transfair fordert generelle und reale Lohnerhöhungen

transfair fordert generelle und reale Lohnerhöhungen © makasana photo/Adobe.Stock
13.08.2019

Im Service Public ist das Personal nach wie vor wirtschaftlichem und politischem Druck ausgesetzt, insbesondere im Hinblick auf die Finanzierung. Während transfair klar und deutlich zum Ausdruck bringt, dass Umstrukturierungen und die Senkung der Personalkosten keine verlässliche Strategie darstellen, bedauert der Personalverband, dass in öffentlichen Unternehmen zum Nachteil der Angestellten umstrukturiert wird. Für einen starken Service Public fordert transfair angemessene Lohnerhöhungen, gerade in Zeiten hohen Wachstums.

transfair setzt in einem blühenden Umfeld deutliche Lohnforderungen auf die Tagesordnung: zusätzlich zum Teuerungsausgleich fordert der Personalverband Reallohnerhöhungen zum Ausgleich der stagnierenden Löhne der vergangenen Jahre. Aus Gründen der Gerechtigkeit müssen alle Mitarbeitenden von diesen Erhöhungen profitieren können, und die Lohngleichheit zwischen Mann und Frau muss gewährleistet sein. Ausserdem wird transfair die Themen Krankenkassenprämien und Pensionskassen auf den Verhandlungstisch bringen.

Ein so erfreuliches wirtschaftliches Wachstum wie 2018 wurde in der Schweiz zum letzten Mal im Jahr 2010 festgestellt. Mit einer BIP-Wachstumsrate von 1,8 Prozent pro Kopf im letzten Jahr ist das Umfeld mehr als günstig für Lohnerhöhungen. Die soliden Gewinne der nationalen Wirtschaft sind das Ergebnis des dauerhaften Einsatzes der Mitarbeitenden im Service Public. Veränderte Arbeitsweisen im Zusammenhang mit der Digitalisierung setzen sie unter ständigen Druck. Das Personal wird nicht von Umstrukturierungen verschont und unterliegt hohen Produktivitätsanforderungen, ohne dabei die Sicherheit eines stabilen beruflichen Umfelds zu haben.

Diese Argumente bewegen transfair dazu, für die Mitarbeitenden der Branchen Communication, Post/Logistik, Öffentlicher Verkehr und Öffentliche Verwaltung, die aufgrund der Digitalisierung unter Druck stehen und deren Kaufkraft seit Jahren stagniert, generelle und reale, redlich verdiente Lohnerhöhungen zu fordern!

Communication: die Unternehmensgewinne sollen ausgeschüttet werden
Für 2018 haben die Sozialpartner eine zum Teil generelle Erhöhung der Lohnsumme um 1,4 Prozent erreicht. Mit einem Umsatz von über 11 Milliarden und einem Nettogewinn von über 1.5 Milliarden Franken ist die Bilanz 2018 von Swisscom wiederum sehr gut. transfair stellt wiederholt fest, dass die Produktivität am Arbeitsplatz zu einem rasanten Anstieg des Umsatzes und der Gewinne führt. Das muss sich in die Lohnverhandlungen niederschlagen.
Im Herbst 2019 wird transfair die Lohnforderungen für 2020 festlegen. Angesichts des wirtschaftlichen Umfelds und der hervorragenden Ergebnisse von Swisscom wird der Personalverband den Teuerungsausgleich, aber auch generelle und reale Lohnerhöhungen fordern. Gemäss Bundesamt für Statistik (BFS) hat die Telekommunikationsbranche 2018 von einer Nominallohnentwicklung von 1,4 Prozent profitiert. Aber diese Lohnentwicklung wird grösstenteils durch die Teuerung von 0,9 Prozent im Jahr 2018 gedämpft.

Die Reallohnerhöhung von 0,5 Prozent ist geringer als die von transfair verhandelte Erhöhung. Das muss sich ändern, die Mitarbeitenden müssen von einem deutlichen Anstieg ihrer Kaufkraft profitieren können.

