Weichenstellung bei SBB Cargo wegen finanziellem Druck

Weichenstellung bei SBB Cargo wegen finanziellem Druck © SBB CFF FFS
09.12.2020

Unter grosser Anspannung sucht SBB Cargo AG einen gangbaren Weg, um aus der aktuellen schwierigen Finanzlage in stabileres Fahrwasser zu gelangen. Dabei steht das Schienengüterverkehrsunternehmen durch die diversen Anspruchsgruppen stark unter Druck. Prioritär ist strategische Klarheit, damit die Mitarbeitenden wissen, woran sie sind.

SBB Cargo ist seit 1. Januar 2019 eine Tochtergesellschaft der SBB und verfügt mittlerweile über Partner aus der Strassentransportbranche, die mit 35 Prozent an SBB Cargo beteiligt sind. Infolge der anhaltenden Pandemie sowie der grundsätzlich abnehmenden Volumen steuert das Unternehmen auf einen grossen Jahresverlust zu. Der Bund wird einen einmaligen Beitrag leisten, verbunden mit Auflagen. Dennoch fehlen für laufende Verpflichtungen und für die Zukunftsgestaltung notwendige Mittel.

Strategie klären

Welche Leistungen soll SBB Cargo erbringen? Hier wünscht sich transfair endlich Klarheit und langfristige Perspektiven. Für transfair ist klar, dass das vom Bund geforderte Ziel einer sofortigen Eigenwirtschaftlichkeit kurzfristig nicht zu erreichen ist. Die Folge wäre ein weiterer Kahlschlag bei Angebot und Personal. Dies muss unbedingt durch überlegte Zwischenschritte, die auch Verlagerungsziele mit allfälliger Bundeshilfe einbeziehen, verhindert werden. Auch die neuen Partner sollen sich wie versprochen engagieren, damit SBB Cargo von steigenden Logistikvolumen profitiert. Der Gütertransport ist nach wie vor Kernaufgabe von SBB Cargo.

GAV-Prozess und Sparen

Nach Klärung der strategischen Ausrichtung gegen Ende Jahr will SBB Cargo mit transfair Anpassungen bei den Arbeitsbedingungen im nächsten Jahr verhandeln. Der aktuelle GAV ist erstmals kündbar per Ende April 2022 und stellt für transfair die Basis dar. Vonseiten SBB Cargo sind etwa Begehren im Arbeitszeitbereich zu erwarten, um schwankenden Transportvolumen zu begegnen. Bezüglich Sparmassnahmen hat SBB Cargo analog der SBB Bedarf angemeldet. transfair wird sich entsprechenden Verhandlungen stellen.

Leistungsverlagerungen

In den Depots Goldau und Brig fährt das Lokpersonal unter anderem Verkehre für SBB Cargo International. In Goldau werden schrittweise weniger Halte für Güterzüge möglich und der Verkehr wird wegen der durchgehenden NEAT anders produziert. Auch in Brig fallen Leistungen weg, was Auswirkungen auf das Lokpersonal hat. Um diese Veränderungen eng zu begleiten und Anliegen des Personals einzubringen, wurde ein runder Tisch mit SBB Cargo sowie eine Begleitgruppe der Verbände einberufen. Es gilt, gute Anschlusslösungen für Lokführer bereitzustellen, falls Stellenaufhebungen in den zwei Depots unvermeidbar sind.
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SBB Cargo AG