Dem Fachkräftemangel beim Lokpersonal entgegenwirken

Dem Fachkräftemangel beim Lokpersonal entgegenwirken
12.08.2020

Mit der Rückkehr des Fahrplans zur Normalität wird der Fachkräftemangel beim Lokpersonal wieder sichtbar: es fehlt an allen Ecken und Enden. transfair unterstützt die berufliche Weiterbildung und hat mit Felix Traber, dem Präsidenten der Prüfungskommission, über die erste eidgenössische Berufsprüfung für Lokomotivführer/innen gesprochen.

Felix, wenn du zurückblickst auf die erste Prüfungsdurchführung der eidgenössischen Berufsprüfung für Lokomotivführerinnen und Lokführer. Erzähl uns etwas mehr zu dieser Premiere.
 
Ende 2019 haben 86 Lokomotivführerinnen und Lokomotivführer den eidgenössischen Fachausweis und damit den Titel «Lokomotivführer/in mit eidgenössischem Fachausweis» erhalten.
 
Wir konnten im Jahr 2019 etwas mehr als 100 Kandidierende zur ersten regulären eidgenössischen Berufsprüfung Lokomotivführer/in zulassen. Bis zu den mündlichen Prüfungen, die im Oktober und November 2019 stattfanden, waren einige Rückzüge von der Prüfung zu verzeichnen, was in etwa dem Niveau anderer eidgenössischer Berufsprüfungen entspricht. So folgten am Schluss 93 Kandidierende dem Aufgebot zur mündlichen Prüfung.
 
Die Kandidatinnen und Kandidaten für die Prüfung 2019 hatten ein Durchschnittsalter von 37 Jahren (von 23 Jahren bis 58 Jahren). 22 der Kandidierenden waren über 45-jährig oder älter, 41 Kandidierende zwischen 35 und 44 Jahren und 46 Kandidierende waren 34-jährig oder jünger. Dies zeigt, dass vor allem bei den jüngeren Kolleginnen und Kollegen das Interesse an der eidgenössischen Berufsprüfung höher ist, was wir jedoch auch so erwartet haben. 2019 haben vier Lokomotivführerinnen die Prüfung absolviert.
 
Besonders erfreulich ist, dass wir die Berufsprüfung bereits in allen drei Amtssprachen anbieten und auch durchführen konnten.
 
Ihr habt sicherlich auch einige Feedbacks von den Absolventinnen und Absolventen erhalten. Welche Eindrücke nehmen sie aus dieser intensiven Zeit mit?
Von einigen Berufskolleginnen und Berufskollegen haben wir Rückmeldungen erhalten und insgesamt können wir festhalten, dass die Prüfung als sehr positiv wahrgenommen wurde. Insbesondere die vertiefte Reflexion über die persönliche Rolle im eigenen Beruf, mit den dafür zur Verfügung stehenden Instrumenten, wurde sowohl von Dienstjüngeren als auch von dienstälteren Kolleginnen und Kollegen als wertvoll empfunden. Dass bei der Prüfung nicht die fahrdienstlichen Aspekte, sondern all die zudienenden Faktoren mit den eigenen Stärken und Schwächen im Vordergrund stehen, wurde ebenfalls positiv aufgenommen.
 
Mit der eidgenössischen Berufsprüfungen für Lokomotivführerinnen und Lokomotivführer haben die Kandidierenden die Möglichkeit genutzt, ihre bereits geleistete, zeitlich sehr intensive und umfangreiche Zweitausbildung zur/zum Lokomotivführerin/Lokomotivführer mit einem formalen Bildungsabschluss aufzuwerten.
 

 
Hand aufs Herz; diese Weiterbildung ist kein Zuckerschlecken. Doch lohnt sie sich?
Eine Weiterbildung ist natürlich immer auch mit einem gewissen Aufwand verbunden. Der Leitfaden zur Prüfung informiert jedoch sehr transparent über die ungefähren zeitlichen Aufwände. Es ist von Vorteil, wenn man sich im Vorfeld der Prüfung auf der Webseite des VHBL-AFSM einen Überblick verschafft.
 
Jedoch sind wir ganz klar der Meinung, dass sich der Aufwand lohnt. Die Verankerung in der höheren Berufsbildung ist für jede Lokomotivführerin und jeden Lokomotivführer, unabhängig des Alters, sehr wertvoll. Es würde uns freuen, wenn sich möglichst viele Berufskolleginnen und Berufskollegen mit der Prüfung auseinandersetzten würden.
 
Weitere Informationen findet ihr hier: www.vhbl-afsm.ch