Beim Umbau des Postnetzes das Personal nicht vergessen!

Beim Umbau des Postnetzes das Personal nicht vergessen! © Die Schweizerische Post
02.03.2017

Die Schweizerische Post hat heute ihre Konkretisierungspläne für das Postnetz der Zukunft bekanntgegeben. transfair, der Personalverband für den Service Public, kritisiert die fehlende Personalstrategie und warnt vor einer übereilten Umsetzung!

Die Mitarbeitenden von Poststellen und Verkauf sind stark verunsichert. Für transfair ist es nachvollziehbar, dass sich die Post weiterentwickeln will und muss. Das Tempo, mit dem das Unternehmen den Poststellenabbau vorantreibt, ist aber viel zu hoch! Denn - Agenturlösung hin oder her - es handelt sich um einen Personalabbau.  
Nun stellt der Konzern seine Konkretisierungspläne mit dem Ausbau des Angebots auf die Bareinzahlung an der Haustüre und zusätzlichen Dienstleistungen vor. Für transfair darf dieser Ausbau keine Kompensation für den Abbau in der Grundversorgung sein – der zu Recht breite Politiker- und Gesellschaftskreise bewegt. Und vor allem muss die Post für die Mitarbeitenden von Poststellen und Verkauf Klarheit schaffen!
Dass die Post mit dem Aus- und Umbau ihres Angebots den Bedürfnissen der Bevölkerung und der Wirtschaft entgegenkommen will, begrüsst transfair. «Die moderne Grundversorgung in allen Landesteilen wie sie die Post andenkt, geht nicht ohne Rücksicht auf das Personal», sagt Stefan Müller-Altermatt, «und wir müssen darauf achten, dass erstens die beste aller Lösungen, nämlich der Erhalt der Poststelle, immer bis ins Detail geprüft und nach Optimierungen gesucht wird, und es zweitens tatsächlich zu keiner ersatzlosen Schliessung von Poststellen kommt».
Bareinzahlung an der Haustüre
Die Einführung der Bareinzahlungen an der Haustüre ist zu sportlich angedacht: Bis 1.9.2017 soll die Dienstleistung breit eingeführt werden, was dem Personal von PostMail viel Flexibilität abverlangt. Unklar bleibt für transfair, wie die Post den Mitarbeitenden in der Zustellung entgegenkommt. transfair fordert Klarheit und Entgegenkommen bei der Umgestaltung, insbesondere Schulungen betreffend Sicherheitsvorschriften und eine Aufwertung der Jobprofile. Grundsätzlich kritisieren wir, dass die Post uns vor vollendeten Tatsachen stellt: zwar sollen konkrete Umsetzungspläne durch die Fachkommission beurteilt werden, aber Entschluss und Zeitplan scheinen festzustehen.
 
Auf Engagement der Zusteller angewiesen
Die Zustellung von abonnierten Tageszeitungen bis am Mittag in Orten ohne Frühzustellung bedeutet etliche Tourenänderungen und wiederum viel Flexibilität von Seiten der Mitarbeitenden in der Zustellung. Auch hier bleibt für transfair offen, wie die Post den Mitarbeitenden entgegenkommt.
 
Mitarbeitende in den Poststellen müssen weiter zittern
Trifft es mich, wird meine Poststelle geschlossen? Die Post sagt zwar, sie führe keine Planspiele durch, aber transfair ist skeptisch. Kantons- und Bezirkshauptstädte sowie einwohnerstarke Städte werden vermutlich auch in Zukunft Poststellen haben, aber vielleicht nicht mehr an derselben Stelle, weil sich die grossen Kundenströme durch die stark gewachsene Mobilität und veränderten Arbeits- und Einkaufgewohnheiten verschoben haben. Alle Poststellen auf dem Land müssen weiter zittern! Kommt es zu einer Schliessung, fordert transfair für das Personal Weiterbeschäftigungen innerhalb Post, gleichbleibender Lohn für diejenigen Arbeitnehmenden, welche die Stelle intern wechseln und einen separaten Sozialplan.
Es gibt viele Verlierer
Bei Poststellen und Verkauf werden viele Teilzeit arbeitende Frauen in den Landregionen betroffen sein, die teils seit Jahrzehnten mit grosser Flexibilität die Anpassungen der Post mitgetragen haben. Viele wird es auch treffen, die bereits eine Poststellenschliessung und somit ein Lohnabbau hinter sich haben. Aber auch Reinigungspersonal von IMS AG und Jugendliche werden davon betroffen sein – denn weniger Poststellen bedeuten weniger Reinigungsaufwand und auch weniger Lehrstellen. Demgegenüber stehen die Mitarbeitenden der Agenturen, welche die Last des Sozialabbaus der Post tragen. Gut ausgebildete junge Mitarbeitende verlassen die Post, weil sie keine Perspektiven mehr sehen. Ältere, langjährige Mitarbeitende verlassen die Post, weil sie enttäuscht sind. Beides wiederum schwächt auch die Pensionskasse.

Dialog mit den Sozialpartnern!

Die Post muss zwingend einen intensiven Dialog mit den Sozialpartnern führen und die Forderungen von transfair ernst nehmen. Es sind Forderungen des Personals, welches sich stark mit dem Unternehmen identifiziert und dadurch einen wesentlichen Faktor des Erfolgs der Schweizerischen Post darstellt. Ohne dieses Personal und seine Motivation verkommt die Weiterentwicklung des Service Public schlussendlich zu einem reinen Abbau. Entsprechend ernst sollte die Post unsere Forderungen nehmen und möglichst schnell den Dialog aufnehmen.
Einsatzbereiche
Die Schweizerische Post, Poststellen und Verkauf, PostMail