Zunehmender Druck auf den Service Public, durchwachsene Lohnresultate

Zunehmender Druck auf den Service Public, durchwachsene Lohnresultate ©transfair
16.12.2019

Der wirtschaftliche und politische Druck auf die Finanzierung des Service Public hält weiterhin an. Die Last, die auf den Schultern der Mitarbeitenden im Service Public liegt, muss insbesondere durch angemessene Lohnmassnahmen kompensiert werden. Umstrukturierungen und Kostensenkungen im Personalbereich sind keine zuverlässige Strategie. Während das wirtschaftliche Umfeld 2019 floriert, fordert transfair reale und generelle Lohnerhöhungen. Die bis heute feststehenden Lohnresultate hinterlassen ein zwiespältiges Gefühl.

Die Resultate der Lohnverhandlungen reflektieren die Vielfalt der Branchen, in denen sich transfair, der Personalverband des Service Public, bewegt. Während einige Resultate positiv zu werten sind, werden andere den Erwartungen der Mitarbeitenden nicht gerecht. In zwei Branchen von transfair haben die Lohnverhandlungen noch nicht begonnen oder sind noch nicht abgeschlossen. Es ist daher schwierig, die Resultate 2020 definitiv zu beurteilen. Dennoch zeichnen sich Tendenzen ab.

transfair versucht, dem Trend zu individuellen Lohnerhöhungen entgegenzuwirken und reale, generelle Lohnerhöhungen zu erreichen. Reale deshalb, weil die Kaufkraft des Personals steigen muss. Und generelle, weil mit solchen Massnahmen das gesamte Personal am Unternehmenserfolg teilhaben kann. Es ist zu bedauern, dass derzeit trotz einiger Ausnahmen individuelle Massnahmen die Norm sind. Insbesondere, wenn Umstrukturierungen und Kostensenkungen im Service Public weiterlaufen. Unter anderem die Weiterentwicklung der Armee «WEA» in der öffentlichen Verwaltung und das Projekt «Papillon» bei PostAuto. Mit zunehmender Digitalisierung machen die Arbeitsformen einen tiefgreifenden Wandel durch. Es stellt sich die Frage nach der Tragfähigkeit gewisser Berufe im öffentlichen Bereich oder deren Wegfall. Die Sozialpartner von transfair müssen die Arbeitsmarktfähigkeit ihrer Mitarbeitenden gewährleisten, die unter wachsender Unsicherheit leiden. Gleichzeitig versucht der Personalverband, gemeinsam mit den Sozialpartnern zufriedenstellende Lösungen für die Finanzierung der Pensionskassen zu finden. Letztere geraten aufgrund der Senkung der Umwandlungssätze und des tiefen Zinsniveaus auf den Finanzmärkten in Schwierigkeiten.

Die Anzeichen der Schweizer Wirtschaft stehen gut. Für 2019 wird mit einer Teuerung von 0,5 Prozent und mit einem BIP-Wachstum von 0,8 Prozent gerechnet (das BIP-Wachstum 2020 wird auf 1,7 Prozent geschätzt). Die Grundversicherungsprämien der Krankenkassen sind 2019 um 1,1 Prozent gestiegen. transfair fordert seine Sozialpartner auf, diesen Aspekt bei den Lohngesprächen zu berücksichtigen.
 
Communication: die Mitarbeitenden haben Wertschätzung verdient
Bei Swisscom haben die Lohnverhandlungen Anfang Dezember 2019 begonnen. transfair fordert eine Erhöhung der Lohnsumme um 1,5 Prozent.

Swisscom kann auf qualifiziertes Personal zählen, dank dessen Leistungen das Unternehmen nachhaltige Ergebnisse erzielt: in den ersten drei Quartalen 2019 verzeichnet das Unternehmen einen Nettoumsatz von über 8 Milliarden Franken und einen Nettogewinn von über 1.1 Milliarde. Im Gegenzug darf das Personal ein deutliches Zeichen der Wertschätzung und reale und generelle Lohnerhöhungen für 2020 erwarten.
 
Die Worte «Umstrukturierung» und «Auslagerung» sind bei Swisscom Alltagsbegriffe geworden. transfair begleitet die Überführung von ca. 1000 Mitarbeitenden von Customer Field Services (Swisscom) zu cablex aufmerksam. Die strategischen Ziele des Bundesrates für bundesnahe Betriebe sehen vor, dass die Unternehmen auf dem Arbeitsmarkt als attraktive Arbeitgeber auftreten müssen, insbesondere um Talente zu gewinnen. Die Umstrukturierungen, die seit Jahren Tausende von Mitarbeitenden treffen, widersprechen diesem Ziel. Der Druck auf die Mitarbeitenden sowie das unsichere Umfeld, in dem sie sich bewegen, rechtfertigen reale und generelle Lohnerhöhungen.
 
Post/Logistik: die Resultate werden 2020 vorliegen
Der Druck auf das Postpersonal nimmt ständig zu. Bei PostLogistics AG zum Beispiel stellt das steigende Paketvolumen die Mitarbeitenden hart auf die Probe. Die geleisteten Überstunden sowie der erhöhte Flexibilitätsbedarf bei der Post schaden den Mitarbeitenden und spiegeln eine anspruchsvolle Arbeitsumgebung wider. Es ist an der Zeit, das Personal zu belohnen.

