Lohnverhandlungen in einem angespannten Service Public

Lohnverhandlungen in einem angespannten Service Public © transfair
11.08.2015

In einem wirtschaftlich und politisch angespannten Service Public ist der Handlungsspielraum für Lohnforderungen begrenzt. transfair wird sich gegen die Angriffe wehren, die den Service Public einschränken wollen und letztlich durch die Mitarbeitenden getragen werden müssen. Dort, wo Produktivitätssteigerungen erzielt werden, wird transfair auf eine Beteiligung der Mitarbeitenden in Form von Lohnmassnahmen beharren.

Das wirtschaftliche Umfeld ist eindeutig ungünstig für Lohnforderungen. Auch bestehen grosse Unterschiede in den Branchen, in denen der Personalverband transfair sich einsetzt. Generelle Lohnforderungen scheinen schwer erreichbar, wenn gleichzeitig mit einzelnen Sozialpartnern Massnahmen aufgrund der Frankenstärke oder in Folge von Pensionskassensanierungen ausgehandelt werden müssen. Dies ist insbesondere bei den Unternehmen des öffentlichen Verkehrs der Fall, wo überdies noch die finanziellen Mittel der öffentlichen Hand eingeschränkt werden. Für das Bundespersonal weht ein rauer Wind: Der Bundesrat will in den nächsten Jahren flächendeckend sparen. Trotz einem positiven ersten Quartalsergebnis widerspiegelt sich bei der Schweizerischen Post das wirtschaftliche Umfeld im vorhandenen Margendruck. Im Zuge der GAV-Verhandlungen konnten jedoch bereits Lohnmassnahmen für das Jahr 2016 vereinbart werden. Gleichwohl ist auch in der Branche Communication nebst der allgemeinen wirtschaftlichen Lage der Gewinndruck spürbar.

Auch das politische Umfeld prägt den Lohnherbst. Im neu zu wählenden Parlament stehen Debatten an, bei denen der flächendeckende und qualitativ hochwertige aber auch kostspielige Service Public unter Beschuss gerät. Dabei handelt es sich beispielsweise um die Revision des Gütertransportgesetzes, die Marktöffnung im Postbereich oder auch um parlamentarische Vorstösse zur Begrenzung der Personalausgaben. Entschieden wird transfair die Angriffe auf den Service Public abwehren und die Arbeitsbedingungen der Mitarbeitenden verteidigen.

Neben den eigentlichen Lohnforderungen ist es für transfair deshalb ein Anliegen weitere Themen in die Verhandlungen einzubeziehen. So wird etwa der Fachkräftemangel ein Thema sein: Die Sozialpartner und die Politik sind aufgefordert, die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu begünstigen und der Förderung der internen Nachfolgeplanung wie auch der Weiterbildung noch vermehrt Beachtung zu schenken. transfair wird sich ausserdem dafür einsetzen, dass die Anwendungsbereiche der GAV nicht unter dem Vorwand von mehr Flexibilität im Kontext des Fachkräftemangels eingeschränkt werden.

Communication: Produktivitätszuwachs unter der Lupe

Im Hinblick auf die Lohnforderungen bei Swisscom will transfair den Produktivitätszuwachs des Unternehmens unter die Lupe nehmen. In der Branche Communication, geprägt vom rasanten technologischen Wandel, den Veränderungen im Konsumverhalten und dem Druck auf die Erträge, wird von den Mitarbeitenden immer mehr erwartet. Lohnanpassungen sollen deshalb auch anhand der Produktivitätsentwicklung eingebracht werden. Im wandelnden Marktumfeld hat Swisscom bereits Diversifizierung und Investitionen in verschiedenen Geschäftsfeldern des Unternehmens angekündigt. Für transfair ist es wichtig, dass die Mitarbeitenden von Swisscom davon profitieren.

Mit der Harmonisierung des GAV Swisscom IT Services und dem GAV Swisscom im April 2015 konnte die arbeitsrechtliche Situation für rund 13‘000 Mitarbeitenden stabilisiert werden. Im Hinblick auf kommende Restrukturierungen innerhalb von Swisscom und im Sinne der Garantie von stabilen Arbeitsbedingungen ist transfair bereit, den bestehenden GAV auf ein Jahr – bis Ende 2017 – zu verlängern. Eine besondere Aufmerksamkeit richtet transfair zudem auf die Umsetzung der neuen Stellenarchitektur «Claire», wobei der Grundsatz gilt, dass sich der Lohn trotz wechselnder Einstufung nicht ändern darf.

