Die Post im Sperrfeuer der Medien

Die Post im Sperrfeuer der Medien © Kostals Sidiropoulos/Pixabay
12.04.2019

Einmal mehr gelingt es der Post nicht, aus den Schlagzeilen zu gelangen: Der «Blick» beisst sich kurz vor Arbeitsbeginn des neuen Konzernchefs Roberto Cirillo erneut am gelben Riesen fest.

Die Mitarbeitenden der Abendzustellung von PostLogistics unterstehen dem noch bis Ende 2020 gültigen Gesamtarbeitsvertrag (GAV) von Post CH AG. Dort sind unter anderem die Regeln der Ankündigung des Arbeitsbeginns im Detail festgehalten. transfair musste leider feststellen, dass trotz dieser eindeutigen Vorgaben grossflächig und systematisch Verletzungen des GAV geplant und umgesetzt wurden, ohne dass die Sozialpartner und offenbar ebenso wenig die relevanten postinternen Stellen darüber informiert wurden. transfair ist schockiert.

Arbeit auf Abruf in der Abendzustellung
Die Mitarbeitenden der Abendzustellung mussten auf Abruf zum Dienst antreten. Dagegen protestiert transfair laut. Der Personalverband intervenierte bereits sowohl über die im GAV vorgesehenen postinternen Deeskalationswege als auch auf weiteren wirkungsvollen Kanälen. Konzernchef Cirillo zog infolgedessen die Reissleine und liess diese Praxis unverzüglich stoppen. Dass die Post ab sofort das Gespräch mit den unterschriftsberechtigten Sozialpartnern sucht, ist zwar der richtige Weg, kommt allerdings zu spät: das Desaster ist bereits angerichtet worden.

Für transfair ist der Gang an die Medien nicht der richtige Weg, um solche Situationen zu klären. Einerseits haben die Sozialpartner im GAV ein anderes Vorgehen festgelegt und andererseits ist transfair ein verlässlicher Partner, der sich an die getroffenen Abmachungen hält. Dieses Vorgehen wird auch von den transfair Mitgliedern klar unterstützt, wie die Ergebnisse der letzten Mitgliederbefragung zeigen.

Zeitsystem «MyTime»
Letzten Herbst hat die Post in Absprache mit den Sozialpartnern beschlossen, das bei den Paketboten von PostLogistics eingesetzte und wenig beliebte Zeitberechnungssystem AZB2.0 durch ein neues System zu ersetzen. Dadurch sollten mehr Transparenz und Nachvollziehbarkeit erreicht werden. Transfair bleibt auch hier am Ball, erfasst durch Kolleginnen und Kollegen mitgeteilte Missstände, überprüft diese, meldet berechtigte Punkte unverzüglich an die Projektgruppe und begleitet die Umsetzung aktiv. Es gibt nach wie vor Baustellen, wie sie im Zuge der Einführung eines neuen Systems üblicherweise zu erwarten sind. Erstaunlich ist jedoch, dass in der täglichen Arbeit nicht an jedem Ort dieselben Probleme auftreten. Dies deutet darauf hin, dass punktueller Handlungsbedarf in Bezug auf Ausbildung und Begleitung besteht.

transfair setzt sich dafür ein, dass Korrekturen unverzüglich umgesetzt werden, damit beispielsweise die von den Paketboten geleistete mit deren berechneter Arbeitszeit übereinstimmt, sodass sie nicht als Verlierer mit Minusstunden im Regen stehen gelassen werden. Anderenfalls bleibt der Unmut vieler Paketboten bestehen: eine tickende Zeitbombe.

Auch das Kantonale Arbeitsinspektorat und das SECO interessieren sich für die Vorgänge rund um «MyTime». Transfair steht in regelmässigem Kontakt mit diesen Stellen, um die Komplexität und Historie aufzuzeigen und den berechtigten Wünschen der Paketboten zum Durchbruch zu verhelfen.

Medienpräsenz
Im Mittelpunkt der derzeitigen Krise stehen zwei Problemkomplexe: Einerseits ist unklar, woher die Medien mit internen Informationen versorgt werden. Andererseits stellt sich die Frage, welche Massnahmen von Seiten der Post getroffen werden, um aus den Negativschlagzeilen zu kommen. Sind die Deeskalationswege unpassend? Sind die Vorgesetzten unaufmerksam? Kennen weder sie noch die Mitarbeitenden die geltenden GAV-Bestimmungen? Haben die Mitarbeitenden Hemmungen, die Vorgesetzten oder Sozialpartner zu informieren? Auf diese Fragen erwartet transfair Antworten vom Management und den Kommunikationsmitarbeitenden der Post.
Einsatzbereiche
Die Schweizerische Post, DPD, Epsilon AG, IMS AG, Pensionskasse Post, PostAuto AG, PostAuto Unternehmer, Postnetz, PostMail, PostLogistics, PostFinance AG, PostLogistics AG, Presto AG, SecurePost AG, SPS AG, Verband KEP&Mail