Arbeitslast in der Paketzustellung – transfair sieht Handlungsbedarf

Arbeitslast in der Paketzustellung – transfair sieht Handlungsbedarf © Die Schweizerische Post

Die Post hat per 1. Januar 2021 die Bereiche PostMail und PostLogistics in der neuen Organisationseinheit Logistik-Services zusammengeführt. Aufgrund der seit über einem Jahr andauernden Coronapandemie sind die Paketbotinnen und Paketboten einer enormen Arbeitslast ausgesetzt. 2020 wurden rund 182,7 Millionen Pakete zugestellt, was eine Steigerung um 23 Prozent gegenüber 2019 bedeutet! transfair erhielt eine steigende Anzahl von Rückmeldungen zu überlangen Arbeitstagen, Überschreitung der 50-Stundenwoche und Nichteinhaltung der 5-Tage-Woche. Diese Meldungen veranlasste transfair dazu, bei seinen Mitgliedern eine Online-Umfrage zur Arbeitslast in den Monaten November und Dezember 2020 durchzuführen. Das Resultat spricht eine eindeutige Sprache: Es besteht dringender Handlungsbedarf!

Fazit transfair

Die steigende Paketmenge ist zwar für die Post erfreulich. Dies zeigt auch das Betriebsergebnis dieses Bereiches aus. Gleichzeitig stellt transfair aber eine überdurchschnittliche Steigerung der Arbeitslast für die betroffenen Mitarbeitenden fest. Zwar hat die Post in den vergangenen Monaten viele neue Mitarbeitende rekrutiert. Diese Neuanstellungen konnten aber mit der Zunahme der Paketmenge nicht mithalten. transfair fordert die Post auf, mit geeigneten Massnahmen das betroffene Personal zu schützen (Gesundheit), Gesetzesübertretungen grundsätzlich zu vermeiden und die Arbeitslast in der Paketzustellung zu senken.

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Nur 9 Prozent der Befragten gaben an, dass sie im November und Dezember nie länger als 10 Stunden pro Tag arbeiten mussten. Fast die Hälfte der Befragten gab zudem an, dass sie im Schnitt an mehr als zwei Arbeitstagen pro Woche die 10-Stundengrenze überschritten haben. Die Häufigkeit dieser überlangen Arbeitstage ist beunruhigend. Insbesondere steigt die Gefahr einer Übermüdung, damit verbunden entsteht ein erhöhtes Unfallrisiko und damit eine unnötige Gefährdung der Gesundheit der betroffenen Mitarbeitenden.

Das Arbeitsgesetz sieht eine wöchentliche Höchstarbeitszeit von 50 Stunden pro Woche vor. Im Zeitraum der Befragung gaben drei Viertel der Befragten an mindestens einmal mehr als 50 Stunden pro Woche gearbeitet zu haben. 41 Prozent der Befragten meldeten zurück, dass sie bis zu drei Mal eine Arbeitswoche von mehr als 50 Stunden hatten. Ein Drittel gab an vier bis sieben Mal die Grenze überschritten zu haben! Das Arbeitsgesetz wurde innerhalb einer kurzen Periode von zwei Monaten überdurchschnittlich häufig verletzt. Hier steht die Post in der Pflicht, die gesetzlichen Bestimmungen einzuhalten und Verletzungen nicht billigend in Kauf zu nehmen. Die Coronakrise kann nicht für alles verantwortlich gemacht werden. transfair fordert die Post dringend dazu auf, Massnahmen zu treffen, die die Arbeitslast verringern!

Weiter ergab die Umfrage, dass bei knapp zwei Dritteln der Befragten die 5-Tage-Woche nicht eingehalten werden konnte. Die Post hat gegenüber transfair immer wieder betont, dass die

5-Tage-Woche für Paketbotinnen und Paketboten garantiert wird. Pakete werden an sechs Tagen zugestellt, also auch am Samstag. Die Umfrage zeigt auf, dass es zu überdurchschnittlich vielen 6-Tage-Wochen gekommen ist, was gleichzeitig erklärt, wieso die 50 Stundenwoche nicht mehr eingehalten werden konnte. Auch hier hat die Post dringenden Handlungsbedarf.



 


Im September 2020 wurde die Wochentagsortierung (WTS) trotz kritischen Rückmeldungen der Paketboten und Bedenken seitens transfair eingeführt. WTS soll eine bessere Verteilung der zuzustellenden Pakete pro Wochentag garantieren. Wie die Umfrage nun bestätigt sehen nur 7 Prozent der Befragten einen positiven Effekt. 93 Prozent klagten über zu grosse Touren, zu wenig Personal und/oder zu lange Ladezeiten. Zudem sei das System zu kompliziert und umständlich. Der Zeitpunkt der Einführung während der Coronapandemie wurde ebenfalls kritisiert.