Lohnresultate 2021: Die Corona-Krise hebt die existenzielle Bedeutung des Service Public hervor

Lohnresultate 2021: Die Corona-Krise hebt die existenzielle Bedeutung des Service Public hervor © transfair
21.12.2020

Dieses Jahr ging der stete wirtschaftliche und politische Druck auf den Service Public mit zusätzlichem Druck aufgrund der Gesundheitskrise einher. Das Coronavirus hat die gesellschaftlichen Strukturen erschüttert; der Service Public aber hat standgehalten. Dank dem Einsatz seines Personals hat er sich erneut als tragenden Pfeiler positioniert. Angesichts der angespannten Situation hat transfair Vernunft walten lassen und seine Forderungen entsprechend angepasst. Der Personalverband setzt dennoch alles daran, gute Lohnresultate zu erzielen.

Hervorzuheben ist das ausserordentliche Engagement des Service Public während der Coronakrise. „Die Päckli-Pöstlerin, der Kundenbegleiter, die Swisscom-Angestellte oder das Grenzwachkorps – sie alle haben ihren Teil geleistet. Die Angestellten des Service Public müssen die nötige Wertschätzung erhalten, auch in Form von Lohnerhöhungen“, sagt Greta Gysin, Co-Präsidentin des Personalverbandes transfair.

Die Ergebnisse der Lohngespräche reflektieren die Vielfalt der Branchen, in denen sich transfair, der Personalverband für Arbeitnehmende im Service Public, bewegt. Der Personalverband ist sich bewusst, welchen wirtschaftlichen Schwierigkeiten die Unternehmen seit Beginn der Corona-Krise begegnen. In den Branchen von transfair waren die Arbeitsplätze gesichert, denn Arbeit war zum grossen Teil weiterhin vorhanden. Die besondere Situation im Hinblick auf die Corona-Krise hat den Lohnherbst jedoch erheblich erschwert. Dementsprechend kompliziert ist es, eine definitive Analyse der Lohnresultate 2021 vorzunehmen, denn in einer Branche von transfair sind die Verhandlungen noch nicht abgeschlossen. Es lassen sich jedoch Trends erkennen. Auch wenn vereinzelt individuelle Lohnmassnahmen erzielt werden konnten, ist das Ergebnis durchzogen.

Das ausserordentliche Engagement der Angestellten im Service Public seit Beginn der Corona-Krise muss hervorgehoben werden. Trotz Gesundheitsrisiken hat das Personal die Grundversorgung aufrechterhalten. Die Mitarbeitenden der Branchen Öffentlicher Verkehr, Öffentliche Verwaltung, Communication und Post/Logistik haben sich als äusserst krisenfest erwiesen. Die Bus-, Tram- und Zugfahrerinnen und -fahrer zum Beispiel haben die öffentliche Verkehrsanbindung jederzeit sichergestellt. Die Grenzwache hat für die angeordnete Schliessung und Kontrolle der Grenzen gesorgt. Die Zustellerinnen und Zusteller von PostLogistics mussten 2020 eine Rekordmenge an Paketen bewältigen und haben zu Spitzenzeiten nicht weniger als 1,2 Millionen Pakete pro Tag ausgeliefert. Dank dem Engagement des Swisscom-Personals konnten zahlreiche Unternehmen sicher im Homeoffice arbeiten (Datenschutz, Bekämpfung der Internetkriminalität). Mit der überstürzten Einführung der Arbeit im Homeoffice und der schwierigen Vereinbarkeit von Beruf und Familie haben die Mitarbeitenden im Service Public ausserdem ihre Flexibilität unter Beweis gestellt. transfair fordert deshalb eine höhere Wertschätzung des Personals im Service Public, insbesondere auf politischer Ebene.

Nebst diesen Schwierigkeiten wehrt sich transfair weiterhin gegen Sparprogramme im Service Public. Dazu gehören die angekündigte Streichung von 130 Vollzeitstellen bei PostFinance, aber auch die laufenden Abbau- und Auslagerungsprojekte bei Swisscom. Die Digitalisierung schreitet weiter fort und die Arbeitsformen verändern sich. transfair ist der Ansicht, dass die Sozialpartner Verantwortung für die Arbeitsmarktfähigkeit ihres Personals übernehmen müssen. Gleichzeitig sucht der Personalverband gemeinsam mit seinen Sozialpartnern nach Lösungen für die Finanzierung der Pensionskassen.

Öffentlicher Verkehr: hauptsächlich individuelle Massnahmen

Das Personal im öffentlichen Verkehr (öV) hat bewiesen, dass es auch in Krisenzeiten einen regelmässigen Fahrplan aufrechterhalten kann. Um dieses Ziel zu erreichen, musste das Personal an vorderster Front, wie beispielsweise das Zug-, Schalter- und Reinigungspersonal oder die Lokführerinnen und -führer sowie die Busfahrerinnen und Busfahrer, besonders schwierige Arbeitsbedingungen auf sich nehmen. Auch den Einsatz der Mitarbeitenden im Homeoffice gilt es zu unterstreichen. Das wichtige Gesetz über die finanzielle Unterstützung des öV und des Schienengüterverkehrs, das das Parlament im Herbst 2020 verabschiedete, sieht die Bereitstellung von 900 Millionen Franken für diese Branche vor, die finanziell leidet. In diesem Zusammenhang hat transfair auf generelle Lohnforderungen verzichtet. Aber die bisher vereinbarten individuellen Massnahmen müssen umgesetzt werden.