Die aktuell gültigen GAV Post (Post CH AG, PostFinance AG und PostAuto AG) sehen vor, die Lohnmassnahmen im April umzusetzen und jedes Jahr mindestens 0,4 Prozent der Gesamtlohnsumme für Lohnmassnahmen zur Verfügung zu stellen. Dies unabhängig von der Jahresteuerung. Die Lohnverhandlungen haben Anfang Dezember 2019 begonnen. Angesichts der guten Resultate, die die Schweizerische Post auch dieses Jahr wieder ausweisen wird, fordert transfair den vollen Teuerungsausgleich. Die guten Leistungen des Personals sollen ausserdem mit realen und generellen Massnahmen belohnt werden. Für transfair ist die Frage des Ertrags aus dem Sparkapital der Pensionskasse Post ebenfalls ein wichtiger Indikator. Wenn der Zinssatz zu niedrig ist, müssen die Löhne zum Ausgleich ansteigen, damit das gewünschte Leistungsziel erreicht werden kann. Die 2018 eingeführte Lohnmatrix hat sich bewährt, insbesondere was den Ausgleich des Lohnniveaus von Frauen und Männern betrifft. transfair wünscht, dass dieses System der Aufteilung auf der Grundlage eines obligatorischen und eines individuellen Teils beibehalten wird.

transfair verhandelt derzeit den neuen GAV Post CH AG. Arbeitszeitplanung (Teilzeit), Vereinbarkeit von Berufs- und Familienleben sowie Weiterbildung sind zentrale VerhaVielfalt der Branchenndlungsthemen. transfair fordert, dass die steigenden Krankenkassenprämien automatisch in den Lohnverhandlungen berücksichtigt werden. Die GAV PostFinance AG und PostAuto AG werden im Frühling 2020 neu verhandelt.

Öffentlicher Verkehr: durchwachsene Resultate
Die ab 2016 im Rahmen des Stabilisierungspakets der Pensionskasse SBB vorgesehenen Massnahmen gelten auch für 2020. Weil die Jahresteuerung 2019 1,2 Prozent nicht übersteigt, wird auf Lohnverhandlungen verzichtet. Seit 2016 und bis 2020 werden 0,8 Prozent der Lohnsumme für individuelle Lohnmassnahmen eingesetzt. Für junge Mitarbeitende im Lohnaufstieg kommen zu diesen 0,8 Prozent zusätzliche 0,15 Prozent hinzu. Davon profitieren die Mitarbeitenden in den zwei niedrigsten Lohnbändern.

Bei den regionalen Transportunternehmen werden die seit Jahren andauernden individuellen Massnahmen dieses Jahr durch ein paar gute Beispiele mit generellen Lohnerhöhungen relativiert. Bei TMR erhält das Personal für 2020 eine vielversprechende generelle Lohnerhöhung von 1,8 Prozent. transfair freut sich auch über das Resultat bei BLS: das Unternehmen gewährt 0,5 Prozent generell als Teuerungsausgleich sowie eine einmalige Prämie für die Mitarbeitenden unter GAV, berechnet nach dem Beschäftigungsgrad. Mit diesem System erhalten Vollzeitangestellte bis zu 1100 CHF. Ein Vollzeitangestellter mit einem Jahreseinkommen von 80'000 CHF erhält eine generelle Lohnerhöhung von 400 CHF (0,5 Prozent) und eine Einmalprämie von 700 CHF (insgesamt 1100 CHF). Dieses Resultat ist von grosser Bedeutung, denn die letzte generelle Lohnerhöhung bei BLS geht auf das Jahr 2012 zurück. Im Rahmen des Lohnanstiegs gewährt BLS ausserdem 1,1 Prozent individuell.

Bei den regionalen Transportunternehmen sind generelle Lohnerhöhungen bei weitem noch nicht die Norm. Bei RhB wird 1 Prozent der Lohnsumme für individuelle Massnahmen eingesetzt. Securitrans gewährt 2020 0,9 Prozent und die MGB 0.8 Prozent individuell.

 Öffentliche Verwaltung: ein zufriedenstellender Kompromiss
2020 erhalten die Bundesangestellten eine generelle Lohnerhöhung von 1 Prozent. Neben dem Teuerungsausgleich kommt das Bundespersonal dementsprechend in den Genuss einer realen Lohnerhöhung von 0,5 Prozent. transfair hatte eine generelle Lohnerhöhung von 2 Prozent gefordert, denn der Bund hat für 2018 einen ausgezeichneten Rechnungsabschluss mit einem Überschuss von 2,9 Milliarden Franken präsentiert. Die ursprüngliche Forderung von transfair war daher gerechtfertigt. Aber der Personalverband weiss: für 2020 wurde erreicht, was möglich war.
 
Diese reale Lohnerhöhung ist mehr als verdient. Die Lohnentwicklung beim Bund ist im Rückstand. Seit Jahren liegen die generellen Lohnerhöhungen in diesem Bereich unter denjenigen der Privatwirtschaft. Es war also höchste Zeit für eine Reallohnerhöhung. Die Hochrechnungen für 2019 sehen einen Überschuss von 1 Milliarde Franken vor. Mit einem geplanten Überschuss von 0,5 Milliarde Franken sollte sich auch das Budget 2020 positiv darstellen. Auch wenn transfair das bestmögliche Resultat erzielt hat, ist der Personalverband der Meinung, dass es angesichts der mageren Lohnentwicklung der vergangenen Jahre beim Bund Spielraum für eine grössere Erhöhung gegeben hätte.
 
Bei den ETH waren die Forderungen für 2020 ähnlich wie beim Bund. Der ETH-Rat hat dem Personal des ETH-Bereichs eine generelle Lohnerhöhung von 1 Prozent garantiert. Neben dem Teuerungsausgleich erhalten die Mitarbeitenden also eine reale Lohnerhöhung von 0,5 Prozent.

> tabellarische Übersicht der Lohnresultate
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