GAV Umfrage bei Swisscom und cablex mit eindeutigem Resultat

GAV Umfrage bei Swisscom und cablex mit eindeutigem Resultat ©MH/AdobeStock

Im Juni 2020 hat transfair eine Onlineumfrage zu den GAV-Bestimmungen von Swisscom und cablex durchgeführt. Ziel war es, beim Personal den Puls zu spüren und herauszufinden, ob neue GAV-Verhandlungen nötig sind. Die 1500 eingegangenen Antworten zeigen, wo Optimierungsbedarf besteht. transfair gibt einen Einblick.

Als Erstes möchte sich transfair bei den mehr als 1500 Personen von Swisscom und cablex, die an der Umfrage teilgenommen haben, bedanken. Sie haben an der umfangreichen Umfrage mitgemacht und ihre Einschätzung zu folgenden Hauptunkten abgegeben:
  • Lohn und Zulagen
  • Arbeitszeit
  • Ferien
  • Sozialplan
  • Berufliche Weiterentwicklung
  • Persönlichkeits- und Datenschutz
  • Vereinbarkeit von Arbeits- und Privatleben
  • Mitwirkungsrecht  

Die Analyse im Detail

Die Umfrageresultate zeigen deutlich, bei welchen GAV-Bestimmungen und in welchen Bereichen es noch Probleme bei der Umsetzung und Anwendung gibt und wo Handlungsbedarf besteht. Die Befragten haben zudem zahlreiche konkrete Verbesserungsvorschläge unterbreitet. Im Hinblick auf die Resultate lässt sich festhalten, dass Aspekte wie Transparenz, Kommunikation, Arbeitsorganisation, Arbeitsklima, berufliche Perspektiven und Wohlbefinden der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Fokus stehen.

Schlussentscheid fällt am Branchenkongress

An zwei Workshoptagen im August hat sich transfair die Umfrageresultate sowie alle Kommentare und Vorschläge der Teilnehmenden ganz genau angeschaut. Das Ergebnis dieser Workshops wird erneut einer Überprüfung unterzogen. Im Rahmen dieser Überprüfung werden auch potenzielle Prioritäten und Forderungen zuhanden von Swisscom und cablex festgelegt. Diese wiederum werden den Mitgliedern anlässlich der Branchenversammlung vom 25. November 2020 zur Genehmigung vorgelegt. Jene Mitglieder, die dann vor Ort sind, werden auch darüber befinden können, wie wichtig ihnen Neuverhandlungen sind.
 
Eingeladen sind alle Mitglieder der Branche Communication. Der Branchenkongress findet am 25. November 2020 von 9.30 bis 16.15 Uhr im Raiffeisen Forum in Bern statt. Anmeldungen bitte bis 1. November 2020 an gaby.moehl@transfair.ch.

Einblick in die Resultate



Am wichtigsten (Skala 1-5) sind den Befragten Themen, die seit Beginn der gewerkschaftlichen Arbeit im Fokus von transfair stehen. Was jedoch teilweise ganz fehlt und entsprechend ein wichtiger Bestandteil von zukünftigen GAV sein muss, sind Regelungen zu Homeoffice, Kündigungsschutz bei über 50-jährigen sowie bezahlte Pausen bei cablex.

Etwa 68 Prozent der Teilnehmenden stimmen der Reduktion der Arbeitszeit auf eine 4-Tage-Woche teilweise bis voll und ganz zu. Die genannten Vorteile sind divers. Für die Befragten muss die Reduktion der Arbeitszeit mit der Gewährleistung von gleichem Lohn und unveränderten Sozialleistungen einhergehen. Nachteilig erachten die Befragten den erhöhten Druck, ein gleichbleibendes Arbeitsvolumen sowie ökonomische Risiken. Für transfair und die Befragten ist klar: es braucht klare Spielregeln und den Forderungen, wie z.B. gleicher Lohn, Entlassungen sowie Reorganisationen stoppen, die Beibehaltung der freien Tage, muss Folge geleistet werden.

Knapp 80 Prozent der Befragten wünschen sich teilweise bis zu voll und ganz mehr Transparenz und ein einfacheres und nachvollziehbareres Lohnsystem. Das System ist zu komplex und die Chancengleichheit für Lohnentwicklungen sind nicht gegeben. Dort braucht es unbedingt Verbesserungen.

Über 90 Prozent der Befragten finden die Einführung der 5 Weiterbildungstage teilweise bis voll und ganz zufriedenstellend. transfair freut sich, dass hier ein wichtiger Schritt in die Investition der Kompetenzen des Personals gelungen ist. Schade ist jedoch, dass gewisse Teamleitende oft abneigend reagieren oder unzureichend informiert sind. Auch beim Angebot und beim Budget besteht Optimierungspotenzial, das transfair angehen will.

Über 90 Prozent der Befragten sind mit ihren Ferien zufrieden. Die Optionen nach Sabbaticals sowie mehr Ferien für über 50-jährige werden als Optimierungsmöglichkeiten genannt.

Etwa 90 Prozent der Befragten finden, dass die Möglichkeiten ausreichend sind. Jedoch gibt es auch hier sehr viele Wünsche, wie z.B. eine Stärkung des Vaterschaftsurlaubs, klare Regeln betreffend Homeoffice, bessere Bedingungen für die Care-Arbeit (besonders auch in Bezug auf ältere Angehörige) sowie die Frage nach der Förderung oder gar Einführung von Kinderkrippen für das Personal.

Obwohl 90 Prozent der Befragten finden, ihre Persönlichkeit und ihre Gesundheit seien ausreichen geschützt, gibt es alarmierende Kommentare. Besonders oft wird der zunehmende Druck auf das Personal, die mangelnde Rücksichtnahme des Arbeitgebers auf die psychische Gesundheit sowie körperliche Probleme in Zusammenhang mit der Infrastruktur genannt. Hier wird transfair garantiert ansetzen. Die psychische und physische Gesundheit des Personals muss an erster Stelle stehen.




Ein Gros des Personals findet, dass seine Daten genügend geschützt seien. Jedoch fällt auf, dass tendenziell mehr Mitarbeitende gar nicht wissen, welche Daten aufgezeichnet werden. Bemängelt wird, dass die Datensicherheit nicht transparent und nicht überprüfbar ist. Auch die Datenverarbeitung im Ausland sowie das Autosense-System werden als kritisch erachtet. Für transfair ist klar, hier besteht Handlungs- und Informationsbedarf.


Die Zustimmung nimmt bei dieser Frage merklich ab. Es besteht Handlungsbedarf. Arbeitnehmende über 50 müssen besser geschützt werden und die internen Umschulungsmöglichkeiten müssen besser genutzt werden. Eine weitere Nennung, die transfair sicherlich im Auge behalten wird, ist die Möglichkeit des Vorruhestands bei cablex.