Sparmassnahmen bei SBB und SBB Cargo gehen zu weit

Sparmassnahmen bei SBB und SBB Cargo gehen zu weit ©transfair
17.12.2020

Beiden Unternehmen geht es aufgrund der Covid-19-Krise nicht gut. Sie haben deshalb mit den Sozialpartnern die Verhandlungen über personalrelevante Sparmassnahmen gestartet. Die Zugeständnisse der Personalverbände gehen SBB und SBB Cargo zu wenig weit. Deshalb klemmen sie hier ab und haben je ein Schiedsgerichtsverfahren eingeleitet. transfair vermisst den fehlenden Spielraum seitens der Unternehmen in dieser Verhandlung.

Sparbegehren sind für transfair nicht haltbar

Eines der Resultate der letzten GAV-Verhandlungen: die Sozialpartner haben die Lohnmassnahmen für die Jahre 2021 und 2022 vereinbart. Somit finden also keine Lohnverhandlungen im eigentlichen Sinne statt.
 
Dennoch haben SBB und SBB Cargo diese Vereinbarung angegriffen. Sie fordern, dass das Personal teilweise (SBB) oder komplett (SBB Cargo) auf die nachhaltigen Lohnmassnahmen von 0,9 Prozent der Lohnsumme verzichten. Die definierte Schmerzgrenze der Verhandlungsgemeinschaft liegt bei 0,8 Prozent. Diese Forderung ist für transfair wichtig, weil sie der nötigen Höhe für die individuellen Lohnanstiege gemäss Lohnsystem entspricht.
 
transfair ist bereit Zugeständnisse im Rahmen von 0,4 Prozent für einmalige Leistungsanteile sowie 0,15 Prozent für schnellere Lohnanstiege in den unteren zwei Dritteln des Lohnspektrums zu machen.
 
Die SBB will 2021 maximal 0,3 Prozent der Lohnsumme für individuelle Lohnmassnahmen einsetzen und eine Einmalzahlung von 200 CHF als Dankeschön für die Leistungen während Covid-19 bezahlen. SBB forderte jedoch nicht nur Zugeständnisse im Lohnbereich, sondern auch, dass das Personal auf 2 Ferientage oder auf entsprechende Zeitguthaben verzichtet. Die SBB hat aber mittlerweile ihrem Personal mitgeteilt, dass sie auf die Streichung von Ferientagen nun doch verzichten will.
 
SBB Cargo will die bereits verhandelten Lohnmassnahmen 2021 gar nicht ausrichten, würde aber auf weitere Massnahmen bei Ferientagen oder Arbeitszeit verzichten.
 
Die Sparforderungen von SBB und SBB Cargo gehen zu weit. Die beiden Unternehmen wollen auf dem Buckel des Personals sparen, obwohl es keinen politischen Auftrag dafür gibt. Die bereits vereinbarten nachhaltigen Lohnmassnahmen müssen grösstmöglich erhalten bleiben, zumal in der Branche Lohnmassnahmen gewährt werden. transfair bleibt trotzdem weiterhin gesprächsbereit.

Schiedsgerichte eingeleitet

Die von SBB und SBB Cargo vorsorglich eingeleiteten Schiedsgerichtsverfahren werden die Sozialpartnerschaft zusätzlich belasten. Die Verfahren müssen bis Mitte April 2021 abgeschlossen sein. Diese sind im GAV SBB und GAV SBB Cargo klar geregelt und können dort nachgelesen werden. Die Unternehmen erhoffen sich, auf diesem Weg ihre personalrelevanten Sparmassnahmen doch noch durchzusetzen. Die Verhandlungen mit der SBB zu einem neuen Lohnsystem gehen ungeachtet des «Sparverfahrens» weiter und werden bis im Frühjahr 2021 dauern.
Einsatzbereiche
SBB, SBB Cargo AG