Angesichts der Tatsache, dass Umstrukturierungen bei Swisscom zum Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit alltäglich geworden sind, fordert transfair ein deutliches positives Zeichen für die Mitarbeitenden, deren Anpassungsfähigkeit ständig hart auf die Probe gestellt wird. Es ist durchaus legitim, dass das Personal von den Produktivitätssteigerungen profitiert, die aus diesen Umstrukturierungen hervorgehen.

Post/Logistik: ein gut funktionierendes Lohnsystem
2019 haben die Sozialpartner eine zum Teil generelle Erhöhung der Lohnsumme um 1,4 Prozent erreicht. Die 2018 eingeführte Lohnmatrix wurde beibehalten, denn das System hat sich bewährt. Es sieht vor, die Lohnsumme der Mitarbeitenden in einen «obligatorischen» und einen «individuellen» Teil zu unterteilen. Angestellte im unteren Teil des Lohnbandes erhalten so die höchsten Lohnerhöhungen. Ein positives Signal zu Gunsten der Lohngleichheit, denn die Löhne der Frauen, die mehrheitlich im unteren Bereich stehen, steigen proportional stärker als diejenigen der Männer.

Für 2020 fordert der Personalverband erneut eine Anhebung der Lohnbänder, mindestens in Höhe der Teuerung. 2019 hatten die Sozialpartner eine Anhebung dieser Lohnbänder um 1 Prozent erreicht. So kommen auch Angestellte ausserhalb der Lohnbänder in den Genuss von Lohnerhöhungen. Ausserdem wird transfair wieder generelle und reale Lohnerhöhungen fordern. Und der Personalverband wird wiederholt die Berücksichtigung der steigenden Krankenkassenprämien in den Lohnmassnahmen auf den Verhandlungstisch bringen.

2019 steht unter dem Zeichen der GAV-Verhandlungen: die Sozialpartner haben kürzlich einen neuen GAV für Swiss Post Solutions abgeschlossen, mit deutlichen Verbesserungen für die Mitarbeitenden. Der Sommer 2019 steht für den Beginn intensiver Verhandlungen für den neuen GAV Post CH AG. Anfang 2020 wird transfair die GAV PostAuto AG und PostFinance verhandeln.

Öffentlicher Verkehr: transfair fordert mehrheitlich generelle Lohnerhöhungen
Die ab 2016 im Rahmen des Stabilisierungspakets der Pensionskasse SBB vorgesehenen Massnahmen gelten auch für 2020. Weil die Jahresteuerung 2019 1,2 Prozent nicht übersteigt (sie wird voraussichtlich 0,6 Prozent betragen), wird auf Lohnverhandlungen verzichtet. Bis 2020 werden 0,8 Prozent der Lohnsumme für individuelle Lohnmassnahmen eingesetzt. Die Pensionskasse SBB hat per 1. März 2019 erneut Anpassungen erfahren. Die Sozialpartner hatten sich auf eine paritätische Einlage von 1,5 Prozent geeinigt, um die Senkung des Umwandlungssatzes zu kompensieren. Die Pensionskasse SBB musste auch die individuellen Kapitalanlagen der Versicherten stärken. Die SBB haben akzeptiert, diese Teilkompensation zu garantieren. Leider konnten jedoch nicht die gesamten Verluste finanziert werden.

Für die regionalen Transportunternehmen fordert transfair vorwiegend generelle Lohnmassnahmen und lehnt erneute zu individualisierte Massnahmen, wie sie in den vergangenen Jahren vorherrschten, ab. Der Personalverband fordert nachdrücklich Reallohnerhöhungen. Die Digitalisierung entfaltet ihre Wirkung in dieser Branche weiterhin. Die neuen Arbeitsformen sollten mittelfristig die Produktivität steigern. Der Personalverband ist sich dessen bewusst und fordert, dass sich dies auch auf den Lohn der Mitarbeitenden auswirkt.

transfair ist der Ansicht, dass die SBB und die anderen Transportunternehmen für den Erhalt der Arbeitsmarktfähigkeit ihres Personals verantwortlich sind. Dieser Forderung wurde 2018 mit der Errichtung des ersten Digitalisierungsfonds von den SBB, transfair und den anderen Sozialpartnern entsprochen. Finanziert wird der Fonds von den SBB. Mit den Geldern werden Studien und Projekte lanciert, welche die Auswirkungen der Digitalisierung auf die Arbeitswelt und Arbeitsplätze der SBB aufzeigen.
 
