Walo Camenzind über das neue Lohnsystem der SBB

Walo Camenzind über das neue Lohnsystem der SBB © SBB
01.07.2021

Der Lokomotivführer ist seit über 30 Jahren im Geschäft, davon 11 Jahre zusätzlich als Ausbilder. Im Gespräch mit transfair gibt er Einsichten in seinen Alltag.

Walo, mit dem neuen SBB-Lohnsystem gibt es einen schnelleren Lohnaufstieg für das Lokpersonal B. Deine Einschätzung dazu?
Schon lange fand ich den zu langsamen Anstieg nicht mehr korrekt und habe das auch bei Markus Jordi und Vincent Ducrot direkt deponiert. Endlich ist ein Durchbruch gelungen! Die Umsetzung muss aber genau beobachtet werden.
 
Nicht nur der Lohn ist wichtig. Was rätst du Personen, die den Lokführerberuf ergreifen wollen?
Mitbringen muss man grosse Selbstständigkeit und Zuverlässigkeit, die in diesem Ausmass nicht bei vielen Jobs gefordert sind. Weiter braucht es Mut, um in Sekundenschnelle entscheiden zu können, es braucht einen Willen, sich laufend weiterzubilden, denn Vorschriften und Fahrzeugeigenschaften ändern sich ständig. Belasten kann die Arbeitszeit: Die Arbeit an Wochenenden, Feiertagen und in Randstunden kann das Privatleben beeinträchtigen.
 
Aktuell wird die Zweitausbildung des Lokpersonals überarbeitet. Was braucht es noch, damit Ausbildung und Beruf weiterhin attraktiv bleiben?
Kluge Teilzeitmodelle fehlen momentan. Das ist jedoch nicht einfach für die SBB, da wir ein 24-Stunden-Betrieb sind. Der schnellere Aufstieg im Lohnband schafft Anreiz, länger zu bleiben.
 
Auf welche Herausforderungen treffen Lokführer und Lokführerinnen täglich?
Es ist sehr herausfordernd, bei monotonen Touren konzentriert zu bleiben. Zum Glück wird das Einsatzgebiet in den Depots wieder erhöht und so die monotonen Touren verringert.
 
Auf welche Ausbildungsteile legst du besonderen Wert und warum?
Es mag langweilig klingen, aber es sind die Vorschriften und Fahrzeugkurse. Je besser und sicherer du bist, desto leichter fällt dir deine Arbeit.
 
Was bereitet dir am meisten Freude an deinem Job, was ärgert dich?
Zum Glück bediene ich zwei Arbeitsfelder, so habe ich grosse Abwechslung. Als Lokführer schätze ich die Selbstständigkeit – ich bin mein eigener Chef. Als Ausbilder bekomme ich fast jeden Tag direkte Rückmeldung zu meiner Arbeit. Dieser Austausch fehlt als Lokführer. Nach über 30 Jahren als Eisenbahner ärgere ich mich nicht mehr so häufig.
 
Was schätzt du an transfair?

Ich bin sehr dankbar, dass es Menschen gibt, die sich für die Arbeitnehmenden einsetzen. transfair ist über diverse Berufsgruppen aktiv und hat viel erreicht oder abgewendet. Dafür bedanke ich mich bei all den aktiven Mitgliedern. Ich steuere gerne meine langjährige Erfahrung und das so entstandene Netzwerk bei!
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