Lohnforderungen in einem digitalen Umfeld

Lohnforderungen in einem digitalen Umfeld © transfair
09.08.2018

Die Digitalisierung ist und bleibt ein Schwerpunktthema. Das Phänomen führt in den öffentlichen Unternehmen zu Umstrukturierungen, die zu Lasten des Personals gehen. Der Personalverband setzt sich für mehrheitlich generelle Lohnerhöhungen ein. transfair erwartet, dass die öffentlichen Unternehmen ihren Angestellten, die sich im Alltag für die Qualität des Service Public engagieren, ein deutliches Zeichen der Wertschätzung geben.

Verschiedene Fragen, die auch bei den letztjährigen Lohnforderungen im Vordergrund standen, sind immer noch aktuell: Die Berücksichtigung der Krankenversicherungsfrage bei den Lohnverhandlungen im Herbst und die Förderung von mehrheitlich generellen Lohnmassnahmen. Die Situation der Pensionskassen wird ebenfalls zur Sprache kommen. Die Digitalisierung verändert die Arbeitswelt grundlegend: Umstrukturierungen, Outsourcing, Stellenabbau, veränderte Arbeitsmethoden und Ausschluss von nicht ausreichend qualifizierten Mitarbeitenden.

Für transfair ist es an der Zeit, dass die Arbeit des Personals im Service Public gewürdigt wird und dass es mit Lohnerhöhungen im Hinblick auf die anstehenden Herausforderungen gefördert wird. Ausserdem soll die Teuerung 2018 (+1 Prozent) ausgeglichen werden, damit die Angestellten des Service Public nicht an Kaufkraft verlieren. Das positive Wachstum (+ 2,4 Prozent des BIP) der Schweiz zeigt, dass das Umfeld für überwiegend generelle Lohnmassnahmen förderlich ist.

Diese Überlegungen bewegen transfair dazu, für die Mitarbeitenden der Branchen Communication, Post/Logistik, Öffentlicher Verkehr und Öffentliche Verwaltung, die stark von der Digitalisierung betroffen sind und unter Druck gesetzt werden, wohl verdiente Lohnmassnahmen zu fordern!

Communication: Das Personal soll am Gewinn teilhaben
Für 2018 haben die Sozialpartner eine zum Teil generelle Erhöhung der Lohnsumme um 1,1 Prozent erreicht. transfair begrüsst dieses Resultat. Der Jahresabschluss 2017 von Swisscom ist sehr gut. Das Unternehmen hat mehr als 11 Milliarden Franken Umsatz erwirtschaftet und weist einen Nettogewinn von über 1.5 Milliarden Franken aus. transfair fordert, dass dieser Produktivitätsgewinn an die Mitarbeitenden weitergegeben wird. Die genauen Forderungen für Swisscom werden im kommenden Herbst festgelegt. Dies unter Berücksichtigung der gegenwärtigen Wirtschaftslage.

Im Zeitalter der Digitalisierung scheint Swisscom mit Outsourcing die ideale Methode gefunden zu haben, um die Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten. Dies bemerkt transfair dadurch, dass laufend Stellen gestrichen werden. Tausende Personen sind von Umstrukturierungen betroffen, die zur Produktivitätssteigerung beitragen. Es ist daher durchaus legitim, dass das Personal ebenfalls davon profitiert. transfair fordert ein positives und deutliches Signal vom Arbeitgeber und zwar in Form einer Lohnerhöhung.

Die Sozialpartner haben die Verhandlungen zum neuen Gesamtarbeitsvertrag (GAV) Swisscom, der am 1. Juli 2018 in Kraft getreten ist, abgeschlossen. transfair freut sich über den Erfolg dieses GAV und begrüsst, dass die Forderungen zum Thema Digitalisierung berücksichtigt wurden. Alle Swisscom-Mitarbeitenden haben nun Anspruch auf 5 Tage Weiterbildung. Ausserdem wurde die Vereinbarkeit von Beruf und Familie verbessert: Alle Angestellten haben das Recht, in ihrer Freizeit nicht erreichbar zu sein und der Vaterschafts- sowie der Mutterschaftsurlaub wurden verlängert.

Post/Logistik: Gerechtfertigte Lohnerhöhungen
2018 wird 1 Prozent der Lohnsumme für individuelle Massnahmen zugunsten der Mitarbeitenden von Post CH AG eingesetzt, und es werden Einmalprämien von bis zu 600 Franken gewährt. Eine neue Lohnmatrix wurde eingeführt. Sie sieht vor, die Lohnsumme der Mitarbeitenden in einen obligatorischen und einen individuellen Teil zu unterteilen. Dieses neue System führt dazu, dass Angestellte im unteren Teil des Lohnbandes die höchsten Lohnerhöhungen erhalten. Ein positives Signal auch zugunsten der Lohngleichheit, ist doch der Frauenanteil in diesem unteren Bereich besonders hoch. Für 2019 wird transfair generelle Lohnforderungen stellen.

Die Post steht im Wandel, zahlreiche Abbauprojekte sind im Gang. Der Personalbestand wird reduziert, so zum Beispiel bei PostFinance, wo bis 2020 500 Vollzeitstellen gestrichen werden. Zusätzlich zum Sozialplan haben die Sozialpartner flankierende Massnahmen verhandelt. Die Umstrukturierungsprozesse sorgen für Frust beim Personal. transfair beabsichtigt, bereits 2019 in die Verhandlungen mehrerer GAV einzusteigen, darunter die GAV Post CH AG, PostAuto AG und PostFinance AG. Neue Themen werden auf den Verhandlungstisch gebracht, wie die Berücksichtigung steigender Krankenkassenprämien in den Lohnmassnahmen.

