Wo bleibt die sprachliche Diversity?

Wo bleibt die sprachliche Diversity? © SecondSide/AdobeStock
07.12.2020

Auf Stufe Konzernleitung und im höheren Management sind die Romands, Tessiner resp. Tessinerinnen und Rätoromanen resp. Rätoromaninnen bei Swisscom inexistent. Das sieht man, wenn man das Organigramm unter die Lupe nimmt, auf den ersten Blick. Von sprachlicher Diversity, die transfair von einem Unternehmen, das mehrheitlich in den Händen des Bundes ist, fordert, ist keine Spur zu sehen. transfair ist der Meinung, dass die offiziellen Landessprachen in den übergeordneten Organen der bundesnahen Betriebe angemessen vertreten sein sollen. Heutzutage ist dies nicht der Fall. Gemeinsam mit seiner Co-Präsidentin und Nationalrätin Greta Gysin hat transfair ein Postulat eingereicht, um diesen Umstand zu korrigieren.

transfair hat bereits 2017 auf dieses Problem aufmerksam gemacht und damals ein Schreiben an den Verwaltungsratspräsidenten Hansueli Loosli gerichtet. Die Antwort von Swisscom klang beruhigend: «Sehr geehrter Herr Métrailler, seien Sie versichert, dass wir mit Entschlossenheit Massnahmen umsetzen werden, um die lateinische Kultur innerhalb unseres Unternehmens zu fördern. Die Umsetzungsphase im Anschluss an die Festlegung von passenden Massnahmen wird jedoch einige Zeit in Anspruch nehmen.»

Nichts als heisse Luft

Rund drei Jahre nach diesem Versprechen und nach den Interventionen von transfair sollte sich Swisscom doch stetig verändert und an diesem Versprechen gearbeitet haben. Woran liegt es, dass die Romands und die Tessiner nach dieser ganzen Weile noch weniger vertreten sind? Für transfair ist klar, wo der Hund begraben liegt: Die Verantwortlichen interessieren sich nicht für das Thema und haben deshalb noch nichts unternommen, weder im Bereich «Festlegung von passenden Massnahmen» noch in der «Umsetzungsphase». Anstatt den Kreis der Möglichkeiten bei der Besetzung von offenen Stellen zu erweitern, beschränkt sich die Talentsuche jeweils auf die Deutschschweiz und Deutschland. 

Die Zeit der schönen Reden ist vorbei

Die aktuelle Situation höhlt den Gleichheitsgrundsatz aus, der sowohl die Geschlechtergleichheit als auch die kulturelle und die sprachliche Vielfalt umfasst. Vielfalt darf nicht als Hindernis betrachtet werden, sondern vielmehr als eine Chance und ein Entwicklungspotenzial. Auf ihrer Website schreibt Swisscom schwarz auf weiss, dass sie Diversity, sprich Vielfalt, leben und fördern will. Diese Aussage darf nicht nur ein Lippenbekenntnis bleiben! Es müssen Taten folgen. transfair stellt deshalb die klare Forderung: Swisscom muss umgehend die in der Bundesverwaltung geltende Regelung in Bezug auf die Vertretung der Sprachgemeinschaften gemäss Artikel 7 der Verordnung über die Landessprachen und die Verständigung zwischen den Sprachgemeinschaften anwenden. transfair erwartet Taten als Beweis dafür, dass Swisscom dieses Problem ernst nimmt.

Ein Postulat, um Ungleichheiten auszuräumen

Der Personalverband hat beschlossen, auf politischer Ebene zu intervenieren. Gemeinsam mit seiner Co-Präsidentin Greta Gysin hat transfair ein entsprechendes Postulat eingereicht. Der Bundesrat soll eine datengestützte Analyse dieser Repräsentativität vornehmen und Massnahmen ergreifen, damit die bundesnahen Unternehmen und Anstalten die festgelegten Quoten einhalten. Die Verordnung über die Landessprachen und die Verständigung zwischen den Sprachgemeinschaften hält nämlich folgende Mindestquoten fest:
  • Deutsch: 68,5 bis 70,5 Prozent
  • Französisch: 21,5 bis 23,5 Prozent
  • Italienisch: 6,5 bis 8,5 Prozent
  • Rätoromanisch: 0,5 bis 1 Prozent
 
Auf Basis dieser Zahlen besteht dringender Handlungsbedarf.
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