancen stehen gut, dass die Schlichtungskommission zu einem akzeptierbaren Resultat kommt, das besser ist als das Mindestangebot der Post.
Einsatzbereiche
PostAuto AG, PostFinance AG