Öffentliche Verwaltung: ausgezeichnete Haushaltsergebnisse schaffen ein günstiges Umfeld für Lohnerhöhungen
2019 haben die Bundesangestellten eine generelle Lohnerhöhung von durchschnittlich 0,9 Prozent erhalten (0,8 Prozent im ersten und 1 Prozent im zweiten Semester). Im ETH-Bereich bewegte sich die Erhöhung im gleichen Rahmen.
Aufgrund der Überschüsse im Bundeshaushalt 2017 und 2018 und unter Berücksichtigung der positiven Prognosen für 2019 ist transfair der Ansicht, dass es höchste Zeit ist für generelle Lohnerhöhungen. 2017 und 2018 wies die Bundesrechnung einen Überschuss von 2.8 bzw. 2.5 Milliarden Franken aus. Das Personal soll endlich an diesen hervorragenden Ergebnissen teilhaben. Nachdem über Jahre nur die Teuerung ausgeglichen werden konnte, fordert der Personalverband nun Reallohnerhöhungen. Die Pensionskasse PUBLICA hat per 1. Januar 2019 eine Senkung der technischen Parameter genehmigt, was für die Bundesangestellten einen Rentenverlust von bis zu 5 Prozent bedeuten kann. Das Bundespersonal, das selbst einen grossen Teil der Folgen tragen muss, hat zufriedenstellende Lohnmassnahmen verdient.

In den ersten beiden Verhandlungsrunden hat transfair ausreichenden Spielraum gefordert und eine Aufstockung des Bundeshaushalts um 2 Prozent verlangt. Diese 2 Prozent enthalten den Teuerungsausgleich sowie einen Festbetrag, der allen Angestellten zugutekommen und das gesamte Personal belohnen soll. Ein Festbetrag ist ausserdem ein positives Zeichen zu Gunsten der Löhne im unteren Bereich der Lohnskala. Im ETH-Bereich kommen die Forderungen für 2020 denjenigen des Bundes nah.

Lohngleichheit: transfair setzt sich ein
Der Frauenstreik vom 14. Juni 2019 hat gezeigt, dass in der Schweiz weiterhin für die Lohngleichheit gekämpft werden muss. Gemäss dem BFS verdienen Männer in der Schweiz branchenübergreifend monatlich 819 Franken mehr als Frauen (Stand 2016). Die Revision des Gleichstellungsgesetzes verlangt, dass Unternehmen mit mehr als 100 Mitarbeitenden alle vier Jahre ihre Löhne auf Lohngleichheit untersuchen müssen. Es sind jedoch keinerlei Sanktionen vorgesehen. transfair hat bereits mit seinen Sozialpartnern vereinbart, dass sie eine solche Analyse durchführen, was sie auch tun. Die öffentlichen Unternehmen schneiden gut ab (die Lohnungleichheit liegt unter dem Toleranzwert von 5 Prozent). transfair setzt sich für eine absolute Gleichheit und für eine progressive Senkung der Toleranzschwelle ein. Dies soll sowohl für den öffentlichen als auch für den privaten Bereich gelten. Im Rahmen der Lohnverhandlungen 2020 und der bevorstehenden GAV-Verhandlungen wird der Personalverband auf diesen Punkt bestehen.

> Dossier gemeinsame Medienkonferenz mit Travail.Suisse, Syna und Hotel & Gastro Union
Einsatzbereiche
Vereinbarkeit Beruf und Familie, Service Public, Politik