FAQ zu Corona

Der Arbeitgeber darf verhältnismässige Massnahmen, wie zum Beispiel Hygienevorgaben, zwingend durchsetzen – und bei Nichteinhaltung Sanktionen ergreifen.

Wenn es viele Krankheitsabsenzen gibt, darf er Überstunden anordnen. Diese müssen aber zumutbar und notwendig sein und der Arbeitgeber muss dabei die persönliche Situation der Arbeitnehmenden, insbesondere Familienpflichten, berücksichtigen.

Er kann Home-Office anordnen, wenn eine entsprechende Klausel im Vertrag dieses Recht vorsieht. Wenn nötig, kann er den Ort der Arbeitsausführung ändern oder den Mitarbeitenden anderweitige Arbeit zuweisen. Das darf aber nur vorübergehend sein. Auch dabei muss er auf Situation der Mitarbeitenden (zum Beispiel Familien- und/oder Betreuungspflichten) Rücksicht nehmen. Wenn den Mitarbeitenden daraus Mehrkosten entstehen, muss der Arbeitgeber diese übernehmen.

Gemäss Vorgaben des Bundesamtes für Gesundheit ist bei Verdacht auf eine Erkrankung mit dem Coronavirus der Arzt telefonisch zu konsultieren. Also nicht gleich zur Arztpraxis losrennen! Anschliessend ist den Instruktionen des Arztes Folge zu leisten.

> Infos zu den Symptomen

Unternehmen haben eine Fürsorgepflicht gegenüber ihren Mitarbeitenden. Sie sind verpflichtet, ihre Gesundheit zu schützen. Sie müssen vom Bundesrat oder von den Kantonen erlassene besondere Massnahmen für Betriebe und Arbeitsplätze umsetzen. Solche gibt es zurzeit nicht. Zudem müssen sie von sich aus alle notwendigen Hygienemassnahmen treffen – die gemäss Arbeitsgesetz technisch machbar, zumutbar und den Verhältnissen des Betriebs angemessen sind.

Zum Beispiel:

  • Bereitstellen von Hände-Desinfektionsmittel
  • Information über das richtige Händewaschen
  • Untersagen des Händeschüttelns
  • Fiebermessen am Eingang
  • Ersetzen von Sitzungen mit Videokonferenzen
  • Anordnung von Home-Office
  • Aussetzen von Geschäftsreisen in Risikogebiete
  • Verpflichtung zum Tragen von Atemmasken
  • Installation eines Spritzschutzes (Trennung zwischen Arbeitnehmenden und der Kundschaft)
Krankgeschriebene Mitarbeitende sind an sich nicht verpflichtet, dem Arbeitgeber den Grund ihrer Arbeitsabwesenheit zu nennen.In Anbetracht der aktuellen Situation sind Arbeitnehmende unserer Meinung nach aber aufgrund ihrer Treuepflicht verpflichtet, den Arbeitgeber im Detail in Kenntnis zu setzen. Dies, damit er in seinem Unternehmen die notwendigen Massnahmen zum Schutz der anderen Arbeitnehmenden ergreifen kann.

Wenn die Behörden keine derartigen Anweisungen erteilt haben und Betriebe nicht geschlossen sind, ist das nicht möglich. Der Arbeitgeber hat dann keine Lohnzahlungs­pflicht, und ich riskiere gar eine Kündigung.

Wenn objektive Gründe dafür sprechen, dass mein Arbeitgeber bei bestehender Ansteckungs­gefahr nicht ausreichende Schutzmassnahmen ergriffen hat, darf ich der Arbeit fernbleiben. Das sollte ich dem Arbeitgeber aber unbedingt mitteilen.

In diesem Fall muss der Arbeitgeber die erforderliche Zeit für die Betreuung eines kranken Kindes zur Verfügung stellen. Das sind nach Gesetz bis zu 3 Tagen pro Krankheitsfall. Dazu braucht es ein entsprechendes Arztzeugnis. Einzelne Gesamtarbeitsverträge sehen sogar grosszügigere Leistungen vor. Mitarbeitende sind jedoch verpflichtet, längere Abwesenheiten zu vermeiden und sich entsprechend zu organisieren, um wieder zur Arbeit gehen zu können.
Wenn der Arbeitgeber – aus welchem Grund auch immer – keine oder zu wenig Arbeit anbieten kann, bleibt er lohnzahlungspflichtig. Das wäre ein Fall von Annahmeverzug: Der Annahmeverzug kommt dann zum Tragen, wenn der Arbeitgeber den Mitarbeitenden nicht wie vereinbart Arbeit anbieten kann. Trotz eigentlich nicht geleisteter Arbeit ist in diesem Fall der Lohn dennoch geschuldet. In folgenden Fällen kommt es üblicherweise zu Annahmeverzug:
  • Es liegt keine Arbeit vor (z. B. Auftragsstornierung)
  • Der/die Arbeitnehmende ist freigestellt (das Leistungsangebot des/der Arbeitnehmenden wird zurückgewiesen)
  • Die Leistungsverweigerung der/des Arbeitnehmenden ist berechtigt (z. B. bei Unterlassung der Massnahmen zur Arbeitssicherheit)

Den Arbeitnehmenden wird empfohlen, die eigene Arbeit ausdrücklich dem Arbeitgeber anzubieten. So können Missverständnisse geklärt werden.

Wenn der Arbeitsvertrag keine spezielle Bestimmung enthält, darf der Arbeitgeber nicht einseitig die Kompensation von Überstunden mit Freizeit anordnen. Dazu ist die Zustimmung der betroffenen Mitarbeitenden notwendig.

Dasselbe gilt bei unbezahltem Urlaub. Arbeitgeber können Arbeitnehmende nicht dazu zwingen.
Wenn der öffentliche Verkehr durch eine behördliche Massnahme stillgelegt ist und Arbeitnehmende deswegen nicht mehr zur Arbeit gehen können, kann der Arbeitgeber Kurzarbeitsentschädigung verlangen. In diesem Fall wird der Lohnausfall grösstenteils dadurch entschädigt.
Bereits vereinbarte Ferien dürfen nur bei schwerwiegenden Gründen verschoben werden, um den Betrieb aufrechtzuerhalten. Bei sehr vielen Krankheitsabsenzen kann das der Fall sein. Der Arbeitgeber muss dann den entstandenen Schaden (zum Beispiel Annullierungen) ersetzen.
Grundsätzlich hat der Arbeitgeber nicht das Recht, zu bestimmen, wohin seine Mitarbeitenden in die Ferien gehen. Daher kann er auch Ferien in einem Risikogebiet nicht verbieten.
Um die Gesundheit der anderen Mitarbeitenden zu schützen, darf der Arbeitgeber dies tun. Der Lohn bleibt aber weiterhin geschuldet. Je nach Situation und Ansteckungsgefahr im Risikogebiet kann die Arbeitsabsenz allerdings als selbstverschuldet eingestuft werden.