Vaterschafts- und Elternurlaub: Bund verpasst Chance – Lösungen auf sozialpartnerschaftlichem Weg gefragt

Vaterschafts- und Elternurlaub: Bund verpasst Chance – Lösungen auf sozialpartnerschaftlichem Weg gefragt © Francesca Schellhaas / photocase.com
30.10.2013

Mit seinem ablehnenden Entscheid zum Vaterschafts- und Elternurlaub verpasst es der Bundesrat, seinen Beitrag zur Verbesserung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu leisten. transfair bedauert diesen mutlosen Entscheid. Damit bleibt weiterhin einzig der sozialpartnerschaftliche Weg, um Vätern einen Vaterschaftsurlaub zu ermöglichen. transfair hat bereits Verbesserungen erzielt, weitere Forderungen sind vorbereitet.

Der Bundesrat hätte heute ein starkes Bekenntnis zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf leisten können. Nicht weniger als acht Modelle standen in einem Bericht des EDI zur Auswahl, um einen Vaterschafts- oder Elternurlaub gesetzlich zu verankern. Zum grossen Bedauern von transfair hat der Bundesrat diese Chance verpasst. Seine mutlose Ablehnung des Berichtes zeugt von wenig Sensibilität gegenüber den gewandelten Bedürfnissen der Gesellschaft.

Denn das Rollenverständnis in den Familien von heute hat sich deutlich verändert – dies zeigt unter anderem auch die steigende Verbreitung von Vaterschaftsurlauben in Gesamtarbeitsverträgen. Kindererziehung ist nicht mehr nur Sache der Mutter, auch der Vater hat einen Anspruch darauf, mehr Zeit mit seiner Familie zu verbringen. Gerade in den ersten Tagen und Wochen nach der Geburt ist zudem der Bedarf an Unterstützung – physisch wie psychisch – in jungen Familien besonders gross. Hier ist ein grosszügig ausgebauter Vaterschaftsurlaub besonders wichtig, um es Vätern zu ermöglichen, in diesen wichtigen Tagen zuhause bei ihren Familien zu sein.

Bereits im letzten Jahr konnte transfair in den Gesamtarbeitsverträgen von Swisscom, cablex und ITS sowie im Bundespersonalgesetz einen Vaterschaftsurlaub von 10 Tagen verankern. Doch transfair gibt sich damit noch nicht zufrieden. In den laufenden Verhandlungen über den neuen Gesamtarbeitsvertrag der Post liegt neben weiteren Forderungen zur Verbesserung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf auch eine Forderung von transfair nach einem Ausbau des Vaterschaftsurlaubes auf dem Tisch. Auch an den kommenden Lohnverhandlungen mit der Bundesverwaltung wird transfair einen einmonatigen unbezahlten Vaterschaftsurlaub als Ergänzung zum bestehenden bezahlten Vaterschaftsurlaub fordern. Der Bundesrat hat seine Chance verpasst – transfair aber ist bereit!