Billag: eine politische Entscheidung?

Billag: eine politische Entscheidung? © Billag
25.04.2017

Ausschlaggebend für den Entscheid des UVEK, die Erhebung der Radio- und Fernsehempfangsgebühren nicht mehr Billag anzuvertrauen, waren – so die gesetzeskonforme Begründung – finanzielle Gründe. Es steht jedoch auch der Verdacht im Raum, dass die bevorstehende Abstimmung zur No-Billag-Initiative ihre Schatten vorausgeworfen hat.

In der Tat wird es den No-Billag-Initianten schwerfallen, den Überbringer schlechter Nachrichten, d.h. den Gebühreneintreiber, «zu töten», wenn dieser nicht mehr existiert! Der Tatsache, dass die Zukunft dieses Unternehmens mit 250 Mitarbeitenden stark gefährdet ist, wurde im Beschluss des UVEK und des BAKOM kein grosses Gewicht beigemessen. Ewout Kea, CEO von Billag, hat auf unsere Fragen geantwortet.

Herr Kea, wann und wie wurden Sie über den Entscheid des UVEK / BAKOM informiert?
Am Freitag 10. März erhielt ich um 8 Uhr morgens einen Anruf von Philipp Metzger, BAKOM-Direktor, wonach das Angebot von Billag den Zuschlag für das neue Inkasso-Mandat der Radio- und Fernsehgebühren nicht erhalten habe. Herr Metzger liess mich ausserdem wissen, dass er mir keine Gründe für diesen Beschluss angeben könne und dass um 10 Uhr eine Pressemitteilung veröffentlicht würde. Ich habe trotz dieser kurzen Frist unsere Mitarbeitenden, die an jenem Tag anwesend waren, persönlich informieren können, bevor die Nachricht in den Medien erschien.
 
Welche Erklärungen haben Sie erhalten, die diesen Entscheid rechtfertigen?
 Zusammengefasst wurde unser Dossier qualitativ als sehr gut bezeichnet. Der Unterschied lag in der Angebotssumme – das neue Unternehmen hat ein Angebot unterbreitet, das nur halb so teuer war wie das von Billag.

Ein wesentlicher Unterschied zwischen den Angeboten liegt im Bedarf an Arbeitskräften, mit 110-120 geplanten Vollzeitstellen bei Billag, gegen 37 beim neuen Unternehmen. Für die Verwaltung von 3,5 Millionen Kunden mit einem Rechnungsvolumen von ca. 1,3 Milliarde Franken erscheint mir die angekündigte Anzahl Mitarbeiter sehr niedrig.

Die Frage nach der Erfahrung der Bewerber in den Bereichen Kundendienst und Inkasso (zwei Tätigkeiten, für welche die zukünftige Inkasso-Firma in der Schweiz nicht bekannt ist) scheint für den Zuschlag nicht entscheidend gewesen zu sein.
 
Was meinen Sie zum Vorwurf, dass die Billag einer politischen Entscheidung in Zusammenhang mit der No-Billag-Initiative zum Opfer gefallen ist?
Diese Frage müssen die politischen Gremien beantworten.
 
Wie haben die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter reagiert?
 Selbstverständlich haben alle unsere Mitarbeitenden mit Bestürzung und Unverständnis reagiert. Nach dem anfänglichen Schock haben jedoch alle ihre Arbeit professionell wieder aufgenommen. Ich bin stolz auf meine Mitarbeitenden, denn ihre Reaktion zeigt, dass unser Kundendienst trotz der aktuellen schwierigen Phase im Zentrum unserer täglichen Arbeit bleibt.
 
Welche Perspektiven / Alternativen bieten sich den Mitarbeitenden und der Billag?
Das aktuelle Mandat läuft bis Ende 2018, es liegen noch 20 Monate Aktivität vor uns. Wir brauchen unsere Mitarbeitenden und deren Kompetenzen, um das laufende Mandat zufriedenstellend erfüllen zu können. Selbstverständlich werden wir zu gegebener Zeit alles daran setzen, unsere Mitarbeitenden für die Zeit danach zu unterstützen.