Bis jetzt war 2018 von der PostAuto-Affäre geprägt. Berechtigterweise fordert transfair mittels einer Resolution, dass die Post sämtliche unbeteiligten Mitarbeitenden in Form einer Spezialprämie entschädigt.

Öffentlicher Verkehr: transfair fordert mehrheitlich generelle Lohnerhöhungen
Die ab 2016 im Rahmen des Stabilisierungspakets der Pensionskasse SBB vorgesehenen Massnahmen gelten auch für 2019. Weil die Jahresteuerung 2018 1,2 Prozent nicht übersteigt, verzichten die Sozialpartner auf Lohnverhandlungen. Bis 2020 werden 0,8 Prozent der Lohnsumme für individuelle Lohnmassnahmen eingesetzt. Per 1. März 2019 gibt es erneut Anpassungen bei der Pensionskasse SBB. Die Sozialpartner haben sich auf eine paritätische Einlage von 1,5 Prozent geeinigt, um die Senkung des Umwandlungssatzes zu kompensieren. Das ist nur ein erster Teil: Zum Erhalt des Rentenniveaus muss die Pensionskasse SBB die individuellen Kapitalanlagen der Versicherten stärken. transfair erwartet von den SBB, dass sie diese Teilkompensation garantieren. Die SBB machen diese Garantie vom Verlauf der Verhandlungen zum neuen GAV abhängig.

Bei den regionalen Transportunternehmen fordert transfair hauptsächlich generelle Lohnmassnahmen im Rahmen von 1,5 bis 2 Prozent. Die zu sehr individualisierten Massnahmen der vergangenen Jahre und das aktuell starke Wachstum rechtfertigen diese Forderung.
 
Die Digitalisierung entfaltet ihre Wirkung auch in der Branche Öffentlicher Verkehr. Die neuen Prozesse und Arbeitsformen steigern die Produktivität. Dies muss sich in den Löhnen der Mitarbeitenden widerspiegeln, die diese Produktivitätssteigerung ermöglichen. Ausserdem sollte dieser Produktivitätsgewinn den Mitarbeitenden erlauben, sich weiterzubilden. transfair ist der Ansicht, dass die SBB und die anderen Transportunternehmen für den Erhalt der Arbeitsmarktfähigkeit ihres Personals verantwortlich sind.

Öffentliche Verwaltung: Lohnmassnahmen auch zur Kompensation von niedrigeren Renten
Für 2018 haben die Bundesangestellten eine generelle Lohnerhöhung von 0,6 Prozent erhalten. Im ETH-Bereich kamen die Mitarbeitenden in den Genuss derselben Erhöhung. Die Pensionskasse PUBLICA hat per 1. Januar 2019 eine Senkung der technischen Parameter genehmigt, was für die Bundesangestellten einen Rentenverlust von bis zu 5 Prozent bedeuten kann. Die Kompensation wird überwiegend von den Arbeitnehmenden und von der Pensionskasse finanziert. Da sich der Arbeitgeber weitgehend aus der Beteiligung zurückgezogen hat, ist für transfair klar, dass der Bund seinen Mitarbeitenden mittels Lohnmassnahmen ein starkes positives Signal senden muss.

Für 2017 weist die Bundesrechnung einen Überschuss von 2.8 Milliarden Franken aus. In den ersten beiden Verhandlungsrunden hat transfair eine generelle Lohnerhöhung von 1,5 Prozent gefordert. Diese Forderung ist daher mehr denn je gerechtfertigt. Für transfair darf die vom Bundesrat geplante Aufstockung des Personalbestands keinesfalls auf Kosten der Lohnerhöhungen gehen. Die nächste Verhandlungsrunde findet im November 2018 statt.

Im ETH-Bereich kommen die Forderungen für 2019 jenen des Bundes nah. Mit dem zusätzlichen Argument, dass die Studiengebühren der Studenten der ETH Zürich und der EPFL ab Herbst 2019 um 300 Franken pro Jahr ansteigen. Diese Erhöhung der Mittel zielt darauf ab, die Qualität des Unterrichts zu verbessern. transfair ist der Ansicht, dass sich dieser Qualitätsgewinn auch auf die Löhne des Personals auswirken muss.

Lohngleichheit: Die Lohnunterschiede zwischen Männern und Frauen müssen sich weiter verringern
Die Sozialpartner von transfair prüfen regelmässig die Lohnunterschiede zwischen Männern und Frauen. Mit dem Instrument zur Selbstevaluation «Logib» kann geprüft werden, ob das Lohngleichheitsprinzip eingehalten wird. Es wird bei Swisscom, bei den SBB und beim Bund verwendet. Auch die Post beschäftigt sich mit der Thematik. transfair begrüsst, dass seine Sozialpartner (im Bereich öffentlicher Verkehr werden hier nur die SBB erwähnt) ein Lohngefälle einhalten, das unter der Toleranzschwelle von 5 Prozent liegt und erwartet vom privaten Sektor, dass er diesem Beispiel folgt. transfair setzt sich für eine garantierte Lohngleichheit ein. Beim Bund beispielsweise fordert der Personalverband, dass sein Sozialpartner in den Bereichen Massnahmen trifft, wo die Lohnunterschiede 4 Prozent übersteigen. Zu guter Letzt soll der Frauenanteil in oberen Kaderpositionen gefördert werden, wie zum Beispiel bei der Post.
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