Coronakrise: Personal darf nicht leidtragend sein

Coronakrise: Personal darf nicht leidtragend sein © olly/fotolia
27.04.2020

Das Coronavirus stellt die Welt auf den Kopf und sorgt für grosse finanzielle Schäden. Dies spüren auch die Service Public-Unternehmen, deren Sozialpartner transfair ist: Bei Tochtergesellschaften der Post brechen Gewinne bei den Werbeversänden weg, im öffentlichen Verkehr kämpfen die Transportunternehmen mit einem Einbruch von bis zu 90 Prozent bei den Passagierzahlen, sprich Einnahmen. Für transfair ist klar, dass diese Krise alle fordert; jedoch dürfen finanzielle Ausfälle nicht auf das Personal abgewälzt werden. Der Personalverband transfair fordert deshalb einerseits die Anpassung der strategischen Ziele der bundesnahen Unternehmen und andererseits klare Bedingungen betreffend Kurzarbeit der öffentlich-rechtlichen Arbeitgeber.

Kurzarbeit oder nicht: transfair fordert von seinen Sozialpartnern 100-prozentige Lohnfortzahlung

Es ist eine finanziell herausfordernde Situation für viele Unternehmen. Auch die Sozialpartner von transfair sind immer mehr betroffen. So prüfen z.B. SBB oder PostAuto, ob sie Kurzarbeit anmelden können. Ungeachtet dessen, ob Unternehmen Kurzarbeitsentschädigung erhalten oder nicht: transfair fordert seine Sozialpartner dazu auf, ihren Mitarbeitenden den Lohn zu 100 Prozent weiterzuzahlen.

Weiter fordert transfair klare und vor allem einheitliche Regelungen betreffend Kurzarbeit: Denn das Bundesamt für Verkehr rief die Transportunternehmen aktiv dazu auf, Gesuche einzureichen. Auch Bundesrätin Simonetta Sommaruga gab entsprechende Empfehlungen ab. Das Staatssekretariat für Wirtschaft widerspricht jedoch und sagt klar, dass öffentlich-rechtliche Arbeitgeber kein Anrecht auf Kurzarbeit haben.

transfair findet diese gegensätzlichen Aussagen deshalb sehr stossend und irreführend und verlangt Klärung. Letztendlich muss die öffentliche Hand dafür sorgen, dass die Service Public-Unternehmen liquid bleiben. Dafür kann die Kurzarbeit ein Mittel sein – aber nicht auf dem Buckel der Angestellten und nur mit klaren und einheitlichen Bedingungen, die den Arbeitnehmenden wie auch den Unternehmen Planungssicherheit geben.

Zielkorrekturen sind zwingend

Swisscom, SBB und die Schweizerische Post – allesamt Sozialpartner von transfair – haben ambitionierte strategische Zielvorgaben, die ihnen vom Bundesrat gestellt werden und auch von ihm jederzeit angepasst werden können. Angesichts der jetzigen Krise wird es unmöglich sein, diese Ziele zu erreichen.

transfair fordert deshalb in einem Schreiben an den Bundesrat, dass er die finanziellen Zielvorgaben umgehend anpasst. Bei Swisscom fordert transfair besonderes Fingerspitzengefühl. Denn dort ist der Bund Mehrheitsaktionär und muss ein gutes Gleichgewicht zwischen den Bedürfnissen der Mitarbeitenden und jener der Aktionäre finden. Das bedeutet, dass eine mögliche Gewinnausschüttung keine negativen Konsequenzen auf das Personal haben darf.

Falls dies nicht geschieht, wird die Corona-Krise verstärkt und über Jahre auf dem Buckel des Personals ausgetragen werden. Denn den Druck der Zielerreichung werden vor allem die Mitarbeitenden zu spüren bekommen. Es darf nicht sein, dass Unternehmen, um ihre strategischen Ziele erreichen zu können, Sparmassnahmen treffen, die dann das Personal gefährden. Denn sie sind es, die den systemrelevanten Service Public der Schweiz aufrechterhalten. Ein Stellenabbau im Nachgang dieser Krise wäre fatal.

Stefan Müller-Altermatt, Nationalrat und Präsident von transfair, findet klare Worte: «Der Bundesrat muss die strategischen Zielvorgaben der bundesnahen Unternehmen anpassen. Das grossartige Personal der Sozialpartner von transfair darf nicht Schaden nehmen.»

Falls der Bundesrat der Forderung von transfair nicht nachkommt, wird sich der Personalverband mit politischen Mitteln zur Wehr setzen und sich durch entsprechende Vorstösse von Stefan Müller-Altermatt und Greta Gysin (Nationalrätin und designierte Vize-Präsidentin von transfair) Gehör verschaffen.
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