transfair GAV Konferenz: Rote Karte für die Zwischenresultate GAV-Post

transfair GAV Konferenz:  Rote Karte für die Zwischenresultate GAV-Post ©Fotalia.com
25.09.2014

Seit Ende Mai sind die Verhandlungen über den GAV Post unterbrochen. Die Teilnehmenden der transfair GAV-Konferenz bestätigten die Einschätzung des transfair Feedbackteams, dass einige Elemente der Zwischenresultate inakzeptabel sind.

An der nationalen GAV-Konferenz vom 13. September gaben wir unseren Mitgliedern die Möglichkeit über die Zwischenresultate der GAV Post Verhandlungen Stellung zu nehmen.


Realistische Ziele

Ziele der GAV-Konferenz waren, dass alle wissen, wo wir heute im Prozess stehen und wie der Zeitplan für das weitere Vorgehen ist. Ferner sollten kritische Punkte überprüft und so definiert sein, dass der GAV bei Erfüllung derselben bei der Ratifizierung eine Chance hat. Das war bedeutend anspruchsvoller als erneut ein riesiger Forderungskatalog mit allen möglichen und unmöglichen Wünschen zu erstellen, die bei realistischer Betrachtung weit weg vom Ursprungsmotto „GAV-Niveau halten ist ein Erfolg“ oder „Umbau ja – Abbau nein“ liegen und deren vollständige Erfüllung mehr als in den Sternen stehen würde.

Bereits am Vormittag tagte das transfair Feedbackteam. Es zeigte sich, dass es richtig war, das Feedbackteam laufend transparent und ausführlich über die Verhandlungen zu informieren. Dadurch hatte das Feedbackteam Zeit zum Diskutieren und Reflektieren. Wir konnten so mögliche Konsequenzen rechtzeitig erkennen, Lösungsoptionen diskutieren und aufgrund konkreter Beispiele von Betroffenen Vergleichsberechnungen anstellen. Das Feedbackteam hatte nach seiner letzten Sitzung vom 20. Juni die Gelegenheit offene Fragen zu stellen und Wünsche für die Erarbeitung von Vergleichstabellen oder Anwendungsfällen anzubringen. Die Erarbeitung solcher Vergleiche und Beispiele war ein grosser Aufwand für uns. Dies lohnte sich jedoch, konnten wir doch so allen Beteiligten die einzelnen Themen verständlich machen. Besonders hilfreich erwies sich die Tabelle „Wer gewinnt – wer verliert“, in der wir Auswirkungen der Zwischenresultate auf die einzelnen Bereiche aufzeigten. Anhand dieser Übersicht zeigte sich ob ein Punkt in seiner Summe negativ ist oder ob er auch positive Seiten hat.


Nachverhandlungen der kritischen Punkte

Mit der Information über die Änderungen der GAV-Landschaft, dem Prozess der Verhandlungen, und einem Rückblick wurden die Teilnehmenden der GAV-Konferenz an das Thema herangeführt.

Danach wurde die aktuelle Situation und die Konsequenzen aus den theoretisch möglichen Szenarien erläutert. Dass die alte Gesetzgebung eine GAV-Abschlusspflicht und die neue eben nur noch eine GAV-Verhandlungspflicht vorsieht, war danach klar. Auch die Gründe welche hinter dem Wechsel vom Arbeitszeitgesetz (AZG) zum Arbeitsgesetz (ArG) stecken, wurden mit einem Exkurs zu den politischen Entscheidprozessen und den Interessen der Wirtschaftsvertretern aufgezeigt. Der aktuelle GAV enthält übrigens im Artikel 85 die Aussage, dass sich die GAV-Parteien verpflichten, den absoluten Arbeitsfrieden zu wahren und sich jeder Kampfmassnahme zu enthalten. Damit war auch klar, weshalb transfair während der Laufzeit des aktuellen GAV zu keinen Streik- oder Kampfmassnahmen Hand bot. Wir sind der Meinung, dass es uns am Verhandlungstisch, denn nur dort können wir Verbesserungen erzielen, gelingt, die kritischen Punkte so nachzuverhandeln, dass wir am Schluss sagen können: „Verhandlungen gelungen – GAV-Niveau gehalten“.

 

Die Ziele der GAV-Konferenz haben wir erreicht: Die Liste der kritischen Punkte ist bereinigt. Die Konferenz erkannte, dass die Punkte Ferien und Feiertage miteinander verknüpft werden können und das Resultat beinahe neutral ist. Die Verhandlungsdelegation bekam den Auftrag die Bedingungen der Nachgewährung der Feiertage noch zu verbessern. Die angepassten Kündigungsfristen liegen teils auf dem Niveau des Obligationenrechts (OR) oder teils darüber. Dies kann nicht darüber hinweg täuschen, dass die Kündigungsfristen für den Arbeitgeber kürzer geworden sind. Hintergrund ist aber auch, dass das OR explizit unterschiedlich lange Kündigungsfristen für Arbeitgeber und Arbeitnehmer untersagt. Die Diskussion ergab, dass lange Kündigungsfristen nicht vor Kündigung schützen. Will die Post unliebsame oder leistungsschwache Mitarbeitende loswerden, kündet sie ohnehin. Damit dies nicht beliebig wird, wurden als Gegenpol die Bedingungen bei missbräuchlicher Kündigung massiv verschärft. Der Versammlung war es schlussendlich wichtiger beim zeitlichen Geltungsbereich, daher bei der Laufzeit des neuen GAV, mehr Sicherheit beziehungsweise mehr Kontinuität bei den Anstellungsbedingungen zu haben. Diese drei Punkte wurden in der Folge von der Liste der kritischen Punkte gestrichen.  

Weiterhin kritische Punkte bleiben der persönliche Geltungsbereich, die Treueprämien sowie die Lohnsystematik. Die Zeit- und Geldzuschläge für Nachtarbeit, die Arbeitsorte, der zeitliche Geltungsbereich und die Umsetzung wurden neu in die Liste aufgenommen.

Wir sind überzeugt, dass wir noch ein besseres Resultat erzielen werden und kämpfen dafür, dass das bisherige GAV-Niveau in seiner Gesamtheit gehalten und es keine Mehrfachverlierer geben wird. Die Verhandlungen werden voraussichtlich Ende Oktober weitergehen. Der Abschluss ist auf Frühling 2015 geplant. Erneut wird das transfair Feedbackteam den Prozess begleiten.

Einsatzbereiche
Die Schweizerische Post