Bei den GAV-Verhandlungen mit SBB und SBB Cargo von 2018 hatten sich die Sozialpartner über die jährlichen Lohnmassnahmen bis 2022 geeinigt. Für das Jahr 2021 waren 0,9 Prozent der Lohnsumme für individuelle Lohnmassnahmen vorgesehen. Zusätzlich dazu sollten 0,15 Prozent für junge Mitarbeitende bei ihrer Lohnentwicklung zur Verfügung stehen. Davon profitieren Mitarbeitende aus den beiden untersten Gehaltsklassen. Aufgrund der Corona-Krise hatten SBB und SBB Cargo um Verhandlungen zu personalrelevanten Sparmassnahmen gebeten. In diesen haben die beiden Unternehmen diese Vereinbarung in Frage gestellt und neue, minderwertige Massnahmen vorgeschlagen, die für transfair unzureichend sind.

Nach harten Verhandlungen ist transfair einen «Spardeal» für 2021 eingegangen. In beiden Unternehmen werden 0,3 Prozent der Lohnsumme für individuelle Lohnanstiege für die GAV-Anforderungsniveaus A bis I gewährt. Ausserdem erhält das Personal unter bestimmten Bedingungen eine Corona-Prämie in Form einer Einmalzahlung (200 Franken für Mitarbeitende mit einem Beschäftigungsgrad über 50 Prozent, 100 Franken bis 49 Prozent). Für die Lohnentwicklung junger Mitarbeitenden ist hingegen keine Massnahme vorgesehen. Im Gegenzug haben die Parteien vereinbart, den aktuellen GAV SBB um drei Jahre, vom 1. Mai 2022 bis zum 30. April 2025 zu verlängern. Der GAV Cargo wird vom 1. Mai 2022 bis Ende Dezember 2023 verlängert. transfair ist sich bewusst, dass das Personal auf viel verzichtet. In diesen unsicheren und turbulenten Zeiten bringt die Verlängerung dieser GAV aber eine willkommene Stabilität.

Bei der BLS werden 0,9 Prozent der Lohnsumme 2021 und 2022 für individuelle Massnahmen eingesetzt. Ausserdem wird die BLS ab 1. Januar 2022 im Rahmen der Harmonisierung der Sparbeiträge (60 Prozent Arbeitgeber, 40 Prozent Arbeitnehmende) 2,5 Millionen Franken in die Pensionskasse einbezahlen. Die SOB wird 1,4 Prozent der Lohnsumme für verschiedene Anpassungen des Lohnsystems und für die Pensionskasse einsetzen. Bei der RhB begrüsst transfair die Einhaltung der 2019 für zwei Jahre beschlossenen Massnahme: 1 Prozent der Lohnsumme wird 2021 für individuelle Massnahmen eingesetzt. Die MGB gewährt 0,6 Prozent individuell und überweist 300'000 CHF an die Pensionskasse, während login individuell 0,2 Prozent gewährt. Auch Thurbo gewährt 0,7 Prozent individuell. Bei TPF, TMR und CJ konnte transfair erreichen, dass die in den verschiedenen GAV und Firmenarbeitsverträgen vorgesehenen Lohnmechanismen zur Anwendung kommen.

Öffentliche Verwaltung: transfair konzentriert sich auf den Vaterschaftsurlaub

transfair würdigt den Einsatz des Bundespersonals. Die Mitarbeitenden wurden teilweise von heute auf morgen ins Homeoffice geschickt oder mussten an vorderster Front weiterarbeiten. Sie haben Anerkennung verdient. Der Personalverband hebt namentlich die Bereitschaft der besonders betroffenen Mitarbeitenden hervor: Militärpersonal und das Grenzwachkorps haben unsere Grenzen beschützt, sind aber auch dem Gesundheitspersonal zur Seite gestanden. Die Mitarbeitenden im Bundesamt für Gesundheit haben Schutzmassnahmen gegen das Coronavirus erarbeitet. Wie in anderen Bundesämtern hat das Personal im Staatssekretariat für Wirtschaft Tag und Nacht an der Vorbereitung von Notverordnungen gearbeitet. Arbeit war vorhanden und die Arbeitsplätze gesichert.
 
