Replik vom Personalverband transfair zum Weltwoche Artikel: Lustig ist das Beamtenleben, 21.01.2010
Lustig mag das Beamtenleben wohl schon ab und zu sein, aber vergoldet ist es nicht.
Die Lohntabelle, welche im Artikel vom 21.01.2010 in der Weltwoche abgedruckt wurde, dokumentiert nicht Durchschnittslöhne, wie man vermuten könnte, sondern weist ausschliesslich den jeweiligen brutto Höchstbetrag der entsprechenden Lohnklasse aus. Es kann unter Umständen 20 und mehr Jahre dauern, bis jemand den Höchstbetrag erreicht. Gemäss einem umfassenden Lohnvergleich aus dem Jahre 2005 sind in der Bundesverwaltung Jobs in den unteren Lohnklassen leicht über dem Markt bezahlt. Auf dem Level der mittleren Kader öffnet sich aber die Lohnschere zwischen der Bundesverwaltung und der Privatwirtschaft. Insbesondere ist die Lohnentwicklung für junge Spitzenleute beim Bund nicht besonders anziehend.
Deutlich zeigt sich dies bei der Rekrutierung von Spezialisten. Sie können in der Privatwirtschaft viel schneller in höhere Lohnsphären vorstossen als in der Bundesverwaltung. Mit CHF 361'000 (Lohnklasse 38) ist beim Bund die oberste Limit erreicht. In der Privatwirtschaft, gerade im Bereich des Finanz- und Pharmasektors, werden in den Teppichetagen um ein Vielfaches höhere Saläre bis in die Millionenhöhe bezahlt. Oft erhalten Angestellte in der Privatwirtschaft zusätzliche Fringe-Benefits (Auto, Mobiltelefon, Beteiligung zweite Säule, Vorzugszinse, etc.). Zweifellos erhalten auch Angestellte der Bundesverwaltung neben ihrem Salär, zusätzliche, transparent ausgewiesene, Leistungen in Form von Urlaubstagen, Treueprämien, Halbtax- Abo, etc.. Nur dadurch ist es dem Bund, wie der Privatwirtschaft, möglich, konkurrenzfähig zu bleiben und gutes Personal zu akquirieren und seine einmal ausgebildeten Leute länger zu halten.
Auch der Bund spürt den Spardruck
Das lustige Beamtenleben gibt es aber deswegen ohnehin nicht, weil es keine Beamten mehr gibt. Mit dem neuen Bundespersonalgesetzt ist seit 2002 der bisherige Beamtenstatus abgeschafft und das Personalrecht in weiten Teilen dem OR angepasst worden. Zudem hat das Personal der Bundesverwaltung in den letzten Jahren einen massgebenden Beitrag zur Sanierung des Bundeshaushaltes geleistet. So wurden in den Jahren 2003 - 2007 rund 2'500 Vollzeitstellen (netto) abgebaut. Das Bundespersonal wird auch in Zukunft den starken Spardruck zu spüren bekommen.
Massive Mehrbelastung
Gemäss Konsolidierungsprogramm 2011-2013 werden erneut 2% des Stellenbestandes abgebaut, was weitere rund 500- 700 Stellen betrifft. Zu den Sparmassnahmen sind auch die Entlastungsprogramme 2003/2004 zu zählen, die bis heute nachwirken. In den betroffenen Segmenten müssen mengenmässig die gleichen Aufgaben und Dienstleistungen erfüllen, was für die verbleibenden Angestellten teilweise zu einer massiven Mehrbelastung führt. Auch sei an dieser Stelle erwähnt, dass die umfangreichen Stellenstreichungen ein für alle Mal die Unkündbarkeit eines Bundesangestellten widerlegen. Der Vorwurf, dass trotz allen Appellen und Versprechungen die Personalausgaben des Bundes steigen, muss ebenfalls ins richtige Licht gerückt werden: Tatsächlich verzeichnete der Bund in den letzten 2 Jahren einen Stellenzuwachs. Dies hat jedoch nicht mit Begehrlichkeiten der Verwaltung zu tun, sondern mit zusätzlichen Aufgaben (Schengen-Dublin, rund 150 Stellen) oder auch mit Verschiebungen von Aufgaben von den Kantonen zum Bund im Nationalstrassenbau (Stellenaufbau beim ASTRA von rund 250 Stellen).
Die primäre Aufgabe der zentralen und dezentralen Bundesverwaltung ist es, einen qualitativ hochstehenden Service Public zu erbringen. Dazu zählen die wesentlichen Infrastrukturen wie Verkehrs,- Energie- und Kommunikationsnetze, die Sicherheit der Gesellschaft (z. B. Sozialversicherungen, Polizei, Militär), die Aufrechterhaltung der Lebensgrundlagen (Umweltschutz), die Einhaltung verbindlicher Spielregeln (Gesellschafts- und Rechtsordnung) sowie das Bildungs- und Gesundheitswesen.
Zentrale Voraussetzung
Ziel der Bundesverwaltung ist es, auch in schwierigen Zeiten, eine attraktive Arbeitgeberin zu sein, um so gute und motivierte Arbeitskräfte beschäftigen zu können, welche einen ausgezeichneten Service Public erbringen. Dieser ermöglicht der Baufirma, dem Malermeister, dem Schreiner oder dem Bäckereibetrieb über die Infrastruktur und die Rechtsordnung zu verfügen, die ihnen erst eine gewinnbringende Arbeit ermöglichen. Kurzum, ein guter Service Public ist eine zentrale Voraussetzung für die Lebensqualität der Bevölkerung und eine prosperierende Wirtschaft!
Zentrale Frage muss deshalb nicht sein, ob die Saläre inkl. Fringe-Benefits von der öffentlichen oder privaten Hand finanziert werden, sondern ob sie im Verhältnis zur erbrachten Wertschöpfung gerechtfertigt sind. Im Vergleich zu den täglich erbrachten Dienstleistungen, lassen die Löhne der Bundesangestellten ein klares Ja zu.
Damit genau diese Fragen auch künftig diskutiert werden, braucht es Personalverbände, wie transfair. transfair gestaltet die Arbeitswelt mit und setzt sich dafür ein, dass Menschen sicher und zu fairen Bedingungen arbeiten können.
Bern, 28.01.2010, Janine Wicki, Leiterin Branche öffentliche Verwaltung, transfair