Post/Logistik: Ergebnisse liegen bereits vor

Der neue GAV Post tritt per 1.1.2016 in Kraft und vereint unter einem Dach die verschiedenen Konzernunternehmen der Post. Die bestehenden Löhne werden ohne Lohnabbau in den neuen GAV überführt. In den letzten Verhandlungsrunden konnten ebenfalls die Lohnmassnahmen für 2016 vereinbart werden. Bei Post und PostFinance sind individuelle Lohnmassnahmen von 0.6% und eine generelle Einmalzahlung verhandelt worden. Bei PostAuto AG sind es individuelle Lohnmassnahmen von 0,4%. Diese Lohnmassnahmen decken bereits rund 90% der Mitarbeitenden der Post und von PostAuto ab, respektive 75% bei PostFinance. Neu werden nicht nur die generellen, sondern auch die individuellen Lohnmassnahmen in den Lohn eingebaut.

transfair begrüsst, dass das GAV-Niveau und die Lohnentwicklung gehalten werden konnten, trotz unsicheren Zeiten und strukturellem Wandel im Postmarkt. Der Margendruck ist spürbar in verschiedenen Geschäftsfeldern der Schweizerischen Post, wie etwa bei PostMail und Poststellen und Verkauf. Das marktwirtschaftliche Umfeld wird auch die Lohnverhandlungen bei den weiteren Unternehmen im Postmarkt prägen, bei denen Lohngespräche vorgesehen sind.

Öffentlicher Verkehr: Lohn- und Arbeitsplatzgarantie trotz Frankenstärke

Auch bei der SBB wurden Lohnmassnahmen bereits mehrjährig definiert, dies im Rahmen des Stabilisierungspakets der Pensionskasse SBB. Individuelle Lohnmassnahmen in der Höhe von 0.8% der Lohnsumme pro Jahr wurden für das Lohnsystem bis und mit 2020 gesichert. Eine generelle Lohnerhöhung käme erst in Frage, wenn die Teuerung über 1,2% steigt. Die angespannte Situation bei einigen Pensionskassen schmälert die Rolle der eigentlichen Lohnverhandlungen und branchenweit können Forderungen nach generellen Lohnerhöhungen auch nur dort angebracht werden, wo Produktivitäts- und Effizienzfortschritte effektiv erzielt werden.

Zudem fällt die Frankenstärke bei SBB Cargo International ins Gewicht, wo eine Arbeitszeitverlängerung vereinbart wurde. Im Gegenzug wird der GAV um ein Jahr verlängert sowie die Lohn- und Arbeitsplatzgarantie zugestanden.

Angesichts dessen wird transfair sich im Lohnherbst dafür einsetzen, dass die grosse Mehrheit des Personals im öffentlichen Verkehr von individuellen Lohnerhöhungen profitieren kann. transfair wird sich auch gegen jegliche Angriffe auf das Lohnniveau im Schweizer Bahnumfeld wehren.

Öffentliche Verwaltung: flächendeckende Sparmassnahmen

Einmal mehr zielt die Politik auf das Personal der Bundesverwaltung: Gefordert wird das Einfrieren des Personalbestands und eine Begrenzung des Wachstums der Personalausgaben. Noch vor den Wahlen und der Sommerpause lenkte der Bundesrat ein und kündete anlässlich des Voranschlags 2016 weitere flächendeckende Sparmassnahmen an. Nachdem im Frühjahr dieses Jahres vom Bundesrat bereits Einsparungen von rund 100 Millionen Franken in Aussicht gebracht wurden, doppelte er noch nach, indem er die Sparabsichten auf 165 Millionen Franken erhöhte. Folglich wurde aus der ersten Runde der Lohnverhandlungen mit Finanzministerin Eveline Widmer-Schlumpf eine Diskussion über mögliche Massnahmen zur Konkretisierung der Sparanstrengungen des Bundesrates. Generelle Lohnmassnahmen sind somit vom Tisch.

Der Fokus der weiteren Gespräche mit Finanzministerin Eveline Widmer-Schlumpf wird deshalb auf das konkrete Ausmass sowie die Ausgestaltung der Sparbemühungen beim Bundespersonal liegen. Damit Politikerinnen und Politiker den Mitarbeitenden der Bundesverwaltung nicht in den Rücken fallen, wird transfair weiterhin Überzeugungsarbeit leisten und den Service Public verteidigen. Wir wollen verhindern, dass ein Kahlschlag in der Personalpolitik die Arbeitsplätze und -bedingungen gefährdet.

Ein weiteres Thema, das transfair vorantreiben wird, betrifft die Vereinbarkeit von Beruf und Familie, zu der sich der Bund auch explizit in seiner Personalstrategie bekennt. Die diesjährige Personalumfrage zeigt, dass die Angebote für eine bessere Vereinbarkeit nicht selten nur auf dem Papier existieren. Der Zugang und die effektive Nutzung der bestehenden Angebote sollen deshalb verbessert werden.
Einsatzbereiche
Vereinbarkeit Beruf und Familie, Service Public