Bei den Lohnverhandlungen mit dem Bund hat sich transfair angesichts der schwierigen wirtschaftlichen Situation zurückhaltend geäussert. Der Personalverband hat sich an den in Absprache mit seinen Mitgliedern getroffenen Entscheid, keine Lohnforderungen zu stellen, gehalten. Im Gegenzug hat der transfair die Erhöhung des Vaterschaftsurlaubs von 10 auf 20 Tage gefordert. Dies entspricht dem ursprünglichen Ziel der Volksinitiative von transfair und Travail.Suisse für 20 Tage Vaterschaftsurlaub. Es wäre ein wichtiger Erfolg für transfair sowie ein grosser Schritt in Richtung bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Auch bei den ETH gilt es, die geleistete Arbeit und die Anpassungsfähigkeit der Mitarbeitenden hervorzuheben. Wie beim Bund, gibt es dieses Jahr keine generellen Lohnmassnahmen. Aber wie jedes Jahr werden 1,2 Prozent der Lohnsumme individuell verteilt.

Communication: das Personal hat zum Unternehmenserfolg beigetragen

Bei Swisscom haben die Lohngespräche im November 2020 begonnen. transfair hat eine generelle Lohnerhöhung von 0,8 Prozent gefordert. Die Branche ist gut durch die Krise gekommen und die Zahlen sind positiv. Diese Forderung war gerechtfertigt. Der Personalverband ist stolz, ein Resultat bekanntgeben zu können, welches dieser Forderung gerecht wird. Das Swisscom Personal im GAV erhält per 1. April 2021 eine gerenelle Lohnerhöhung von 0,8 Prozent sowie eine Einmalzahlung je nach Lohnband. In den Verhandlungen wurde ausserdem vereinbart, den aktuellen GAV, der Ende Juni 2021 ausläuft, um ein Jahr zu verlängern. Diese Entscheidung, die in gegenseitigem Vertrauen getroffen wurde, lässt ausreichend Zeit für die GAV-Erneuerung.

Swisscom kann sich auf zuverlässiges Personal verlassen. Trotz der Krise haben die Mitarbeitenden die Grundleistungen der Telekommunikation gewährleistet. Sie haben eine beispielhafte Solidarität bewiesen, sei es im Homeoffice oder an der Front. So blieben die Swisscom Shops während der ersten Welle geöffnet und das Personal von cablex arbeitete nach wie vor bei den Kunden zuhause. Dank diesen Leistungen konnte Swisscom ihre finanziellen Perspektiven für 2020 trotz der Pandemie bestätigen: über das Jahr erzielt das Unternehmen einen Umsatz von mehr als 11 Milliarden Franken sowie einen Nettogewinn von über 1,5 Milliarde Franken.  Im Gegenzug durfte das Personal ein deutliches Zeichen der Wertschätzung und diese generellen, realen Lohnmassnahmen für 2021 erwarten.
 
Umso mehr als die Begriffe «Abbau» und «Auslagerung» im Swisscom-Jargon weiterhin präsent sind. Wie in den Vorjahren laufen die Umstrukturierungsmassnahmen weiter, und transfair begleitet den Prozess im Interesse der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Der Druck auf das Personal sowie die Unsicherheit rechtfertigen generelle und reale Lohnmassnahmen.

Post/Logistik: ein unermüdlicher Einsatz

Schon vor der Corona-Krise musste das Postpersonal steigende Leistungsanforderungen erfüllen. Die Angestellten haben die Grundversorgung im Postbereich seit Beginn der Pandemie aufrechterhalten. Trotz Gesundheitsrisiken und einer teilweise deutlichen Zunahme der Arbeitsbelastung hat das Personal in allen Bereichen einen ausserordentlichen Einsatz geleistet. transfair begrüsst insbesondere das beispielhafte Engagement der Mitarbeitenden an der Front, die bis zum Jahresende wegen Coronavirus und der Weihnachtszeit unter schwersten Bedingungen arbeiten müssen (Paket- und Briefzustellung, Schalterpersonal usw.). Obwohl die wirtschaftliche Situation für Lohnerhöhungen nicht günstig ist, ist transfair der Ansicht, dass das Personal für die geleistete Arbeit belohnt werden soll.

Die aktuell gültigen GAV Post (Post CH AG, PostFinance AG und PostAuto AG) sehen vor, die Lohnmassnahmen im April umzusetzen und jedes Jahr mindestens 0,4 Prozent der Gesamtlohnsumme für Lohnmassnahmen zur Verfügung zu stellen. Dies unabhängig von der Jahresteuerung. Die Lohnverhandlungen haben im Dezember 2020 begonnen und sind immernoch im Gange. transfair fordert eine Erhöhung der Lohnsumme um 1,2 Prozent sowie den Beibehalt der 2018 eingeführten Lohnmatrix. Diese hat sich bewährt, insbesondere was den Ausgleich des Lohnniveaus von Frauen und Männern betrifft. Ausserdem braucht es für das Personal ein deutliches Zeichen der Wertschätzung, zum Beispiel in Form von zusätzlichen Ferientagen. Allgemein fordert der Personalverband, dass das Postpersonal wieder zu einem angemessenen Arbeitsrhythmus zurückfindet.

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