Branchenkongress: Zusammenarbeit von Mensch und Maschine

Branchenkongress: Zusammenarbeit von Mensch und Maschine © transfair | Jürg Lütscher, Yves Zischek, Myriam Holzner, Markus Jordi, Stefan Müller-Altermatt, Bruno Zeller
15.11.2019

Am 14. November trafen sich die Mitglieder der Branche Öffentlicher Verkehr zum Kongress in Thun. Neben einem Expertenreferat zu «SmartRail 4.0» fand eine Podiumsdiskussion zu Automatisierung und Digitalisierung statt. Die vor Ort verabschiedete Resolution verdeutlicht, wie sich die Branche bei transfair die Bahn der Zukunft vorstellt.

Nachdem Branchenpräsident Werner Rüegg eingangs die rund 70 Teilnehmenden begrüsst hat, folgt transfair Präsident Stefan Müller-Altermatt mit einem Einblick ins politische Geschäft. Er zeigt auf, wie eng Transport und Politik miteinander verknüpft sind und wie wichtig der Rückhalt im Bundeshaus für transfair ist.
 
Reise durch die Gegenwart
Anschliessend nimmt Branchenleiter Bruno Zeller die Anwesenden mit auf eine Reise in die Vergangenheit: Die grossen Themen des letzten Jahres waren die «Bahn am Anschlag», die Entwicklung von SBB Cargo, Petitionen gegen Auslagerungen und für den Persönlichkeitsschutz, wachsende Digitalisierung, Automation und Multimodalität, aber auch Erfreuliches wie der endlich anlaufende Personalaufbau beim Lokpersonal, bei der Kundenbegleitung und anderen Berufen. Zeller ist von der bleibenden Relevanz dieser  Berufe überzeugt: «Der Mensch muss weiterhin das Bahnsystem kontrollieren. Die Maschinen liefern nur Vorschläge; die Entscheidungen werden weiterhin von Menschen getroffen.»
 
Sprung in die Zukunft
Die vom Digitalisierungsfonds der SBB in Auftrag gegebene Studie zeigt, dass der voraussichtliche Stellenverlust kleiner sein wird, als gedacht. Möglicherweise wird es sogar zu einem Ausgleich zwischen abgebauten und neu geschaffenen Stellen kommen. Die neuen Arbeitsbereiche werden aber anders aussehen als die bisherigen; und auch diese werden wohl digital angereichert. Deshalb ist es wichtig, die Mitarbeitenden mitzunehmen und für adäquate Weiterbildungen zu sorgen: «Es braucht eine persönliche Bahn», bekräftigt Zeller. Aber nicht nur im täglichen Bahnbetrieb ist die (Mit-)Wirkung von Menschen wichtig; auch in den Personalkommissionen der Betriebe engagieren sich Einige für das Wohl von Allen. Der Branchenleiter nutzt die Gelegenheit, um sich besonders bei denjenigen zu bedanken, die sich zur Wahl aufstellen haben lassen.
 
(Mit-)Wirkung im Branchenvorstand
Die anschliessend stattfindenden Ersatzwahlen bringen neue Mitglieder und frischen Wind: Leo Ebener und Reto Frei, die bei der SBB arbeiten, Jens Kemper von den VBZ sowie der bei der Matterhorn Gotthard Bahn tätige Patrick Biner werden gewählt, und Bruno Schäppi von der SBB komplettiert als neuer Branchenpräsident das Gremium. Er folgt dem abtretenden Werner Rüegg, der unter Applaus für seine Tätigkeit verdankt wird. Werner ist beruflich neu für transfair im Einsatz und bleibt der Branche somit auf anderem Weg erhalten.
 
Information, Diskussion
Nachdem die Gäste aus Österreich (FCG-Vida) und Luxemburg (Syprolux) zu Wort gekommen sind, folgt ein Inputreferat des Branchendelegierten «SmartRail 4.0», Daniel Schnetzer. Dessen Thema, die automatisierte Bahn, wird an der folgenden Podiumsdiskussion aufgenommen und von mehreren Seiten beleuchtet. Moderiert durch Myriam Holzner (Kürze&Würze) debattieren Markus Jordi (Konzernleitung SBB), Yves Zischek (Programmleiter «SR 4.0») und Jürg Lütscher (BAV) mit den Gastgebern.
 
Resolution
Die grosse Bedeutung der Menschen im Umgang mit Maschinen wird von der Kongressresolution untermauert: «SmartRail 4.0 – nur mit starker Position der Bahnmitarbeitenden» bekräftigt, dass neue Features und dadurch mögliche Kosteneinsparungen nicht das Personal ersetzen sollen. transfair fordert dementsprechend von allen Akteuren, Finanzmittel für die Entwicklung der Mitarbeitenden einzusetzen, das Bahnwissen weiterhin bei den Menschen zu verankern, Bedürfnisse und Erfahrungen der Belegschaft einzubeziehen und weiterhin attraktive, herausfordernde und gut bezahlte Arbeitsinhalte bereitzustellen. «Sinnvolle Assistenzsysteme: ja. Substitution von Personal: nein», fasst Bruno Zeller die Haltung des Kongresstages zusammen.